Rückblick: 3. Zürcher Oberländer GIN-Festival

Zum vorerst letzten Mal im Zeughausareal Uster, das umgebaut wird, fand das Gin-Festival mit etwa zwei Dutzend Ausstellern am 9. und 10. Mai 2025 statt. Im Unterschied zu einem Bierfestival musste ich relativ zügig feststellen, dass es bei Hochprozentigem (logischerweise) viel schneller geht, bis man etwas beduselt wird …

Mit einer durch und durch professionellen Einstellung steuerten wir beim Eintreffen gleich die öffentlich erreichbaren Food-Stände an, um den vielzitierten «Boden zu schaffen». Wir entschieden uns für die tibetischen Momos, welche der Aufgabe gerecht wurden. Etwas scharfe Sosse desinfizierte das System für die bevorstehenden Aufgaben.

Die Ausbeute des Tages. Die Degu-Gläser hatten wir leider irgendwo vergessen, mitzunehmen …

Beim Gin kommen vermutlich nicht nur mir die berühmten Zitate in den Sinn, wie dasjenige von Winston Churchill, dass «der Gin-Tonic mehr Engländern Verstand und Leben gerettet habe als alle Ärzte im Imperium.» Wenngleich Churchill oft genug der reine Anblick des Tonic Wassers genügte, im Glas dann aber nur reichlich Gin und etwas Eis verblieben …

Die Food-Stände Outdoor, die Gin-Aussteller Indoor

Der erste Stand gehörte selbstredend dem Ausrichter des Events, der GIN-GARAGE, Dort probierte und ersteigerte ich mir dieses Prachtsexemplar hier:

Der Gin-Quat London Dry Gin mit süss-saurer Kumquat-Frucht

Auch am zweiten Stand, an dem Rooftop-Gin und GuruGuru-Sirup ausgeschenkt wurde, probierten wir uns durch mehrere Lebenswasser. Der Navy Strength Gin mit Chili und Hibiskus schmeckte mir derart gut, dass ich auch hiervon eine Flasche ersteigerte. Seine 57,2 Umdrehungen waren spürbar, trotzdem merkte man im Mund nichts von dieser alkoholischen Power, sehr smooth im Geschmack.

Am dritten Stand, an dem das obligate Spass-Schild nicht fehlte («Ich bin auf einer Gin & Tonic-Diät. Bis jetzt habe ich zwei Tage verloren») wurde unter anderem mein liebster Gin ausgeschenkt, Amuerte, die kürzlich ihre neue Sommeredition mit Mamoncillo launchten welche erneut sehr gelungen ist. Mit einem leichten, frischen Tonic Water ein klasse Drink für die heissen Monate und auch nur so lange erhältlich.

In meiner Heim-Bar gibt es meistens mehr als nur eine Amuerte-Version. Die schwarze Standart-Version ist aber noch immer mein Favorit.

Der gehörnte Fallen Angel in der Blutorangen-Variation war mir dann deutlich zu süss, doch mit einem leichten Tonic war es doch noch durchaus lecker. Im Leben macht es halt immer die Dosierung, Kombination der einzelnen Teilaspekte aus.

Teuflisch giftige Farben im Glas …

Der nächste Halt fand bei unseren sehr geschätzten Bekannten von Orator statt. Eva und Christian sind immer wieder an Messen anzutreffen, letztmals sah ich sie bei der Mans World und auch beim Terroir Zürisee-Anlass sind sie jeweils mit einem Stand präsent.

Christian mixte mir einen mittels Trockeneis rauchenden, klassischen, feinen Gin-Tonic mit Limette. Ehrlich gesagt konnte ich mich nicht daran erinnern, dass sie mehrere Gin-Flaschen im Angebot haben, denn für uns beim Wermutwolf stehen ihre Beeren-/Fruchtbrände mehr im Fokus, von denen sie ganz hervorragende Exemplare hinzaubern.

Ich versuchte die neue Rezeptur ihrer flüssigen Haselnuss, die auch wieder herrlich schmeckte. Und unsere Geduld wird echt auf die Probe gestellt, bis ihr Whisky endlich irgendwann genug lange gelagert ist. Aber tja, so ist das in diesem Geschäft, Geduld bringt den richtigen Geschmack in die Flasche. Als wir ihnen letztes Jahr einen Besuch abstatteten, durften wir im Fasslager unten schon mal einen Vorgeschmack verkosten, was dem Geduldsfaktor nicht unbedingt förderlich war …

In diesem Halter ist das Trockeneis eingesperrt, so dass man sich bei minus 74 Grad keine Verbrennungen zuzieht

Was mir damals Eindruck machte, waren die diversen ausgestellten Kunstgegenstände und nun, hier am Gin-Festival in Uster, sah ich eine Flasche mit einem Etikett von Martin Schwarz, die sich in jedem Büro hervorragend machen würde, denn der Künstler schrieb darauf – schön falsch – «ich mache imer alles richtig».

Offenbar arbeitete Schwarz auch mit dem von mir hochverehrten H.R. Giger zusammen und nicht nur das, 2003 wurde sogar eine gemeinsame Ausstellung in Giger’s Schloss in Gruyere abgehalten. Dort legten wir zwar früher immer wieder einen Zwischenstopp auf dem Weg ans Montreux Jazz Festival ein, seltsamerweise kann ich mich aber nicht an diese Werke erinnern. Eventuell liessen wir das mit Gruyere in diesem Jahr sein. Andererseits: Das war vor 22 Jahren. Was habe ich eigentlich gestern gemacht? Ich vermute, dass ich etwa zwei Tage verloren habe …

Letzte Station Macardo. Ich liebe ihren Thurgauer Bourbon, den Thourbon

Abschliessend probierten wir am Stand von Macardo ihren fixfertigen Negroni-Mix, als Thurgauer natürlich Thurgoni genannt. Auch dieses Produkt ist etwas überdurchschnittlich süss, mit einem entsprechenden Tonic und/oder viel Eis aber auch sehr lecker.

Wenn es sich langsam im Kopf zu drehen beginnt, schaut man instinktiv auf den Boden runter – aber da ist nur noch mehr Gin!

Eben, durch die ganze unendlich scheinende Gin-Vielfalt kann man sich sowieso nicht durchtesten, wenn man nicht André the Giant oder Oliver Reed heisst. Schluss und endlich kann man nur noch festhalten:

Autor

  • Wermutwolf Daniel Frey

    Ich habe Freude am Schreiben. Und am Trinken. Und am Schreiben, während ich trinke. Während des Vollmondes oder während des Trinkens verwandle ich mich in meine wölfische Urnatur.

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