Kollege Sascha machte mich durch einen Tagi-Artikel auf einen Whisky-Laden in Rapperswil aufmerksam, der von «Whisky Time» zum besten in der Schweiz gekürt worden ist – zum zweiten Mal. Nachdem ich dort meine Heimbar aufgewertet hatte, entdeckte ich unweit davon einen weiteren Whisky-Shop. Da ich nun schon vor Ort war …
Am Samstag, 21. Februar 2026, regnete es nur ein einziges Mal – den ganzen Tag lang. Ich hätte insofern zu Hause bleiben können, traurige Blues-Songs anhören, die Steuererklärung ausfüllen und mir mit Tränen in den Augen ausrechnen, wie viel Whisky ich mir von der zu erwartenden Steuerrechnung hätte erwerben können.
«I tell my blues
They mustn’t show
But soon these tears
Are bound to flow
Cause it’s raining
Raining In My Heart»
Doch plötzlich erwachte der Wermutwolf in mir und ich machte mich auf den Weg nach Rapperswil SG, um mich mit Lebenswasser einzudecken. (In der ersten Folge dieser Rubrik war ich im Zürcher Unterland unterwegs.)

«The Whisky Store» an der Kluggasse 15, und auch Eigentümerin Heidi Lüdin, die Besucher seit über zehn Jahren dort empfängt, wirken in echt ziemlich genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Eine lebhafte Kennerin der Materie, zuvorkommend, in einem gemütlichen Laden, der augenscheinlich primär von Stammkundschaft frequentiert wird.

Nachdem Heidi einen anderen Kunden und mich parallel beraten hatte, erwarb ich nach entsprechenden Tastings zwei Single Malt Scotch-Flaschen, ein 13-jähriger Highlander mit 53 Alkoholprozenten, der im April letzten Jahres extra für die Schweiz abgefüllt worden ist und einen 16-Jährigen von «The Balvenie» aus Speyside (47,6 %), der nach all den Jahren im amerikanischen Eichenfass noch eine Nachreifung in französischen Eichenfässern bekam, in denen zuvor Pineau de Charentes gelagert wurde, was den Whisky floral-fruchtig-süsslicher macht.

Für mich schmeckt der Balvenie sensationell und ist an diesem Degustationstag der absolute Überflieger. Auch herbe und Honig-Noten schmeicheln dem Gaumen. Heidi’s Vater war Weinsammler und tauschte sich mit ihr bezüglich ihren sensorischen Wahrnehmungen zu den jeweiligen Flaschen aus. Nun, inspiriert von der AppleTV+-Wein-Serie «Drops of God», der sich Kollege Sascha redaktionell widmet, meine Kopfkino-Bilder, wenn ich ihn trinke:
Ich spaziere im Frühling durch den Wald, es hatte geregnet, jetzt duftet es rundherum, ich biege auf eine Blumenwiese ab, lege mich hin und schaue den Vögeln und Bienen beim Fliegen zu. Ich fühle mich fröhlich, neugierig und möchte am liebsten mit den Hunden herumtollen, die man in der Ferne hört. Ich sammle einige Kräuter, schaue in den wolkenfreien Himmel hinauf und spüre die Wärme der Sonne am ganzen Körper. Es ist ein guter Tag!

Unweit vom «The Whiskey Store» entdeckte ich anschliessend einen weiteren Laden, der zwar nicht mit Heidi’s Reich zu vergleichen ist, in dem man aber auch guten Whisky erwerben kann, und der ebenfalls schon einige Jahre in Rapperswil existiert, seit 2017. «vomFASS» ist eine Franchise, die es mittlerweile über 280 mal in 33 Ländern gibt. Sie wurden in der Vergangenheit ebenfalls ausgezeichnet; für ihr Nachhaltigkeitskonzept. Wie es der Name sagt, kann man verschieden grosse Flaschen vom Fass abfüllen und später auch nachfüllen lassen. Und was natürlich wichtig ist; auch vorgängig probieren.

Nach kurzer Zeit hatte ich einen Treffer zu verbuchen. Der Small Batch Irish Whiskey (43 %) der Teeling-Brüder schmeckt mir gut, mit seinen blumig-fruchtigen und süssen Geschmacksrichtungen, welche durch die Reifung in Bourbon-Fässern, die zuerst mit dunklem Craft Bier befüllt wurden, erreicht werden. 73 Franken für den halben Liter ist auch nicht ganz günstig, das Preis-/Leistungsverhältnis geht aber trotzdem in Ordnung. Auf sieben Deziliter hochgerechnet ergibt das 102 Franken, was deutlich weniger ist, als der Balvenie, der auch Sascha begeistern konnte, gekostet hat (online für etwas über 160 Franken bestellbar).

2015 – seit dann führt auch Heidi ihr Geschäft – fand die Eröffnung der «Teeling Distillery» statt, die erste in Dublin seit über 125 Jahren. Diesem Handwerk wird in der Teeling-Familie bereits seit 1782 nachgegangen. Auch wenn das nicht durchgehend der Fall ist – die ganze irische Whiskey-Industrie befand sich im 20. Jahrhundert ja im heftigen Niedergang (Konkurrenz durch die Schotten, Handelskriege mit GB, Prohibition, Wirtschaftskrise) – ist die Teeling-Familie massgeblich an der Renaissance des irischen Whiskeys beteiligt. 2011 verkaufte John Teeling die Cooley-Destillerie für 95 Millionen Dollar an Beam (heute Suntory). Beim Deal sicherten sich die beiden Söhne 16 000 Fässer gelagerter Whiskey aus Cooley, womit sie ihr Startup mit Schwung aufnehmen konnten. 2017 verkauften sie einen Mehrheitsanteil an Bacardi, welche Kapital und Logistik für die Expansion bereitstellen konnte.

«vomFASS» gibt es 15-mal in der Schweiz, auch in Zürich, und ich werde sicher wieder einmal eines ihrer Geschäfte besuchen. Nebst Whiskey umfasst ihr Angebot auch Feinkost, Essig, Öl, Wein und mehr. Ich bekam zusätzlich ein Muster eines leckeren Dattel-Balsamicos sowie einen Prospekt ihrer Schnitzeljagden, die man zu Fuss, per Bahn oder mit dem Fahrrad absolvieren kann.

Ich mochte Rapperswil schon immer und jetzt wo ich diese beiden tollen Shops kenne, umso mehr. Die Rosenstadt ist immer eine Reise wert, selbst wenn das Wetter nicht mitspielt. Die Seepromenade, das Schloss, der Zoo, das Irish Pub, «Rappi» hat alles was man braucht. Letztmals war ich in der Adventszeit dort, da ich den dortigen Weihnachtsmarkt sehr schätze. Auch bei der Bier Factory schaute ich letztes Jahr auf meiner endlosen Bierbrauerei-Odyssee vorbei, die ebenfalls ganz tolle Produkte herstellen. Ich beschloss den Samstag abends zuhause mit ausgezeichnetem Bier und noch besserem Whisky. Das Leben kann auch mit Regenwetter schön sein. It’s raining in my liver … Cheers!











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