Promi(lle) im Glas – Bob Dylan’s Whiskey

Ich gestehe gleich zu Beginn: Als ewiger Fan von Bob fällt es mir schwer, hier neutral zu sein. Aber ganz ehrlich: Sein «Heaven’s Door»-Whiskey würde mir auch ohne seinen Namen darauf verdammt gut schmecken. Alle Versionen davon. Und dann gibt es da noch seinen Whiskey-Podcast aus 2020 …

Die Geschichte beginnt jedoch am Konzert eines anderen Musikers. Ich war kürzlich in Bern am Konzert von Tito & Tarantula zugegen. Ihr wisst schon: Tarantino, Salma Hayek’s erotischer Tanz in «From Dusk Til Dawn» … Es war volle 26 Jahre zuvor, als ich die Band letztmals live erleben durfte, als sie eine fulminante Show im Palais X-Tra in Zürich spielten.

Ich liess es mir nicht nehmen, ein Selfie mit dem weiblichen Teil der Band zu schiessen. Sie in der Mitte ist Tito’s Tochter Lolita, die den Bass spielt.

Heuer, in der wunderschönen Location der «Mühle Hunziken» gibt es glücklicherweise auch ein tolles Gastro-Angebot. Und ich dachte mir, na ja, es ist eine mexikanische Band, da bietet sich Tequila an. Nachdem ich mir einen solchen an der Bar bestellte, wanderten meine Augen trotzdem noch weiter die Karte hinunter und ich sah, dass sie die Standard-Bourbon-Version des «Heaven’s Door»-Whiskeys im Angebot hatten. Ich stürzte den Tequila-Shot herunter und bestellte mir Bobs Lebenswasser.

Wie bspw. auch im Z7 bin ich um jeden Konzert-Tempel dankbar, der nicht nur 2-3 Standard-Gesöffe anbietet. Danke «Mühle Hunziken»!

Zwischen Tito und Bob gibt es eine Geschichte. Ich zitiere ein Interview vom März 2025 von nw.de:

Sie sind mit der Musik der Sixties aufgewachsen, mit Songs von Bob Dylan. Der trat am 22. März 1984 mit Ihrer damaligen Band The Plugz bei David Letterman auf und spielte ein punkiges Drei-Song-Set. Wie kam es dazu?

TITO: Ohne unser Wissen muss Dylan uns live gesehen haben. Am nächsten Tag bekamen wir einen Anruf: «Bob will, dass ihr zu ihm nach Hause kommt und mit ihm jammt». Also ging die Band am Morgen zu ihm. Ich ging nicht mit, ich war ja der Sänger, er brauchte mich nicht. Das ging neun Monate so. Am Ende wollte Bob mit den Plugz in New York im Fernsehen auftreten. Stevie, unser Gitarrist, wollte da aber nicht hin. Gott segne Stevie, aber das war das Dümmste, was er je getan hat. Also mussten wir unseren Freund J.J. Holiday dazu holen. Der Auftritt in der David Letterman-Show war ein historischer Moment. Die Plugz ahnten das nicht, sie taten einfach, was Dylan ihnen sagte. Sie wurden für den Job bezahlt.

Und das ist dieser Auftritt. Sehr cool!

Die Plugz waren an dem Tag so voller Energie, dass Dylan selbst wie elektrisiert wirkte.

TITO: Ja, und unser Drummer Charlie erzählte mir, es sei das totale Chaos gewesen. Sie hatten für den Auftritt nie geprobt. Bobs Mundharmonika war in der falschen Tonart. Im Video sieht man, wie er hinter den Verstärker geht, um eine andere Mundharmonika zu suchen.

Die Dame an der Bar in der «Mühle Hunziken» zeigt mir die Flasche

Später haben auch Sie mit ihm musiziert. Wie kam es dazu?

TITO: Wir baten Dylan, auf unserem Song «Rising Sun» Mundharmonika zu spielen. Er kam dann tatsächlich zu uns ins Studio und sagte: «Tito, ich habe schon viel von dir gehört!». Und ich erwiderte: «Ich habe auch viel über dich gehört, Bob!» In dem Moment kam ich mir wie ein Idiot vor. Aber er war sehr nett zu mir, und ich war so dankbar, dass er auf unserer Platte mitgespielt hat.

Vor der «Mühle Hunziken» – das passt hier beim Wermutwolf natürlich wie die Faust aufs Auge …

Jedenfalls schmeckte mir der Himmelstor-Bourbon so gut, dass ich mir zu Hause dann die anderen beiden Versionen davon – ein Roggen- und einen Double Barrel 100 Proof-Whiskey – bestellte. Und ich sags euch: Alle Drei sind in der Tat himmlisch! Ich werde sie mir wieder bestellen, so viel steht fest. Ich könnte echt nicht sagen, welcher mir am besten schmeckt. Vielleicht schon die klassische Bourbon-Edition. Der Double Barrel ist halt stark und es gibt Momente, wo ich das bevorzuge. Wie auch bei anderen Bourbons. Und die Rye-Version ist schön herb, auch hierfür gibt es adäquate Momente. (Kürzlich wollte ich darüber schreiben, wie Bob einst Lenny Kravitz zum Whiskey trinken genötigt hattehatte ich aber vergessen …)

