In den Wermutwolf-IPA-Ringkämpfen wurde bereits ein Viertel der Vorrundenkämpfe absolviert. Und heute ist Tag des Schweizer Bieres. Wir zelebrieren das auf unsere Art und Weise – mit Geschichten und Wolfsgeheul …
Bevor wir zum eigentlichen Kampf kommen, verlieren wir also ein paar Worte zum heutigen «Tag des Schweizer Bieres». Die Schweizer trinken immer weniger Bier. 1990 war es noch 71 Liter pro Kopf, 2023 schrumpfte dieser Wert auf kümmerliche 50,7 Liter. Und die alkoholfreien Biere machen einen immer grösseren Anteil aus. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Jetzt bin ich deprimiert, brauche ein paar Biere und einen IPA-Fight, um mich wieder aufzurichten …

Vorab jedoch darf man am heutigen Tag ja sicher etwas Geschichtsunterricht betreiben. Vermutlich haben die meisten unserer Leser schon einmal die vermeintliche Entstehungsgeschichte des leckeren Bierstils IPA (India Pale Ale) mitbekommen: Als die Briten Indien kolonialisierten, dauerte die Schifffahrt dorthin so lange, dass das Bier unterwegs schlecht wurde. Mit mehr Hefe und Hopfen wurde das Problem gelöst und so die stärkeren «India Pale Ale’s» geboren. Eine schöne Story, aber halt falsch.
Gemäss Malcolm Purinton (Twitter/X: @beer_historian) haben die Briten als sie Indien kolonialisierten schon seit Jahrhunderten Bier rund um die Welt verschifft. «Schon mal von der Mayflower gehört?» Vielmehr gehe die Bezeichnung IPA auf einen Brauer namens George Hodgson zurück, der sein starkes, bitteres, hopfiges Oktober-Bier (im Herbst war der Hopfen günstig zu bekommen) nach sich selbst benannte. Er verfügte über einen Exklusivvertrag mit der British East India Company, welche die Briten in Indien mit seinen Bieren versorgte. In den 1820er und -30er Jahren gaben seine Konkurrenten dem Oktoberbier-Stil einen neuen Namen, nicht ohne imperialisistischen Stolz: «India Pale Ale».

So, genug gelabert, let’s get ready to rumble! Heute stehen sich erneut zwei ungleiche Biere gegenüber. In der einen Ecke haben wir ein NEIPA («New England IPA»), wie es in Vermont anfänglich gebraut worden ist, das Vermont IPA von der Allschwiler Kitchen Brew. Im Dreiländereck gelegen, angrenzend an die Stadt Basel und genauso fasnachtsaffin, wird es seit rund anderthalb Jahren hergestellt und bringt 6,5 Alkoholprozente und sanfte 30 Bittereinheiten auf die Waage. Zum heutigen Tag des Bieres gehört wohl auch anzumerken, dass letzte Woche, am 18. April, als sich Wermutwölfe im Zürcher Chreis Cheib auf bierige Schnitzeljagd machten, die Award-Night des Swiss Beer Award 2024 stattgefunden hat. Und das basellandschaftliche Vermont IPA holte in der Kategorie Extra IPA’s die Silbermedaille, nur geschlagen von dem India Dark Ale derselben Brauerei.

In der anderen Ecke haben wir einen vor Kraft strotzenden, sonnengebräunten Double-IPA-Paradiesvogel, das Ipanema der ebenfalls oft ausgezeichneten südkalifornischen Brauerei Novo Brazil Brew Company, das mit dreimal so vielen Bittereinheiten und satten 8,3 Volumenprozenten auftrumpft. Eine Geschmacksorgie von Honig über Ananas bis zu Zitrusfrüchten überwältigt die Sinne. Dieses Bier mit den Hopfensorten Citra, Centennial und Mosaic kann man nicht einfach so nebenbei runterspülen.

Das einheimische «Vermont IPA» assoziiere ich musikalisch mit der Schweizer Band Hermanos Gutiérrez, zum Beispiel mit dem Titelsong ihres neuen Albums «Sonido Cosmico». Es ist harmonisch, sehr ausgewogen, gentleman-like und trotzdem spannend:
Die Amarillo-, Citra- und Sabro-Hopfen verleihen eine runde Fruchtigkeit. Es hat kein Zuviel an irgendwas, es übertreibt es nicht bei der Fruchtigkeit, der Bitterkeit, Süsse und so weiter. Es eckt nicht an, ist smooth.
Das «Ipanema» assoziiere ich musikalisch hingegen mit Ney Matogrosso, es ist selbstbewusst, wild, energetisch, vollmundig:
Und so ging der Kampf dann letztlich auch aus – der Paradiesvogel sprang mit wildem Blick um den Gentleman umher, bis dieser am liebsten zum nahegelegenen Flughafen Basel-Mulhouse geflitzt wäre, um möglichst weit weg von diesem fremdartigen Energiewesen zu fliehen. K.O. durch Panikattacke. Obwohl das «Vermont IPA» bei der ultimativen Bierplattform «Untappd» in den Bewertungen ganz leicht die Nase vorn hat (3,77 zu 3,75).
Hier noch die Liste der Swiss-Beer-Award-Sieger in der normalen IPA-Kategorie. In dieser vierten Ausgabe des Preises wurden rekordmässige 550 Biere eingereicht und ein Drittel davon wurde prämiert, in sagenhaften 41 Kategorien. Das scheint also ähnlich viel Sitzleder abverlangt zu haben wie die DistiSuisse… Ich vermute, dass Ney Matogrosso mit dem Helikopter geflohen wäre.











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