Heuer fand der erste Tag des «Zürich Bier Festivals» am «Tag des Schweizer Bieres» statt, dem 24. April. Kollege Sascha und ich waren wie schon 2023, 2024 und 2025 vor Ort. Wenn ich richtig gezählt habe, standen neun Schweizer Brauereien 27 ausländischen Bierproduzenten gegenüber – davon gleich sechs Stück aus der Ukraine.
In Zürich Altstetten herrschte prächtiges Frühlingswetter und nachdem ich letztes Jahr der dritte Besucher war, welcher mit Früheintritt, der für die Degustation der sogenannten Geek-Biere erlaubt, die heiligen Hallen betreten konnte, war ich nun Nummero Uno, der wohl am stärksten unterhopfte, ungeduldigste Bierfanatiker, der sich das goldene Nass zuführen konnte.

Das Konzept ist, dass man für den einen Tag 85 Franken bezahlt, und dann bis zum abwinken Biere kredenzen kann. Natürlich ist es schwierig, diesen Betrag rauszutrinken. Bis letztes Jahr fanden auch noch Konzerte auf der Bühne statt, mal Ska, mal Irish Folk, was auch immer passte. Das konnte man der Eintrittsgebühr quasi auch noch anrechnen. Nun gab es nur noch ein DJ-Pult und der DJ machte einen guten Job, aber es ist halt trotzdem nicht dasselbe wie ein Konzert. So oder so war es nie einfach, sich bei der Lautstärke zu unterhalten.

Ich vernahm das Gerücht, dass dem Festival eventuell bald mal den Stecker gezogen werde. Ich hoffe sehr, dass das nicht passieren wird, denn trotz der erwähnten Minuspunkte würde ich den Event extrem vermissen. Die Pluspunkte überwiegen klar. Zum Beispiel die Workshops.

Sascha und ich besuchen in der Regel nur einen einzigen Workshop. Bei diesen kann man nach dem Prinzip «first come, first serve» kostenlos teilnehmen. Die Bier-Verkostungen sind logischerweise die Hauptsache des Events, doch die Workshops lassen einen hinter die Kulissen schauen und bei der aktuellen Austragung hatten wir enormes Glück und wurden mit einer denkwürdigen Veranstaltung beglückt, welche den Eintrittspreis dann mehr als rechtfertigte.

Stephan Zwahlen von Amstein machte sein Thema «Bierfehler» zum unglaublich spannenden Happening. Der Bier-Sommelier und Sensoriker feuerte nicht nur laufend interessante Faktensalven ab, was man als Bierbrauer alles falsch machen kann, sondern führte uns das auch gleich mit entsprechenden, missratenen Exemplaren vor.

Wir staunten nicht schlecht ob der Vielfalt von existenten Bierfehlern, und auch darüber, dass diese oft als Eigenheiten verklärt werden, welche Brauereien sich nicht selten solche Fehler erlaubten (wir nennen keine Namen …), und dass solche Exemplare sogar zu Award-Wettkämpfen eingesandt werden.

Mir waren so einige Trinkproben zu viel des Schlechten, sodass ich sie nach einer Riechprobe wegschütten musste, und sogar Sascha, der härter im nehmen ist, tat es mir zunehmend gleich. Natürlich war es auch nicht einfach, nach so vielen oben im Hauptsaal genossenen feinen Bieren, unten beim Workshop dann Proben zu sich zu nehmen, die beispielsweise nach Pferdestall rochen …

Wobei die vermeintlich feinen Biere eventuell auch Fehler haben konnten, denn eine der Massnahmen, die man ergreifen kann, um solche zu überdecken, sei mit viel geschmacksintensiven Hopfen zu brauen und da gab es wahrlich keinen Mangel an starkhopfigen Double- oder Triple-IPAs. Wir genossen es natürlich trotzdem arglos.

Das diesjährige Festivalbier hatten wir verpasst. Das vermutlich etwas ähnliche Nutella-Imperial-Stout mit 10,5 % Vol. der polnischen «Ziemia»-Brauerei hatte mir aber als Dessert gereicht:

Ah ja, und apropos «Tag des Schweizer Bieres»: Am 16. April wurden wieder die besten Schweizer Biere prämiert. Und die grösste Schweizer Brauerei «Feldschlösschen» (150 Jahre alt), wo am 30. April 2026 auch die Generalversammlung des «Schweizer Brauerei-Verbandes (SBV)» stattfand, stellte mit ihren Lehrlingen dieses Jahr ein alkoholfreies Bier her. Symptomatisch …

Zum Schluss möchte ich Euch die Lektüre dieses hochinteressanten Artikels des Schweizerischen Nationalmuseums über das Thema Eis, v.a. in Bezug zu Bier, ans Herz legen. Wir nehmen es als selbstverständlich hin, jederzeit ein kühles Helles schlürfen zu können. Doch so lange ist es noch nicht her, dass das reiner Luxus war. Cheers!











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