Mögt Ihr es gerne bitter? Doch sind Euch Underberg und Fernet-Branca zu allebackenzusammenziehend und Jägermeister oder Appenzeller zu tüdeldü-süss? Dann solltet Ihr einmal ein Techtelmechtel mit dem ungarischen Zwack Unicum wagen.
«Das ist ein Unicum!», soll Kaiser Joseph II. im Jahr 1790 begeistert ausgerufen haben, als er das erste Mal am neuen Likör seines Hofarztes Dr. Zwack nippte.
Was für einen Kaiser gut ist, schadet einem Wermutwolf sicher nicht. Deshalb wollte ich das erhabene Getränk unbedingt probieren. Ich habe mir eine winzige Flasche des kaiserlichen Muntermachers besorgt (Wölfe sind vorsichtige Tiere …) und über die weihnachtlichen Festtage meinen ersten Annäherungsversuch gewagt.
Das Stelldichein mit dem Zwack Unicum erfordert Reife und Erfahrung: Er ist kein neutraler Runter-damit-Wodka, kein süsser, seniorinnenbetörender Eierlikör und auch kein kaminsesselfreundlicher Scotch, sondern ein herber Magenbitter. In ihm schlummern über 40 verschiedene Kräuter und Wurzeln. Ein Teil wird in Alkohol eingelegt, um die Wirkstoffe zu extrahieren, der andere destilliert. Der Kräuterextrakt und das Kräuterdestillat werden in einem geschlossenen Holzbottich vermählt. Dann ist es allerdings mitnichten trinkreif: Laut Produzenten hat der Trunk nach der Vermischung im Holzbottich «einen sehr bitteren, etwas stechenden Geschmack». Deshalb wird der Unicum mindestens sechs Monate lang in Eichenholzfässern gelagert.
Umarmt den Unicum also besser nicht direkt nach der Vermischung, sondern habt Geduld, bis er so weit ist:
Unicum ist kein unerfahrener, blutjunger Teenie, sondern hat einiges in seinem langen Leben durchgemacht: Gebraut wird das Getränk in grossem Stil seit 1840 in Ungarn. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Herstellerfirma allerdings konfisziert und verstaatlicht. Die Familie Zwack überliess dem Staat jedoch ein falsches Rezept, flüchtete nach Italien und stellte dort den Unicum nach Originalrezept her – bis sie 1989 den Betrieb in Ungarn wieder zurückkaufen konnte und seitdem dort den Original-Unicum produziert.
Getrunken wird Unicum am besten bei einer Temperatur von 8 bis 10 Grad Celsius. Lagert die Flasche am besten im Kühlschrank … ob mein erstes Mal mit Unicum auch so kühl wird?

Bei meiner Annäherung rieche ich Süsse, Enzian, Gewürznelke und Orange … Erinnerungen an meine vielen Nächte mit Jägermeister werden wach. Im Mund ist der Unicum aber ganz anders: zuerst süss, dann herb-bitter, allerdings auf angenehme Art. Ich schmecke Zimt und sehr viel – für mich zu viel – Gewürznelke. Auch etwas Florales umschmeichelt den Gaumen. Der überwältigende Nelkenduft ist etwas, das ich nicht erwartet habe und mir bei meinem Unicum-Date nicht besonders gefällt: Das Getränk hat für mich etwas von männlicher Rasierseife …
Im Abgang dominieren Kräuter, Würze und Bitterkeit. Diese hält sehr lange an.
Was mir am Unicum gefällt? Er ist bitter, aber nicht so alles-zieht sich-zusammen-stark wie der Underberg. Er fällt für mich eher in die Kategorie «Jägermeister» und «Appenzeller», jedoch ohne deren dominierende Süsse. Der Nelkenduft ist mir im Mund zu aufdringlich; er erinnert mich zu sehr an eine Rasierseife. Den Geruch finde ich ansprechender und ausgewogener. Der Abgang ist vorwiegend bitter, aber auf eine wohltuende Art. Müsste ich einen Magenbitter als Favoriten wählen, würde ich mich für den «Appenzeller» entscheiden.
Sorry, Kaiser Joseph II. Wir haben nicht denselben Geschmack – auch punkto Mozart nicht …











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