In der heutigen Folge über meine neue Lieblingsstadt geht es um Edinburgh Gin, die Stewart-Brauerei, den Grassmarket und eine der kreativsten Brennereien von Schottland: Die Holyrood Distillery gehört für jeden Geniesser der geistigen Getränke auf den Degustier-Zettel!
Im Juni und Juli dieses Jahres behandelte ich zwei Produkte von Edinburgh Gin (oder besser: liess mich von ihnen behandeln …). Nun konnte ich der berühmten Destillerie endlich einen Besuch abstatten, auch wenn es nicht für Betriebsführungen oder fancy Tasting-Events reichte. Ihren tollen Destillaten begegnet man überall in der Gastronomieszene der schottischen Hauptstadt, und das völlig zurecht. Sie eignen sich perfekt für Cocktails wie auch zum pur geniessen. Die Drinks, welche wir in ihrer Rooftop-Bar bestellten, waren ausgezeichnete sensorische Erlebnisse.

Besonders gut geschmeckt hat mir der «Parklife», mit der Rhabarber-Ingwer-Mischung, von der Kollege Sascha schon angetan war, plus Aperol, Bananen-Rum, Amaro, Ananassaft und Bitters.

Und das für schlappe 12 Pfund! Edinburgh hat den Ruf als teure Stadt, doch als Zürcher kann ich darüber nur herzhaft lachen, hier kann so ein Glas locker mal das Doppelte kosten.

Edinburgh Gin liegt gleich bei der berühmten, touristisch stark bevölkerten Royal Mile, was auf dem Dach der Destillerie einen tollen Ausblick gewährt:

Doch auch der Innenbereich, die Distillery Bar, ist sehr hübsch eingerichtet:

Und natürlich klapperte ich auch in jeder Destillerie den Shop ab, deckte mich mit T-Shirts und kleinen Fläschchen für zuhause ein – halt die volle Touri-Dröhnung …

Am Tag, an dem wir uns an die Besteigung von Arthur’s Seat wagten (die letzten 15-20 Minuten sind brutal – am besten nicht bei Regen gehen, ha ha!), besuchten wir vor dem Aufstieg die nahegelegene Holyrood Distillery. Sie zählt wie erwähnt zu den innovativsten Brennereien Schottlands und wurde 2019 eröffnet – als erste neue Single-Malt-Destillerie im Stadtzentrum von Edinburgh seit gut 100 Jahren. Man findet sie in einem renovierten Eisenbahn-Güterschuppen von 1831, direkt am Fuss von Arthur’s Seat.

Aus diesen zwei Gründen, der Location, wo früher Züge ankamen, und weil er im Oktober 2023 der erste Edinburgh Single Malt-Whisky seit einer Dekade war, wurde der Spirit, den ich bestellte, doppeldeutig «Arrival» benannt. Und ich war davon äusserst angetan. Beim ersten puren Schluck, und noch mehr mit ein paar Tropfen Wasser dazu. Ein Traum aus, vereinfacht formuliert, Früchten, Schokolade und Ingwer. Und ich vermute, dass nicht viele Leute denken würden, dass das Destillat lediglich drei Jahre gelagert wurde – das vorgegebene Minimum für die Whisky-Bezeichnung.

In der traditionellen Scotch-Industrie gilt die Faustregel, dass 60 bis 80 % des späteren Geschmacks erst durch die jahrelange Fassreifung entstehen. Standardmässig nutzen Brennereien meist die gleiche Gerste und Hefe, um maximalen Alkoholertrag pro Tonne zu erzielen. Holyrood dreht diese Logik um («Upstream Flavour Design»): Der Charakter des Whiskys soll primär vor dem Fass im Maischbottich und im Gärtank entstehen. Dafür verwenden sie beispielsweise Rohstoffe aus der Bierwelt (oder sogar aus der Sake-Herstellung). Die Fasslagerung wird dann so ausgewählt, dass sie den Rohbrand aromatisch unterstützt, anstatt einfach bestimmte Holznoten hinzuzufügen, die dann den Grundcharakter des Whiskys ausmachen.

Das alles war mir vor Ort nicht so richtig bewusst, da ich über zu wenig Vorbereitungszeit verfügte. Ich wusste nicht ganz, weshalb mir der Drink so gut schmeckte. Und wir hatten auch nicht viel Zeit zu verweilen, es reichte nur für diesen einen Whisky und einen Kurzbesuch im Shop, in dem ich mir erneut einen mobilen Flight zulegte.

Diese Kollektion bestand aus zwei ihrer «Height of Arrows»-Gins – wenige Botanicals, auf Wacholder konzentriert, mit Meersalz und Bienenwachs für Textur, Mundgefühl und Tiefe. Ein drittes Fläschchen war eben ein Rohbrand («New Make») und das letzte und für mich schmackhafteste Produkt ein Single Malt Scotch Whisky, der süsslich-malzige «Ambir», welcher sich mit satten 50 Volumenprozenten auf die Brust trommelt. Diese Variationenkäufe sollten quasi meinen Booze-Urlaub zurück zuhause in die Verlängerung retten. Dazu bestellte ich mir auch kurzentschlossen eine Flasche vom «Arrival», um nicht nur von Erinnerungen daran schmachten zu müssen …

In unserem traditionellen Edinburgh-AirBnB liess ich es mir vor der Nachtruhe immer ebenfalls gut gehen (wie auch schon in Teil Eins erwähnt), zum Beispiel mit den Bieren der Stewart Brewing. Diese zwei Schnuckelchen sind ein süffig-fruchtiges Pale Ale mit 5 % und ein sehr leckeres, schön bitteres, fruchtig-malziges West Coast IPA mit 6,4 %:

Der Name «Radical Road» bezieht sich auf einen historischen Weg, der sich um Arthur’s Hill schlängelt. Und auch die Biere unseres Lebensmittelladens «Margiotta» um die Ecke wurden effektiv von der südlich gelegenen Stewart Brewing hergestellt:

In den Gastrobetrieben der Stadt ist die Brauerei analog Edinburgh Gin allgegenwärtig, zum Beispiel als wir im Grassmarket in die Hotelbar «Metro» einkehrten:

Auch dort liessen wir es uns so richtig gut gehen und da es draussen wie aus Kübeln schüttete, blieb mir Zeit für zwei Cocktails.

Cheers, auf das gute Leben! In der nächsten Folge dieser Artikelserie wird es dann angemessen königlich zu und her gehen …











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