Nach Wodka und Bier hat die Getränkeindustrie ein neues Opfer gefunden, das sie mit Aromen wie «Apfel», «Kirsche» oder «Mango» bis zur Unkenntlichkeit verunstalten kann: meinen geliebten Whisky. Schande über Euch!
Kürzlich schickte mir Kollege Dani entsetzt ein Foto von einem Produkt, das er auf seinem Streifzug durch den Coop erspäht hatte. Sein Kommentar sagte alles … meine Antwort darauf auch …

Leider ist das kein Ausrutscher, sondern Programm. Aromatisierter Whisky erobert den Markt; zumindest hat er das in den USA getan, wie die Kollegen auf vinepair.com berichten: «Wenn Sie eine Weile ausserhalb der USA gelebt haben, werden Sie bei Ihrer Rückkehr vielleicht von einigen Dingen überrascht sein. Autos und Lastwagen sind noch grösser als früher. Es rauchen weniger Menschen. Und aromatisierter Whiskey ist überall.» So soll sich der Zimt-Whisky Sazerac Fireball bei den Amerikanern bereits häufiger verkaufen als Jack Daniel’s oder Jim Beam.

Und das macht mir Angst, eine Heidenangst. Denn was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Erfolg hat, schwappt zwangsläufig zu uns herüber.
Man lese nur einmal die Beschreibung des Sazerac Fireball: «Stellen Sie sich vor, wie es sich anfühlt, einem feuerspeienden Drachen gegenüberzustehen, der gerade ein Whiskyfass voller würzigem Zimt verspeist hat. Schmeckt wie der Himmel, brennt wie die Hölle. Was dann passiert, bleibt Ihnen überlassen.» Muss ich das trinken? Will ich das trinken?
Das Problem der (grossen) Getränkehersteller ist ihre Herangehensweise. Sie wollen nicht den bestmöglichen Whisky produzieren und damit die Kunden abholen, sondern neue Märkte erschliessen. Denn Wachstum steht über allem. Der typische Whisky-Trinker ist wahrscheinlich männlich und in gesetztem Alter. Will man wachsen, müssen die Frauen und die Jungen bedient werden. Und irgendwelche findigen Marketing-Leute glauben, die lieben bunt, fruchtig und süss. Hat beim Wodka funktioniert. Hat beim Bier geklappt. Wieso nicht beim Whisky?
Wen interessiert es, dass der billige Aroma-Whisky hauptsächlich als Shot heruntergestürzt wird und zu keinem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol beiträgt? Wen kümmert es, dass ein Fan von Mango-Geschmack wohl nie einen rauchigen Ardbeg schätzen und trinken lernt? Und es ist doch schnurzpiepegal, dass man Whisky in den Köpfen der Konsumenten zu einem ganz anderen Getränk macht. Denn die neuen Kreationen sind kein Whisky. Sie dürfen auch nicht so genannt werden. Ein Blick aufs Etikett reicht: Dort stehen nichtssagende Begriffe wie «Spirit Drink» oder «Tennessee Apple».
Freut Euch, Ihr Whisky-Liebhaber: Künftig müssen wir nicht mehr darüber streiten, ob Single Malt oder Bourbon oder fruchtig oder rauchig besser ist, sondern ob Honig- oder Zimtgeschmack.











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