Die erste Staffel der TV-Serie «Drops of God» verband Weinwissen und Spannung zu einem süchtig machenden Seherlebnis. Nun hat Apple TV+ die zweite Staffel veröffentlicht. Doch einiges hat sich geändert – nicht unbedingt zum Besseren.
Drei Jahre ist es her, dass wir unsere Begeisterung für die erste Staffel geteilt haben. Zur Auffrischung kurz die Ausgangslage:
«Drops of God» basiert auf einem japanischen Manga, der zwischen 2004 und 2014 erschienen ist und längst Kultstatus erreicht hat. Er umfasst satte 44 Bände und ist auf Englisch verfügbar, etwa bei Amazon. Ich habe ihn inzwischen selbst gelesen – und muss sagen: Er geht hinsichtlich Tiefe und Faszination deutlich weiter als die Serienadaption. Wenn Ihr also Zeit und Musse habt: Schnappt Euch ein Glas Wein und lasst Euch auf ein grossartiges Leseabenteuer ein.

Im Zentrum der ersten Staffel steht Alexandre Léger, ein legendärer französischer Önologe und Herausgeber des «Léger Wine Guide». Nach seinem Tod hinterlässt er eine Weinsammlung im Wert von 148 Millionen US-Dollar – und ein ebenso ungewöhnliches Testament: Seine entfremdete Tochter Camille muss gegen den japanischen Weinexperten Issei Tomine in mehreren Verkostungswettbewerben antreten, um das Erbe zu gewinnen. Das Problem: Camille hat praktisch keine Ahnung von Wein.
Achtung Spoiler, wenn Ihr die erste Staffel noch nicht gesehen habt: Im Laufe der ersten Staffel wird offenbart, dass Camille und Issei Halbgeschwister sind: Alexandre Léger ist ihr gemeinsamer Vater. Zudem hat Camille eine besondere Gabe: einen absoluten Geschmacks- und Geruchssinn. Sie verbindet zudem Weine mit speziellen Situationen und Erlebnissen. Denn ihr Vater hat sie als Kind trainiert, die Welt über ihre Sinne wahrzunehmen. Deshalb gewinnt sie auch den Wettbewerb. Spoiler-Ende.

Die zweite Staffel setzt drei Jahre später ein. Camille lebt inzwischen in Südfrankreich auf dem Weingut ihres Verlobten Thomas Chassangre, das sie mit ihrem Erbe modernisiert hat. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los: Alexandre Léger hat ein letztes Rätsel hinterlassen – eine unetikettierte Flasche Wein, deren Herkunft selbst er nie klären konnte. Camille und Issei machen sich erneut auf die Suche.
Ab der ersten Folge packte mich auch die zweite Staffel. Ich habe alle acht Folgen innerhalb von drei Tagen geschaut. Erneut halten die Macher einen mit Plot-Twists, dramatischen Ereignissen, Familienfehden und fiesen Charakteren bei der Stange. Hinzu kommen wunderschöne Locations und Kamerabilder.

Während die erste Staffel ihre Spannung aus der Welt des Weins bezog, verschiebt sich der Fokus nun deutlich. Die Vorlage ist ausgeschöpft, die Geschichte wird neu erfunden – und kippt dabei in Richtung Soap-Opera. Beziehungen, Konflikte und innere Dramen dominieren, während der Wein zunehmend zur Kulisse wird.
In Staffel zwei geht es hauptsächlich um Camille und Issei. Die Jagd nach dem Wein bleibt dabei bloss ein Auslöser für eine Reise, die Camille und Issei nicht nur in der Welt, sondern auch in ihrem Inneren durchmachen.
Das Resultat ist widersprüchlich: eine weiterhin unterhaltsame, visuell starke Serie – die jedoch ihren ursprünglichen Kern weitgehend eingebüsst hat. Staffel 2 funktioniert als Drama, aber nicht mehr als Hommage an die Welt des Weins. Mir fehlt in dieser Staffel die grosse «Faszination Wein» – warum man Wein sehen, riechen und schmecken, also mit allen Sinnen erleben muss. Weinwissen wird kaum noch vermittelt.
Fazit: Sehenswert bleibt «Drops of God» allemal. Doch wer die erste Staffel wegen ihrer einzigartigen Verbindung von Weinwissen und Familiendrama geschätzt hat, dürfte ernüchtert zurückbleiben.
«Drops of God» läuft auf dem kostenpflichtigen Streaming-Dienst Apple TV+.











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