Jäger des verlorenen Schnapses – Macallan «The Reach»

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Der Wermutwolf geht auf die Jagd nach seltenen, wertvollen und verschollen geglaubten Spirituosen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Flasche Single Malt für schlappe 340’000 Franken? So viel kostet der weltweit älteste Whisky, der «The Macallan The Reach».

Ursprünglich war schottischer Whisky das Getränk der armen Leute. Wer Geld und Macht hatte, trank französischen Cognac. Damals hätte wohl kein Schotte gedacht, dass ihr oft heimlich gebrannter Schnaps einmal zu den teuersten Spirituosen avancieren würden. Heute wird Single Malt in einem Atemzug mit Cognac genannt; er ist sogar beliebter und begehrter als dieser. 

Viele Single Malts liegen allerdings noch im Bereich des Bezahlbaren. Darum mutet der Name «The Reach» für Macallans superteure Abfüllung äusserst ironisch an. In Reichweite von Normalsterblichen befindet sich dieser mitnichten, ausser Ihr habt 340’000 Franken auf der hohen Kante. So viel bezahlte im letzten Jahr ein britischer Privatsammler an einer Auktion bei Sotheby’s für diesen Whisky.

The Macallan The Reach
«The Macallan The Reach» liegt definitiv ausserhalb meiner Reichweite

Was macht diesen Whisky so teuer und begehrenswert? Laut Macallan ist er «Flüssige Geschichte». Der Single Malt stammt aus einem einzigen Fass, in dem er 81 Jahre lang gereift ist – seit 1940. Gebrannt wurde er also während des 2. Weltkriegs. Damit soll es sich um den weltweit ältesten Whisky handeln. Insgesamt existieren nur 288 Flaschen. 

The Macallan The Reach im Holzschrank
Die bronzenen Hände und der Holzschrank sind im Preis inbegriffen

Und auch bei der Verpackung lässt sich The Macallan nicht lumpen: Der Whisky wird in einer mundgeblasene Glaskaraffe verkauft, die von drei bronzenen Händen gehalten wird. Das alles ist zusätzlich in einem speziellen Holzschrank untergebracht; aus Holz einer umgestürzten Ulme, die 1940 auf dem Macallan Estate gestanden haben soll. Die drei Hände seien laut Macallan eine Anspielung auf die Jahrzehnte, die während der Reifung des Whiskys vergangen sind. 

Die Schotten müssen anders rechnen als ich; drei Hände wären für mich drei Jahrzehnte. Oder meint Macallan die Finger, das wären aber 15 Jahre oder 15 Jahrzehnte. Ich komme einfach nicht auf 81 Jahre. Oder stehen die Hände einfach für die Zeitspanne? Dazu The Macallan: «Die eine Hand repräsentiert die Brennereiarbeiter von 1940, die Entbehrungen und Widrigkeiten überwanden, um diese Spirituose zu schützen, die zweite Hand ist Allan Shiach, ehemaliger Vorsitzender von The Macallan und Enkel von Dr. Allan Shiach, der die Brennerei 1940 leitete. Die Dritte ist die von Kirsteen Campbell, der Master Whisky Maker von The Macallan, die beschlossen hat, dass es nun an der Zeit ist, diesen kostbaren Whisky mit der Welt zu teilen.»

Was soll’s, es geht ja um den Flascheninhalt. Probieren konnte der Wermutwolf den «The Macallan The Reach» leider nicht (befolgt bitte fleissig unseren Spendenaufruf auf der rechten Seite, dann klappt es vielleicht). Deshalb müssen wir uns auf den Hersteller verlassen. Er verspricht: «Die tief kastanienbraune Flüssigkeit hat eine sanfte Weichheit, die dem charakteristischen Geschmack von The Macallan entspricht, und bietet durch ihr komplexes Profil eine Vielzahl von Aromen. Es gibt eine reiche, süsse Rauchnote, die auf den Torf zurückzuführen ist, der beim Mälzen der Gerste und beim Brennen der Brennblasen in dieser Zeit verwendet wurde. Die rauchige Note ist subtil, aber unverkennbar und wird durch antike Eiche ergänzt.» 

Wer nicht wie wir auf Spenden angewiesen ist und sich am Überlegen ist, einen Ferrari 296 GTB zu kaufen … eventuell wäre auch der «The Macallan The Reach» eine gute Alternative. Oder vielleicht reicht das Kleingeld sogar für beides.

Ferrari 296 GTBThe Macallan The Reach
Ferrari 296 GTB oder «The Macallan The Reach»? Schwierige Entscheidung

Alle anderen könnten es so probieren wie die Mädels und Jungs aus dem Film «The Angels’ Share». Schleicht Euch heimlich bei The Macallan in die Destillerie und zapft ein wenig vom edlen Tropfen ab (das habt Ihr nicht von uns). Lasst aber vor Aufregung bitte nicht die Flasche(n) fallen.

Autor

  • Sascha Zäch

    In jedem steckt ein Wermutwolf. Mit ihm entdecke ich neue Geschmacks- und Geisteswelten. Ausserdem habe ich eine alchemistische Ader und stelle gerne eigene Zaubertränke her.

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