Jede Version hat diese schönen Verzierungen auf der Flasche

Die Flaschen kosten so um die knapp 80 Schweizer Franken, was sicher nicht ganz billig ist, doch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgezeichnet. Sämtliche «Heaven’s Door»-Produkte räumten diverse namhafte Preise ab. Der Wermutwolf konstatiert: Hier ist nicht nur ein Promi im Glas, sondern Whiskey, den man gerne und immer wieder trinkt. Bob hat dieses Gemeinschaftsprojekt zusammen mit Spirituosenunternehmer Marc Bushala und Whiskey-Experte Ryan Perry erschaffen. Mittlerweile existiert der Whiskey schon sieben Jahre lang. Ich frage mich ernsthaft, warum es so lange gedauert hat, bis ich ihn verkostete … Na ja, auch meine Tage haben nur 24 Stunden …

Dylan’s Werke

Die Flaschen-Designs enthalten Muster, welche von Bobs Eisentore-Schweisserarbeiten abgeleitet sind. Auch dazu kann man nur den Stetson ziehen. Und nun zum zweiten Hauptthema: Sein Whiskey-Podcast. Von 2006 bis 2009 war er für volle 100 Folgen Host des «Theme Time Radio Hour»-Podcasts. Und so gut er als Musikkomponist ist, so toll ist er auch im, äh, Radio. Bob spottet in der Whiskey-Folge, mit der er am 21. September 2020 sein Comeback gab, dass ja nicht mehr viele Menschen ein Radio hätten, dass der Titel «Theme Time Device Hour» aber irgendwie komisch wäre …

Ja, mit dieser Comeback-Episode bewarb er seinen «Heaven’s Door»-Whiskey, doch nur ganz knapp und knackig, wie man es sich bei ihm gewohnt ist. Soweit ich mich erinnere, ist es ein einziger Satz; dass er uns jetzt erzählen könnte, wie toll der Whiskey sei, aber das müsse man schon selbst in Erfahrung bringen. Ansonsten sind es einfach zwei Stunden purer Genuss vom Altmeister. Er spielt aufregende Whiskey-Songs aus der Musikgeschichte ab, die sogar hin und wieder älter als 100 Jahre sind, und erzählt dazu interessante Anekdoten, wie die Songs entstanden sind oder wie man die Songtexte in den Kontext der jeweiligen Zeit setzen muss, wenn zum Beispiel von «Good Whiskey and Bad Woman», oder starkem Whiskey und schwacher Frau die Rede ist.

Für mich sind die schönsten Momente in diesem Podcast, wenn Melancholie und Retro-Charme vorherrschen. Songs, wie der, welcher besingt, dass «der Whiskey dich süsser macht, als du je zu mir warst», gehen runter wie ein guter Tennessee-Bourbon. Und natürlich auch wenn Frank Sinatra darüber singt, wie er wieder trinkt, während er an eine vergangene Liebe denkt. Aber auch Momente wie der, als er «Corn Whiskey» von Jimmy Witherspoon abspielt und die Unterschiede von Roggen- zu Mais-Whiskey erklärt. Oder eben wenn Bob in Wermutwolf-Manier historische Ereignisse thematisiert wie den Unfall 1919 in Bosten, als nach einer Explosion tonnenweise Melasse durch die Strassen schoss und dabei 21 Todesopfer forderte.

Und das ist die grossartige Whiskey-Folge seines Podcasts

Weitere Highlights aus dem Podcast sind für mich die Original-Version des The Doors-Klassikers «Alabama Song», eine Reggae-Version von «One Scotch, One Bourbon, One Beer» oder wenn Bob nach einem Song über heissen Whiskey beschreibt, wie man selbigen zubereitet und dass nach dem Konsum davon eine Erkältung innert sieben bis zehn Tagen verschwunden sei…

Die Prohibition, welche Bob als Zeit bezeichnet, in der «die Regierung uns nicht mehr zugetraut hat, verantwortungsvoll zu trinken», wird ebenfalls abgehandelt, wobei Bob kommentiert: «But of course, people still drink»… Und weiter: «Während der Prohibition wurde der Alkohol illegal ins Land gebracht, zum Beispiel von (Gangster) Bugsy Siegel, der Las Vegas gegründet hat. Ist es nicht merkwürdig, dass dort keine Statue von ihm steht?» Bob zählt sehr viele Bezeichnungen auf, unter welchen man in dieser restriktiven Ära Alkohol benannt hat, wovon ich die meisten noch nie gehört hatte, wie «Weisser Blitz», «Yak Yak», «Tigerschweiss» oder «Panther-Pisse»…

