Weekend-Briefing (21)

Normalerweise wollen wir Euch in dieser Rubrik den Raketenstart ins Wochenende bieten. Heute nicht. Als Premiere machen wir das nun mal umgekehrt: Voll gechillt mit ein paar herrlich perlenden Bierchen relaxt den Wochenausklang einläuten. Jetzt packen wir den «Dittsche» in uns aus. Bidde!

Die deutsche TV-Serie «Dittsche» mit Olli Dittrich in der Titelhauptrolle lief von 2004 bis 2018 sagenhafte 27 Staffeln mit insgesamt 244 Folgen lang im öffentlichen deutschen Fernsehen. Das Konzept der Comedy-Show um einen arbeitslosen Wirr- und Suffkopf im Bademantel war denkbar einfach – und absolut genial! Die ungefähr halbstündigen Folgen wurden live und ohne Drehbuch, improvisiert aufgenommen, mit sechs fix platzierten Kameras, die per Timer hin und her wechselten. Nur eine der Kameras war vom Kontrollraum aus steuerungsfähig, die anderen filmten starr an den immer gleichen Ort.

Alles spielt sich in der Imbissbude «Eppendorfer Grillstation» ab, eine äusserst authentische Kulisse, bei der Chef Ingo mit dem «24 Stunden sind nicht genug»-Shirt hinter der Theke steht, an der zahlreiche Mikrofone befestigt waren. Der meistens stumme Stammgast «Schildkröte» sitzt an einem Tisch und lässt stoisch Dittsche’s Gelaber über Dinge, die gleichentags in der Bild-Zeitung erschienen sind, über sich ergehen. Am Ende fragt Dittsche «Kröti» etwas, worauf dieser erwidert: «Halt die Klappe, ich habe jetzt Feierabend!». Krötenmann-Schauspieler Franz Jarnach spielte schon früher in TV-Serien im Imbissbuden-Milieu mit und verstarb 2017. Hin und wieder tritt ein Gast – oder auch Stargäste – in Ingo’s Laden hinein, oft genug aus dem Fussball-Umfeld. Da es in Hamburg spielt, sind die Protagonisten HSV-Fans (nicht St. Pauli), und auch der gesprochene Dialekt ist entsprechend.

Hier ein kurzer Ausschnitt bekannter Gäste, welche mitgespielt haben:

  • Moritz Bleibtreu
  • Anke Engelke
  • Marius Müller-Westernhagen
  • Thomas Gottschalk
  • Wladimir Klitschko
  • Detlev Buck
  • Uwe Seeler
  • Harald Schmidt
  • Til Schweiger
  • Pierre Littbarski
  • Rudi Carrell

Die Folgen beginnen stets damit, dass Dittsche herein tritt und alle drei sich mit «Mahlzeit!» begrüssen. Dann übergibt Dittsche Ingo einen Sack mit Altglas und bekommt im Gegenzug den Sack mit frischen Bieren gefüllt zurück. Wenn dann Ingo für Dittsche nicht sehr schnell «einen Hobel rüberwachsen lässt», wird Dittsche ungeduldig und beschwert sich, wie lange er noch auf das Bier warten muss. Anschliessend macht er meistens mit einem Finger ein Ploppgeräusch bei der Flaschenöffnung, trinkt einige grosse Schlucke und sagt in der Regel etwas in der Art: «Ach, das perlt ja schön!». Auf einem Trinkportal werde ich das kaum erklären müssen …

