Die Aargauer Brennerei Humbel ist bekannt für ihre Experimentierfreude. Eines ihrer jüngsten Wagnisse ist ein Kirsch, der vier Jahre in einem karibischen Rumfass urlauben durfte. Wir sind so wagemutig wie Jack Sparrow und haben den «K.1 Kirsch im Holzfass» probiert: Macht er nur Piraten oder auch Schweizer Obstbrandfans glücklich?
Ich muss zugeben: Wenn es um hochprozentige Wässerchen geht, bin ich ein Purist. Für mich gehören nur Whisky und Rum unbedingt ins Holzfass. Hier werten die Holzaromen das Destillat klar auf. Bei Armagnac und Cognac (Traubenbrände) sowie Calvados (Apfelbrand) kann ich ein Auge zudrücken; die Holzfasslagerung kitzelt spannende Aromen hervor. Doch Äpfel und Trauben machen sich genauso gut – wenn nicht sogar besser – als klare Schnäpse. So kann ich die wahre Qualität und das volle Aroma der Grundzutaten geniessen; das gilt erst recht für andere delikate Früchtchen wie Birnen, Kirschen, Himbeeren oder Zwetschgen. Auch Tequila und Grappa sprechen mich in ihrer klaren Form mehr an.

Darum war ich gespannt, als mir Kollege Dani Frey eine Probe des «Humbel K.1 Kirsch im Holzfass» überreichte, den er als Teil des «Humbel Deguset Herbst 2023» erhielt. Humbel bewirbt ihn als «Schweizer Schnaps mit karibischem Flair» … Bevor jetzt Schweizer Kirschfans die Hände verrühren und schreien: «Wir sind kultivierte Geniesser und keine Piraten!»: Ein Wermutwolf ist wagemutig und offen für Neues; er segelt gerne in unbekannte Gewässer. Probieren geht über Studieren. Nur wenn wir etwas verkosten, wissen wir tatsächlich, ob es himmlisch, Mittelmass oder Müll ist. Dazu reicht glücklicherweise ein Glas; Piratenklamotten und Schminke habe ich nicht und brauche ich nicht.

Laut Humbel hat der «Humbel K.1 Kirsch im Holzfass» piratenmässige 45 Volumenprozent. Es handelt sich um eine Vermählung aus einem vierjährigen Kirsch aus dem Kirschholzfass und einem jungem Kirsch. Diese Assemblage wurde anschliessend vier Jahre in einem Holzfass gelagert, in dem zuvor der 23-jährige «Hampden Rum» aus Jamaica von Cave Guildive schlummerte. Der «K.1 Kirsch im Holzfass» ist limitiert auf 472 Flaschen.

Anders als Jack Sparrow stürze ich den Kirsch nicht gleich herunter, sondern nehme zuerst einmal eine Nase voll Aromen: Dabei strömen fruchtiger Kirsch, Mandeln, Holz, Süsse, Rum und Tabak aus dem Glas. Auch im Gaumen machen sich Kirsch, Mandeln und Rumaromen breit. Dieser Kirsch ist sehr weich, fast samtig. Anfangs besticht er durch Süsse, die nach kurzer Zeit einer leicht pfeffrigen Schärfe und herb-bitterem Holz weicht; Letzteres aber sehr dezent und angenehm. Das verleiht diesem Destillat Spannung und Komplexität. Auch im mittellangen Abgang vertragen sich Kirsch- und Rumaromen sowie Süsse, Schärfe und bittere Herbe harmonisch. Humbel hat das Holz hervorragend eingebunden. Es bereichert den Kirsch und dominiert ihn nicht. Prädikat: Experiment gelungen. Humbel zeigt, dass Kirsch mit Holz kann – auch wenn ich einen reinen, feinen Kirsch immer noch bevorzuge. Am «Humbel K.1 Kirsch im Holzfass» hat nicht nur Jack Sparrow seine Freude, sondern jeder, der gute Edelbrände mag.











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