Als wir mit dem Wermutwolf im Mai 2023 loslegten, präsentierte Sascha eine Liste mit den besten Trinkfilmen. Im September 2024 erwähnte ich, dass ich einen anderen Bukowski-Film als «Barfly» in die Liste mit aufgenommen hätte. Und jetzt möchte ich die Liste mit einem Werk ergänzen, das schräger ist, als die anderen Filme zusammengenommen: Das deutsche 70er-Jahre-Meisterwerk «Bildnis einer Trinkerin».
Zu Beginn jedoch gleich eine Warnung: Wer sich primär zum Mainstream hingezogen fühlt, sich mit Surrealismus unwohl fühlt und eine lineare Erzählstruktur braucht, der kann sich hier wohl gleich ausklinken, denn Ulrike Ottingers Zelluloid-Trip über eine Frau, die nach Berlin reist, um sich auf eine endlose Sauftour zu begeben, ist selbst für kunstliebende Cineasten harter Stoff. Ich lachte herzhaft, als ich gelesen hatte, dass das ihr zugänglichster Film sei …
Der englische Titel heisst «Ticket of no return» und ich stolperte im Streamingdienst MUBI darüber, den ich für seine Arthouse-Programmation sehr schätze und der mittlerweile eine relativ grosse Nummer im Filmgeschäft ist, mit eigenem Magazin («Notebook»), Festival («MUBI Fest») und auch selbst produziert (bspw. Jim Jarmusch) und restaurieren lässt. Dabei achten sie verdankensweise mehr auf Qualität als auf Quantität. Hier könnt Ihr MUBI abonnieren. Das wäre nobler, als sich den Film gratis auf irgendeiner obskuren russischen Plattform anzuschauen …
Ohne jegliches Vorwissen und Erwartungen staunte ich nicht schlecht über die kreative und mutige Leistung aller Beteiligten. Hauptdarstellerin Tabea Blumenschein wirkt so wie sie heisst und Nebendarstellerin Nina Hagen zeigt sich so rotzig-abenteuerlich, wie man sie halt kennt. Andere berühmte Nebendarsteller sind Kurt Raab und Eddie Constantine, die beide 1973 in Rainer Werner Fassbinder’s kongenialer Verfilmung des Kultbuchs «Simulacron-3» von Daniel F. Galouye mitgespielt hatten; «Welt am Draht». Quasi «Matrix» von anno dazumal … Und Eddie Constantine war auch der Hauptdarsteller in Jean-Luc Godard’s Klassiker «Alphaville». Hier können wir nun den Bogen zu Filmemacher Richard Linklater schliessen, der gerade mit der Verfilmung der Dreharbeiten von Godards «Ausser Atem», dessen Titel «Nouvelle Vogue» ist, für Furore sorgte.
Linklater, vor allem durch die tiefschürfende, lebensnahe wie auch unterhaltsame Trilogie «Before Sunrise»/«Before Sunset»/«Before Midnight» mit Ethan Hawke und Julie Delpy bekannt, bewundere ich besonders für spezielle Arbeiten wie «Waking Life» und «A Scanner Darkly». Er ist ausserdem mit «Everybody Wants Some!!» bereits auf Saschas Liste vertreten und würdigte Ottingers «Bildnis einer Trinkerin» vor einigen Jahren am Austin Film Festival:
Weitere Informationen zum Inhalt möchte ich Lukas Stern von filmexplorer.ch überlassen, der anlässlich einer Wiederaufführung in Bern 2017 diesen wunderbaren Artikel geschrieben hat, der für mich persönlich den Nagel voll auf den Kopf getroffen hat. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.
In einer Zeit, in der Filme zunehmend langweiliger, uniformer werden und in der schon geringer Alkoholkonsum an den Pranger gestellt wird, macht Ottingers Kunstwerk grösstmögliches Vergnügen. Wer hier ein Suchtfilm sieht, wird ins Leere laufen und auch sonst rate ich von zu viel Moral, Urteil und Einordnung dringend ab, auch wenn die drei Nebenfiguren «Soziale Frage», «Exakte Statistik» und «Gesunder Menschenverstand» ebenfalls Spass bereiten …

Wie bei Dittsche, wurde beim «Bildnis» ebenfalls grosszügig improvisiert. Der Film macht auch so viel Vergnügen, weil er so viele zutiefst witzige Szenen enthält, und das eine oder andere Gläschen zum anschauen ist sicher nicht verkehrt … Cheers!











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