Bier – Die Graphic Novel

Es dauert keinen Monat mehr bis zum Weihnachtsfest. Ich lese selten Comics. Trotzdem ist mein Geschenktipp an euch Wermutwölfe da draussen «Bier – Die Graphic Novel», die mich tief beeindruckt hat.

Bisher assoziierte ich Panini nur mit den Klebebilder-Alben, die jeweils zu Zeiten der grossen Fussballturniere Hochsaison haben. Ich wusste nicht, dass es auch ein grosser Comics-Verlag ist. Und auf diese hopfige Publikation, die vor etwa einem Jahr auf Deutsch erschienen ist, können sie so richtig stolz sein. Ich hatte keine grossen Erwartungen, als ich mir das Buch bestellte. Umso positiver wurde ich überrascht!

Bitte verwendet also nicht den Ausdruck «dumm wie Brot» …

Die Schöpfer dieses umfassenden Werks behandeln jedes nur erdenkliche bierige Thema, von den historisch bekannten Ursprüngen in Mesopotamien und Ägypten, zu religiösen und politischen Aspekten, was Bier überhaupt war und welche Veränderungen es zum heutigen goldenen Nass machte, den Brauprozessen, wirtschaftlichen Sachverhalten, Abstinenzler-Bewegungen und der Prohibition, Gangster-Geschichten, dem deutschen Reinheitsgebot, den verschiedenen Bierstilen, Weltkriegen, Industrialisierung, Werbung, der Craft-Beer-Bewegung und noch so viel mehr!

Ein klarer, nüchterner Blick auf die Geschichtschreibung

Diese 170 Seiten strotzen also vor informativer Power, doch auch grafisch ist das Buch eine Wucht und äusserst abwechslungsreich, nie langweilig, und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Ausserdem gefällt mir eine gewisse Demut, dass man trotz des offensichtlichen Fachwissens auch erwähnt, wenn man etwas nicht weiss, nicht wissen kann. Wissenschaft ist gut und recht, doch überdauern nicht alle Artefakte und Botschaften die Zeit. Einen ganz konkreten Ursprung des Gerstensafts kann man insofern nicht bieten und das wird auch offen konstatiert.

Absurde Verschwörungsmythen von vermeintlich Gelehrten, Schlachtengetümmel, es geht was!

Hier beim Wermutwolf spielt Bier eine grosse Rolle, wir thematisieren ebenfalls die historischen Ursprünge oder geschichtliche Vorfälle wie die Londoner Bierflut, was im Buch auch vorkommt, doch diese schiere Fülle an spannenden Informationen überraschte mich trotzdem sehr. Die Graphic Novel ist eindeutig ein Ergebnis von langjährigem, leidenschaftlichem Interesse.

Ich persönlich würde Bier auch bei jedwelchen Beschwerden verschreiben, doch bei so vielen Wunden hilft vermutlich nicht mal mehr Bier weiter …

Die deutsche Ausgabe basiert auf einem 2015 erschienenen englischen Original von Jonathan Hennessey, Mike Smith und Aaron McConnell. Für die Übersetzung und inhaltliche Aktualisierung arbeiteten der Biersommelier Steffen Volkmer und der Übersetzer Thomas Bassen zusammen, unterstützt von weiteren Experten wie Markus Raupach. Das Buch ist im Hardcover erhältlich und richtet sich sowohl an Bierliebhaber als auch an Einsteiger.

Ja, selbst Schweizer Lokalkolorit findet hier statt!

Nun noch zum einzigen Punkt, den ich beanstande: Ich finde, das Buch hätte in einem grösseren Format gedruckt werden sollen. Die Zeichnungen sind super und hätten vor allem bei den detaillierteren oder auch den oft sehr fantasievollen Bildern mehr Raum zur Illustration verdient gehabt. Aber noch kritischer ist es beim Text. Ja, es gibt einige Leute, die mir seit langem empfehlen, eine Lesebrille zu erwerben. Doch trotzdem, gerade die Fussnoten sind teils wirklich nur sehr schwer lesbar. Kollege Sascha hat mich darauf hingewiesen, dass es gut war, die deutsche Version anzuschaffen, da die englischsprachige Version offenbar tatsächlich ein noch kleineres Format aufweise…

Jetzt weiss ich, weshalb es Bierkrug-Deckel gibt.

Fazit: Für die Bier-Enthusiasten in eurem Umfeld ist das ein ideales Weihnachtsgeschenk! Ausser jemand ist schon in einem eher fortgeschrittenen Alter und verweigert sich den Sehhilfen. Dann wäre ein Meter Bier oder dergleichen vielleicht doch das bessere Präsent.

Endlich war Bier wieder legal, die Leute hatten wieder Arbeit und der US-Präsident wurde mit reichlich Bier beliefert – wie es sich gehört!

Autor

  • Wermutwolf Daniel Frey

    Ich habe Freude am Schreiben. Und am Trinken. Und am Schreiben, während ich trinke. Während des Vollmondes oder während des Trinkens verwandle ich mich in meine wölfische Urnatur.

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Gottfried Benn

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