Auch mein Lieblingsmusiker Van Morrison kommt vor. Er erzählt von einer Begegnung mit ihm in Griechenland, auf dem Hügel der Musen. Bob kündigt ihn mit seinem Spitznamen an: «Here is «Van The Man», with «Moonshine Whiskey»». Was für eine legendäre Podcast-Folge! Wenn sie 100 Stunden lang wäre, ich würde sie trotzdem hören, jede Sekunde davon. Die Liste der Musiker, welche in diesen zwei Stunden gespielt werden ist einfach spektakulär und schlichtweg perfekt selektioniert: Willie Nelson, Louis Armstrong, Tom Waits (logisch…), The Clancy Brothers («die so irisch sind wie ein Leprechaun-Zahn»), und und und…

Bezüglich Whiskey-Cocktails zählt er zwar solche auf, meint dann aber schlussendlich, dass er selbst es simpel möge, einfach Whiskey und Eis, was bei Bedarf zu wiederholen sei … Als Hobby-Mixologe habe ich mir selbstverständlich einen «Old Fashioned» mit seinem 50-Prozenter gerührt. Ganz klassisch, ohne Schnickschnack, ein klein wenig Zuckersirup und satte 4-5 Dashes normale Angostura Bitters. Hervorragend! Wenn die Minzblätter vom Supermarkt nicht immer so schnell welken würden, hätte ich wahrscheinlich noch ein, zwei Blätter hinzugefügt. Beschliessen tut Bob die Sendung mit einer Referenz an unser Krafttier und Kultfigur Charles Bukowski, wie Bob sagt, ein Outsider, obwohl er so viele Bücher verkauft hatte.

Ich sammle zwar meine Konzert-Tickets, doch die Sammlung ist leider alles andere als vollständig, einiges ging wohl bei Umzügen verloren … Aber immerhin, so 6-7 Tickets hab ich noch …

Ich finde es erstaunlich, wie grandios auch seine Podcasts sind. Was kann der Mann eigentlich nicht? Okay, eben, ich bin ein lebenslanger Hardcore-Fan. Keine Ahnung, wie oft ich ihn live erlebt habe. Irgendwo zwischen einem und zwei Dutzend Mal. Und ja, nicht jedes Konzert war gut. Mein allererstes Konzert von ihm fand Ende der 80er-Jahre im Zürcher Hallenstadion statt und es war grässlich! Er spielte irgendetwas Undefinierbares und seine Band irgendwas anderes. Und ja, ich habe ihm das genauso verziehen wie als er einmal einen Auftritt hinlegte, bei dem er fast nur mit dem Rücken zum Publikum stand. Er darf das. Es ist Bob … In Kürze, am 24. Mai 2025, wird er 84 Jahre alt.

Ein toller Gig aus dem Jahr 2000

Seine Exzentrik zeigte sich auch bei einem Auftritt am «Montreux Jazz Festival», bei dem ich Anfang der Nullerjahre anwesend war und das ziemlich jazzig ausfiel. In Montreux werden die Auftritte ja stets auf Video aufgenommen. Bob verbot das Festivalleiter Claude Nobs. Nachdem der Gig zu Ende war, meinte er zu Funky Claude, dass das jetzt ja wirklich ein tolles Konzert war und gut, dass das aufgenommen worden sei. Claude erinnerte ihn daran, dass sie dazu von ihm keine Erlaubnis erhalten hatten …

Und bei aller Bob-Liebe, als er kürzlich wieder in Montreux gastierte, ging ich nicht hin. Der Ticketpreis von CHF 365.- fand ich doch etwas übertrieben. Aber unter uns gesagt – sagts nicht weiter – nachträglich bereue ich meinen Entscheid trotzdem …

Dieser Zusammenschnitt von Auftritten 1999 zeigt Ausschnitte aus zwei spanischen Städten und dem unvergesslichen Konzert am 25. April 1999 im Zürcher Hallenstadion. Gänsehaut …

Jedenfalls: Die grossartigsten Auftritte von Dylan fand ich die Schweizer-Konzerte zwischen 1999 und 2002, das war einfach unbeschreiblich legendär. Auch in den internationalen Dylan-Foren wurden diese Gigs gefeiert.

Gott behüte! Eine wohlwollende Konzertkritik im Tagi … Vermutlich war der unsägliche Berufs-Konzert-Verrissschreiber Büttner gerade krank oder im Urlaub …

Und nun, zum Schluss, natürlich, der Song zum Whiskey, erstveröffentlicht in meinem Geburtsjahr: «Knocking on Heaven’s Door». Live zusammen mit dem viel zu früh an die Himmelstüre geklopften Tom Petty. Ich hatte die Kommentare zu diesem Video gelesen. Ich weinte nicht, ich hatte nur etwas im Auge … Cheers! Auf das Leben!

PS: Heute ist Tag des Schweizer Bieres. Geht wie ein goldener Gott mit Schaumkrone, aber geht, support your local brewer, carajo!

Autor

  • Wermutwolf Daniel Frey

    Ich habe Freude am Schreiben. Und am Trinken. Und am Schreiben, während ich trinke. Während des Vollmondes oder während des Trinkens verwandle ich mich in meine wölfische Urnatur.

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