Affen stehlen nicht nur Kokosnüsse, sondern auch Cocktails – zumindest die Grünen Meerkatzen auf der Karibikinsel St. Kitts. Auch wenn sie dabei gelegentlich zu tief ins Glas schauen, ist ihr Verhalten nur allzu menschlich.
Die Affen rasen durch den Wald,
der eine macht den andern kalt,
die ganze Affenbande brüllt:
Wo ist der Cocktail?
Wo ist der Cocktail?
Wer hat den Cocktail geklaut?
Dieses Lied grölend, Cocktails schlürfend und herumalbernd stelle ich mir eine Horde Grüner Meerkatzen am Strand von St. Kitts vor.
Sorry, das falsche Video. Dieses von der BBC ist das richtige:
Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich bei den Grünen Meerkatzen nicht um Stubentiger, sondern um eine Primatengattung, auf gut Deutsch «Affen». Sie sonnen sich unter anderem auf St. Kitts und anderen Karibikinseln. Dort wurden sie im 17. Jahrhundert vom Menschen als Haustiere eingeführt – und dort haben sie das Trinken kennen und schätzen gelernt. St. Kitts ist für seinen Rum bekannt, der aus Zuckerrohr hergestellt wird. Früher blieben bei der Ernte oft Reste von fermentiertem Zuckerrohr auf den Feldern liegen – ein gefundenes Fressen für die Meerkatzen.

Fermentierter Zucker bedeutet Alkohol. Und so wie der Mensch vor Ewigkeiten über vergorene Früchte und Honig zum Alkohol fand, taten es ihm die Grünen Meerkatzen gleich. Und wie der Mensch mittlerweile nicht mehr vergärte Früchte vom Boden schlabbern muss, haben auch die Affen auf St. Kitts ihre Ansprüche gesteigert. Sie begnügen sich nicht mehr mit Zuckerrohr. Stattdessen klauen sie kurzerhand die Cocktails von Touristen.

Das ist nicht die einzige Parallele zum Menschen. Forscher haben sich intensiv mit den trinkfesten Meerkatzen von St. Kitts auseinandergesetzt. Sie untersuchten das Trinkverhalten von rund 1000 Affen. Das verblüffende Resultat:
- Die Mehrheit sind «soziale Trinker»: Sie greifen am liebsten zu Alkohol, der mit Fruchtsaft gemixt (also verdünnt) ist. Zudem bechern sie vorzugsweise in Gesellschaft und nicht vor dem Essen.
- Zwischen 12 und 15 Prozent sind Pegeltrinker: Diese bevorzugen ihren Schnaps pur oder nur mit Wasser verdünnt.
- Nur 5 Prozent sind Rauschtrinker: Sie stürzen den Alkohol schnell hinunter, teils bis zum Koma. Haben sie unbegrenzten Zugang zu Hochprozentigem, trinken sie sich innerhalb weniger Monate zu Tode. In dieser Gruppe kommt es auch häufig zu Prügeleien.
- Weitere 15 Prozent sind Abstinenzler: Sie rühren Alkohol kaum oder gar nicht an.
Besonders spannend: Die Pegeltrinker sind in ihren sozialen Gruppen oft sehr erfolgreich. Sie besetzen häufig Führungspositionen, sorgen für Ordnung und treten dominant auf. Amüsanterweise merkt der Reporter im BBC-Video an, das sei ganz anders als bei den Menschen … dabei sind die Geschichten von berauschten Anführern in der menschlichen Historie Legion, wie auch dieser Artikel von Kollege Dani schön zeigt.

Dank der Meerkatzen gab es vor wenigen Jahren sogar einen medizinischen Durchbruch: Forscher entwickelten ein Medikament, das den Alkoholdurst der Affen um ganze 50 Prozent reduzierte. Dies weckt nun grosse Hoffnungen auf neue Behandlungsmöglichkeiten für alkoholkranke Menschen.











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