Humbels «Bio Birnel Chrüter – Einfach Schnaps» wird nach traditioneller Art hergestellt; ein Kräuterschnaps auf Obstbrandbasis – verfeinert und gesüsst mit Birnendicksaft. Unsere Entdeckungsreise ist dieses Mal also auch eine Zeitreise zu einem Schnaps, wie ihn wahrscheinlich unsere Urgrosseltern getrunken haben.
Die Aargauer Brennerei Humbel ist bekannt für ihre feinen Destillate – und für ihre Experimente. Humbels Kirsch aus dem Rum-Holzfass hat es mir zum Beispiel sehr angetan. Auch der «Bio Birnel Chrüter – Einfach Schnaps» ist kein Allerweltskerl, sondern sticht zumindest wegen seiner Rezeptur unter seinen Mitbewerbern hervor.

Bei einem Kräuterschnaps werden die Zutaten in Alkohol eingelegt (in der Fachsprache mazeriert). Nachdem sich die gewünschten Geschmacks- und Inhaltsstoffe gelöst haben, wandert alles in die Destille und wird gebrannt. Heute wird zum Einlegen der Kräuter oft Neutralalkohol aus Getreide eingesetzt. Doch früher haben die Bauern dazu ihre Obstwässerchen verwendet. Die eingelegten Kräuter gaben nicht nur Geschmack, sondern dienten auch als Heil- und Stärkungsmittel.

Im «Bio Birnel Chrüter – Einfach Schnaps» stecken laut Humbel sechs «Bio»-Kräuter, darunter Anis, Fenchel, Bohnenkraut und Zitronenmelisse. Der Alkohol ist ein Obstbrand (wohl Äpfel und Birnen) von Hochstammbäumen. Verfeinert wurde der Brand mit Birnel. Das ist konzentrierter Birnensaft, der zum Beispiel zum Süssen von Gebäck und Getränken verwendet wird. Gemäss Humbel wird der Brand durch den Birnel besonders sanft, gleichzeitig verstärkt der Birnendicksaft die Kräuteraromen. Auf die Waage bringt der Kräuterschnaps satte 40 Volumenprozent. Der Preis für eine 7-Deziliter-Flasche liegt bei 36 Franken.

Die Voraussetzungen sind also spannend. Ist es der Schnaps auch? Beim Tasting rieche ich Anis, Birne und Bohnenkraut. Der Geruch ist herb-kräutrig; der Anis spielt leise im Hintergrund, das Bohnenkraut übernimmt die erste Geige. Dieses Konzert geht im Mund ähnlich weiter: Ich schmecke etwas Birne, ein wenig Anis und Lakritze. Das thymian-ähnliche Bohnenkraut macht auch hier die laute Musik. Der Brand ist weich, süss, aber auch ein wenig säuerlich. Der mittellange Abgang bleibt kräutrig-herb.

Mich erinnert der «Bio Birnel Chrüter – Einfach Schnaps» sehr stark an einen Kräutergarten. Ich bevorzuge allerdings weniger herbe Kräuter und mag etwa Absinth oder Pastis lieber. Ich würde deshalb diesen Brand nicht pur trinken, sondern in einem Tee oder Cocktail. Dazu hat Humbel übrigens einige Rezepte auf seiner Website veröffentlicht.











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