Mit viel Getöse wurde ein neues Hard Seltzer angekündigt, ein alkoholischer Eistee. «Hard Tea». Der Wermutwolf hat die Plörre getrunken. We don’t like … Not at all …
In Amerika hatten sich so einige Promis mit alkoholischen Mixgetränken eine goldene Nase verdient. Das produziert Nachahmer. Und jemand dachte: «Warum nicht eine alkoholische Ice-Tea-Variante?» Das Ergebnis ist etwas für 14-jährige Teenager, die noch denken, dass «Lacoste» ein toll riechendes Parfum ist …
Dieses Produkt ist ein Spiegelbild unserer Zeit. Eigentlich total ungeniessbar. Doch mit einer riesigen Ladung Social Media-Spucke, Jungsprech-Anbiederung, Marketing-Inszenierung, dachte man, dass das schon zum Fliegen gebracht wird. Und wer weiss, vielleicht gibt es ja tatsächlich einen Markt für dieses infantile Zuckerwasser …

Mir ist bewusst, dass ich als Teenager auch auf absolut schwachsinnigen Mist gestanden habe: Samantha Fox. Chuck Norris-Filme. Man weiss es halt schlichtweg noch nicht besser, hat noch nicht die Erfahrung, um differenzieren zu können. Aber ich weiss ja nicht … Muss man wirklich eine derart unbekömmliche Pfütze von künstlichem Alkohol-Süssstoff in die Welt setzen? Warum? Natürlich für den schnöden Mammon, aber come on, das ist so ziemlich unter jeder Würde …
Es läuft wie immer: Finde abgehalfterte C-Promis, die man kaufen kann, um für so was Doofes die Werbetrommel zu rühren. Gaukle den Jungen vor, dass das ihr Getränk ist, womit sie cool wirken, erfinde ein sinnfreies Lebensgefühl zum Produkt. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wie auch nur ein einziges erwachsenes Wesen, mit einem erfahrenen Gaumen, diesen lachhaften Zuckerersatz-Müll runterkriegen wird. Ich versuche es seit über einer Stunde und je länger ich davon trinke, desto mehr sinkt meine Selbstachtung. Es gibt die Zitronen-Version davon, die mich gerade halb verzweifeln lässt, und dann noch die Pfirsich-Variante, die ich mit Sicherheit niemals verkosten werde, zumal meine Befürchtung ist, dass das vielleicht noch süsser, klebriger wäre …
Dagegen wirkt der Rammstein-Pink-Gin wie ein seltener 500-Dollar-Whisky. Meine Güte … ich denke an all die tollen Getränke, die ich in letzter Zeit geniessen durfte … Und jetzt das?! Warum?!

Vermarktet wird Hard Tea vom Verlagshaus Ringier. Begonnen hat dies mit Bier. «Uszit» ist ein Produkt von Feldschlösschen in Rheinfelden, was mit der dafür geschaffenen Firma «SB SwissBeverage AG» verschleiert werden soll. Wie schon beim Bier geht auch beim Süsstee 5 Rappen an Wald-Projekte, wofür der «WWF» zeichnet.
Als Seitenhieb sei hier Peter Wohlleben erwähnt, welcher so eine Art Wald-Guru ist, der sich dem profanen Standard-Förster-Job entzogen und grossartige Bücher geschrieben hat. Er weiss, dass es dem Wald am besten geht, wenn die Menschen einfach die Hände davon lassen, egal, wie gut sie es vermeintlich meinen. Auch dieser Film über Peter, den ich im Kino gesehen hatte, ist ein Augenöffner: Das geheime Leben der Bäume.
Der Deutsche Werberat hat aktuell per 1. August 2024 neue Social-Media-Richtlinien über die kommerzielle Kommunikation für alkoholhaltige Getränke veröffentlicht. Es soll Transparenz verordnet und (Influencer-)Werbung an Minderjährige verhindern. Ich sehe solche Gremien eher kritisch, finde die nehmen sich oft etwas zu ernst und will mich hier natürlich auch nicht als moralische Instanz aufspielen, das wäre seltsam. Ich möchte trotzdem nur festhalten, dass der Auftritt des «Hard Tea’s» sich ziemlich eindeutig an eine klar junge Zielgruppe richtet.

Aber nun gut, Humor muss sein! Und früher sagte man, dass Satire alles dürfe. Heute wohl nicht mehr, aber früher war das Gras halt irgendwie grüner und noch nicht so pestizidbelastet, genmanipuliert, aber lassen wir das … Jedenfalls bin ich über eine Präsentation des «Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW» bezüglich der neuen Leitlinien gestolpert. Darin zeigt die Geschäftsführerin Katja Heintschel von Heinegg (geradezu ein royaler Superheldinnen-Namen!) schlechte, gaaaanz böse Beispiele von Alkoholwerbung. Diese sind jedoch so lustig, dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte! Let’s go:





Wie erwähnt eigne ich mich sicher nicht zur moralischen Instanz mit erhobenem Zeigefinger und will solch eine Rolle auch nicht einnehmen. Aber nun zurück zum Tasting aus der Hölle: Ich hatte den fatalen Fehler begangen, gleich zwei Dosen dieser Schlonze zu kaufen. Da ich einfach keinen Alkohol das Klo hinab schütten kann, versuche ich es mit einem Freyhänder-Cocktail.

Ich lasse mich vom guten, alten «Old Fashioned» inspirieren und zerdrücke frische Minzblätter in Angostura Bitters. Zucker braucht es wirklich nicht, ho ho. Und dann lasse ich mich nicht lumpen, mische es mit einem 12-jährigen «Chivas Regal» und viel Eis, führe das Glas leicht zittrig-ängstlich an meinen Mund, und bin konsterniert, dass es auch so noch eine plumpe Süsse hat. Nach einer Weile ist viel Eis geschmolzen und so geht es dann einigermassen. Der Spuk hat ein Ende. Endlich …











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