Wolfswissen – Zuckercouleur

Die Franzosen machen es, die Schotten tun es – ja sogar die Schweizer. Sie färben helle Spirituosen gerne mit Zuckercouleur. Dadurch wirken sie «edler» und «reifer». Das ist erlaubt. Wer seinen Cognac oder Whisky ohne Farbstoff will, muss genau auf die Inhaltsstoffe achten.

Schnaps kommt farblos aus der Brennblase. Ihre schöne Bräune erhält eine Spirituose durch die Lagerung im Holzfass … das glauben zumindest viele. Denn heute greift man gerne zu Zuckercouleur, der Bräunungscreme für Destillate. Ein paar Tropfen reichen, um einer Spirituose ohne Lagerungsaufwand und neue teure Fässer den gewünschten Braunton zu verpassen.

Eine Flasche Zuckercouleur. Quelle: Wikipedia.com; CC BY 4.0
Eine Flasche Zuckercouleur. Quelle: Wikipedia.com; CC BY 4.0

Was ist Zuckercouleur?

Zuckercouleur ist für viele Lebensmittel zugelassen. Auch das allseits beliebte Cola wird damit gefärbt. Allerdings gibt es unterschiedliche Varianten des Farbstoffs. Sie tragen alle die Bezeichnung E150. Ein kleiner Buchstabe am Ende gibt an, um welche Herstellungsart es sich handelt. Zuckercouleur wird durch Erhitzen von Saccharose, Traubenzucker oder Glukosesirup hergestellt. Sulfitlaugen, Ammoniak und Ammoniumsulfit helfen teils als Reaktionsbeschleuniger.

  • E150a = einfacher Zuckercouleur
  • E150b = Sulfitlaugen-Zuckerkulör
  • E150c = Ammoniak-Zuckerkulör
  • E150d = Ammoniumsulfit-Zuckerkulör
Auch Balsamico wird gerne mit Zuckercouleur gefärbt
Auch Balsamico wird gerne mit Zuckercouleur gefärbt

Ist das Zeugs schädlich?

Die erste gute Nachricht: In gefärbten Spirituosen steckt üblicherweise die einfache Zuckercouleur E150a, die keine der oben genannten Sulfitlaugen enthält. Die zweite gute Nachricht: Zuckercouleur soll gesundheitlich unbedenklich sein – zumindest, solange man die empfohlene Tagesdosis von 300 Milligramm pro Kilo Körpergewicht nicht übersteigt. Denn dem Farbstoff werden vor allem in den Varianten E150c und E150d Erbgutschädigungen oder ein Krebsrisiko nachgesagt. 

Nur leider weiss man nicht, wie viel davon in einer Flasche Alkohol steckt. Hinzu kommt, dass sich Zuckercouleur auch in zahlreichen anderen Lebensmitteln verbirgt – von Essig über Wurstwaren, Konfitüren und Sossen bis zu Süssgetränken. Rechnet man die kritische Menge hoch, müsste eine 60 Kilogramm schwere Frau 18 Gramm oder ein 80 Kilogramm schwerer Mann 24 Gramm des Farbstoffs vertilgen, um seine Gesundheit zu gefährden.

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Und der Geschmack?

Anders, als der Name vermuten lässt, schmeckt Zuckercouleur nicht nur süss, sondern auch bitter. Doch da für eine Färbung wenige Tropfen benötigt werden, soll der Geschmack nicht wahrnehmbar sein, wie in diversen Blind-Tastings festgestellt wurde … wenn man sich mit der Menge an Farbstoff zurückhält.

Ich will das nicht in meinem Glas!

Wer Farbstoffe in seinem Cognac, Grappa, Whisky, Tequila oder einer anderen dunklen Spirituose vermeiden will, hat mehrere Möglichkeiten: Je nach Destillat ist die Zugabe von Farbstoffen verboten. Ein Beispiel ist «Straight Bourbon». Steht diese Bezeichnung auf dem Etikett, dürfen keinerlei Zusatzstoffe enthalten sein. Mögt Ihr US-Whiskey, habt Ihr das Farbstoffproblem also nicht. 

Die Schotten und Iren dürfen hingegen E150 verwenden. Bei unseren deutschen Nachbarn muss deklariert werden, wenn ein Lebensmittel Zuckercouleur enthält. Ein Blick in einen deutschen Onlineshop hilft beim Einkauf also oft weiter. Zudem gibt es Destillerien, die ihre Spirituosen bewusst nicht färben und dies auf dem Etikett stolz vermerken. Bei schottischem Whisky sind dies unter anderem Highlandpark, Macallan oder Laphroig. 

Ein Blick aufs Etikett hilft oft weiter
Ein Blick aufs Etikett hilft oft weiter

Bei Cognac wird es schwieriger, da dort sehr gerne mit Farbe, Zucker und Holzschnipseln nachgeholfen wird. Aber auch hier gibt es Hersteller wie Grosperrin, die ganz auf solche Hilfsmittel verzichten.

Autor

  • Wermutwolf Sascha Zäch

    In jedem steckt ein Wermutwolf. Mit ihm entdecke ich neue Geschmacks- und Geisteswelten. Ausserdem habe ich eine alchemistische Ader und stelle gerne eigene Zaubertränke her.

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