Trinkgeschichten – Bier für die ganze Familie

Heute gilt es als Gesundheitsrisiko, wenn man nur schon ein Glas Bier anschaut. Unweigerlich fragt man sich, wieso die Menschheit nicht ausgestorben ist. Denn die Geschichte des Menschen ist eine Geschichte des Trinkens. Reisen wir mit der Zeitmaschine ins alte Ägypten, als noch jeder Bier trank – Vater, Mutter und sogar Kind.

Noch nie wussten wir so viel über die vergangenen Jahrtausende der Menschheit wie heute. Doch je mehr wir zu wissen scheinen, desto blöder werden wir. Momentan findet ein Kreuzzug gegen den Alkohol statt, der jeder Vernunft entbehrt. Schon ein Tropfen Alkohol wird als zu viel propagiert. Ungeheuer wie Krebserkrankungen werden ins Feld geführt, damit auch wirklich jeder trocken wird. Dabei ist Alkohol seit Jahrtausenden ein Begleiter der Menschheit … hat uns vielleicht sogar erst zum Menschen gemacht. Während er heute oft verdammt wird, wurde er im alten Ägypten vergöttert – zum Beispiel in Form von Bier.

Grabbeigabe in Form eines Modells einer Bäckerei und Brauerei, Ägypten, circa 2009 bis 1998 vor Christus. Quelle: Wikipedia.com; CC BY-SA 2.5
Grabbeigabe in Form eines Modells einer Bäckerei und Brauerei, Ägypten, circa 2009 bis 1998 vor Christus. Quelle: Wikipedia.com; CC BY-SA 2.5

Ein Trunk der Götter

Bier war für die alten Ägypter nicht nur ein Getränk. Es war ein Geschenk der Götter: Der Gott Osiris soll die Menschen in die Kunst des Bierbrauens eingeweiht haben. Bier war so beliebt, dass es von jedem getrunken wurde; sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern. Es war das Grundnahrungsmittel der armen Ägypter, aber auch ein zentraler Bestandteil der Ernährung der wohlhabenden Bevölkerung. Die Götter liebten es ebenfalls: Ihnen wurden oft Opfergaben aus Bier dargebracht. 

Nicht die Menschen haben das Bierbrauen erfunden; die Götter haben es ihnen gelehrt. Im Bild: der Gott Osiris. Quelle: Wikipedia.com
Nicht die Menschen haben das Bierbrauen erfunden; die Götter haben es ihnen gelehrt. Im Bild: der Gott Osiris. Quelle: Wikipedia.com

Gebraut wurde Bier vorwiegend von Frauen. Es war auch weniger stark als heute: Es hatte durchschnittlich einen Alkoholgehalt von drei bis vier Volumenprozent. Bei religiösen Festen oder Zeremonien durfte es auch stärker sein. Es schmeckte zudem ganz anders als heute. Der bittere Hopfen wurde erst im Mittelalter fester Bestandteil von Bier. Im alten Ägypten war die Hauptzutat Brot aus einem Hefeteig, der möglicherweise Malz enthielt. Dieses wurde leicht gebacken und in kleine Stücke zerbröckelt, bevor es mit Wasser abgeseiht wurde. Teils wurden Datteln hinzugefügt. Die Mischung wurde danach in einem grossen Bottich vergoren. Das Bier war dickflüssig und süss; für heutige Biertrinker würde es eher wie ein Fruchtgetränk als ein typisches Bier schmecken.

Apropos Alkoholgehalt: Auch ein dreiprozentiges Bier haut rein, wenn man davon literweise trinkt. So sollen etwa die Arbeiter in Gizeh drei Tagesrationen Bier als Lohn erhalten haben – ungefähr 5 Liter pro Tag.

Auch schwaches Bier fährt nach ein paar Litern ein. Erstellt mit dem KI-Tool Midjourney  
Auch schwaches Bier fährt nach ein paar Litern ein. Erstellt mit dem KI-Tool Midjourney  

In der Medizin spielte Bier ebenfalls eine wichtige Rolle. Es war in vielen Arzneimitteln enthalten. Die alten Ägypter glaubten zudem, dass Bier die bösen Geister verwirren würde, die als Ursache für viele Krankheiten galten.

Ausgelassene Feste

Bier war im alten Ägypten ein Muss für Bankette und Feste. Dabei wurden Varianten mit höherem Alkoholgehalt bevorzugt. Der Rauschzustand der Teilnehmer und die Menge des konsumierten Biers waren wichtige Messwerte für ein erfolgreiches Fest. Bekannt ist etwa das Tekh-Fest («Fest der Trunkenheit»). Bei diesem tranken die Teilnehmer bis zum Exzess, schliefen alle zusammen in einer Halle ein und wurden mit Trommelklängen geweckt. Der Rausch und das Trommeln ermöglichten den Teilnehmern einen Blick auf die Göttin Hathor, zu deren Ehren das Fest gefeiert wurde.

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Schliessen wir mit einer bekannten altägyptischen Inschrift ab: «Der Mund eines vollkommen zufriedenen Menschen ist mit Bier gefüllt».

Autor

  • Wermutwolf Sascha Zäch

    In jedem steckt ein Wermutwolf. Mit ihm entdecke ich neue Geschmacks- und Geisteswelten. Ausserdem habe ich eine alchemistische Ader und stelle gerne eigene Zaubertränke her.

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«Wen Bier hindert, der trinkt es falsch.»

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