Olli Dittrich, der heuer, am 20. November, seinen 70. Geburtstag feiern kann, trinkt pro Folge bis zu vier Flaschen Bier. Um seinen Magen zu schonen und ein Überquellen bei hektischen Bewegungen zu verhindern, mixte der Produktionsleiter vorab die Flaschen mit verschiedenen Bieren zusammen und entfernte einen Grossteil der Kohlensäure. Bis zur vierten Staffel servierte Ingo richtige Markenbiere. Anschliessend wurde das «Dittschberger Pilsener» erschaffen/erfunden, um Product Placement zu verhindern. Wie auch immer, das ist nur eine Theorie. Eine andere Theorie ist, dass kein richtiges Bier ausgeschenkt wurde, da das einen Konflikt mit den Versicherungen erzeugt hätte. Eindeutige Belege gibt es keine. Jeder bilde sich beim Anblick von Olli’s formvollendeter Performance seine eigene Meinung …

Nun denn, bei den Weekend-Briefings habt Ihr jeweils Aufgaben zu erledigen. Hier sind sie. Das Trinkspiel besteht darin, bei hier eingebetteten oder irgendwelchen Folgen, die Ihr auf YouTube findet, bei folgenden Aussprüchen das Bier anzusetzen:

  • Bidde! Bidde!
  • Das perlt ja
  • Das ist meine Meinung
  • Das ist reine …
  • Du nimmst das nicht ernst
  • Mach mir mal nen Hobel klar
  • Das steht in der Bild
  • Nun kommst du
  • Mahlzeit
  • Lille lille lille lille (singend/lallend)

Olli und Jon Flemming Olsen (Ingo) waren Teil der Country-Band «Texas Lightning», welche sogar das Finale der deutschen Ausscheidung für den Eurovision Song Contest 2006 gegen Thomas Anders und Vicky Leandros für sich entscheiden konnte und als erste Country-Band für Deutschland in den Wettbewerb gezogen ist. Das war das Jahr, in dem die finnische Zombie-Rocker-Band «Lordi» gewann. Ich hatte «Lordi» einst an einem Open Air-Festival kurz erlebt und naja, obwohl ich Rock lieber mag als Country, hätte ich für «Texas Lightning» und deren Song «No No Never» gestimmt, welcher notabene 2006 eine Platin-Schallplatte bekam für über 300’000 verkaufte Tonträger … Jedenfalls habt Ihr hier die Aufgabe, deren Album «Meanwhile, Back At The Golden Ranch» anzuhören und herauszufinden, von wem sie die berühmten Songs covern:

Als dritte und letzte Aufgabe müsst Ihr herausfinden, welche dieser vier Stories aus der Bild.de-Webseite (vom 31. März, nicht 1. April …) stammen und welche frei erfunden sind:

  • Der Bürgermeister von Helgoland (ca. 1300 Einwohner) möchte die Insel um ungefähr einen Quadratkilometer vergrössern, indem zwischen Hauptinsel und Düne Sand aufgespült werden soll.
  • Eine 44-jährige Frau schmachtet seit Jahren eine bestimmte Strassenbahn an – und hat sie nun geheiratet. Ihr Freund hat nichts gegen die Tra(u)mhochzeit.
  • Ostersegen nur noch vegan? Tierschutzorganisation PETA will Eier aus der Kirche verbannen. Es sollen nur noch Eier aus Holz oder Stein zum Einsatz kommen.
  • Bestattung für Hardcore-Fans. Wer sein Leben lang im Stadion steht, kann nach dem Tod in Fussball-Friedhöfen der Lieblingsvereinen bleiben.

Die Auflösung findet Ihr unter der Umfrage.

Ihr habt es Euch wohl schon gedacht. Jede dieser Bild.de-Geschichten steht/stand tatsächlich so auf deren Seite. Sowohl Helgoland, die Tra(u)m-Frau, PETA und auch die Fussball-Friedhöfe. Verrückte Welt … Jetzt wisst Ihr auch, dass Dittsche’s Bild-Geschichten die reine, perlende Wahrheit ist …

Autor

  • Wermutwolf Daniel Frey

    Ich habe Freude am Schreiben. Und am Trinken. Und am Schreiben, während ich trinke. Während des Vollmondes oder während des Trinkens verwandle ich mich in meine wölfische Urnatur.

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