Dies ist bereits der neunte Beitrag in dieser Rubrik. Das heisst, wir erweitern fleissig unseren alkoholischen Horizont. Heute geht es nach Sardinien, wo überall ein leckerer Beerenlikör serviert wird – meist nach dem Essen. Wir probieren das Produkt von Chloe, sowohl pur auf Eis als auch in einer herbstlichen Negroni-Version.
Als Wermutwolf geniesse ich es natürlich sehr, wenn mir Leute aus ihrem Urlaub ein lokales alkoholisches Präsent mitbringen. Danke Gisela! Ich kannte zwar die Beeren des Myrtenstrauchs, die wie Blaubeeren aussehen und welche bei den Griechen der Göttin Aphrodite zugeordnet werden, doch nicht den Likör. Es gibt diesen in einer süssen und einer trockenen Variante. Glücklicherweise habe ich die rote, süsse Version bekommen.

Die Dry-Variante wird aus den Blüten und Blättern der Myrte hergestellt, die süsse Variante aus den Beeren. Ein erstes Riechen nach dem Öffnen des Fläschchens offenbart diese Beeren-Geschmacksnoten. Beim ersten Schluck kommt das Herbe mit, und zwar reichlich! Ich überlege eine Weile, woran mich der Geschmack erinnert und lande letztlich bei Kräuterlikören wie Jägermeister, mit dem Unterschied, dass diese viele Zutaten haben, während dieser Mirto lediglich aus Wasser, Alkohol, Zucker, lokalem Honig und einem Aufguss der Myrtenbeeren besteht. Sehr lecker!

Ich hatte etwas Lieblicheres erwartet, doch dieses Lebenswasser hat tiefen Charakter und ist mit 30 Volumenprozenten für einen Likör nicht sehr zartbeseitet, passend zum herben Geschmack. Wirklich ausgezeichnet. Natürlich ist auch Süsse dabei, und nicht zu knapp, doch nachdem das Eis etwas geschmolzen ist, wird dieser Effekt angenehm abgeschwächt.

Auf Sardinien stellen die Familien ihren Mirto nach eigenem, altem Rezept her, wofür im November die zahllosen Myrtesträucher geerntet werden. In der Regel wird beim Endprodukt die 35%-Alkoholgrenze nicht überschritten.
Natürlich kredenze ich Neues auch gerne noch zusätzlich in Cocktailform und werde bei Falstaff fündig, die eine herbe Negroni-Variation publizierten, mit trockenem Wermut, Campari und eben Mirto. Zusätzlich werden ein Barlöffel Madeira wie auch je drei Dashes Kakao- und Portwein-Bitters beigefügt. Gesagt, getan.

Meine Bar verfügt zurzeit nicht über Madeira, deshalb verwende ich Portwein. Portwein-Bitters habe ich auch nicht, ich wusste nicht einmal, dass so etwas existiert. Und als ich die vier Zentiliter Dry Wermut einschenken will, ist nach zwei Zentilitern die Flasche leer, also fülle ich mit Kina auf, ebenso von Matter. Immer flexibel bleiben …

Ich bin durchweg begeistert! Der Mirto verleiht diesem Negroni zusätzliche Süsse und Komplexität. Ein Hochgenuss! Cheers!











Kommentar verfassen