Dies ist bereits der dritte Teil dieser neueren Artikelserie, in der wir uns mit einer Zutat genauer auseinandersetzen und dreimal mehr, mal weniger schmackhafte Drinks daraus schütteln und rühren. Heute wird es fast schon kosmologisch, denn es geht um das Ei(weiss). Und um einen real existierenden DDR-Cocktail …
Ich erspare euch den ausführlichen Dialog, den ich mit ChatGPT über die Frage führte, was denn nun zuerst da war, Huhn oder Ei, und was ein Ei denn im eigentlichen Sinn genau ist. Das Gespräch sprang von Reproduktionsketten über Konvergenzereignisse, dissipativer Selbstorganisation, Aktivierungsenergie, Phasenraum-Zugänglichkeit und mehr metaphysischem Geschwurbel, und gipfelte in Chatty’s Zustimmung zu meiner sehr profanen Aussage, dass die Welt der Erscheinungen aus der Welt der Ideen stammen müsste, was auch in der modernen Physik wieder mehr akzentuiert werde. So viel sei auf jeden Fall verraten: Das Ei war zuerst da.

Eben, ich erspare euch die Details. Der guten Ordnung halber sei erwähnt, dass ein durchschnittliches Ei über einen Energiewert von rund 100 Kalorien verfügt und sämtliche essentiellen Aminosäuren und Vitaminen (ausser Vitamin C) in sich trägt. Der Verzehr führt einem auch Eisen und Folsäure zu. Die Eierschalenfarbe hängt nicht mit der Fütterung oder dergleichen zusammen, sondern mit der Rasse des Huhns. Ob ein Ei noch in Ordnung ist, lässt sich testen, indem man es schüttelt (wenn man es schwappen hört, ist Vorsicht angebracht) oder indem man es aufschlägt. Wenn der Dotter flach ist und das Eiweiss wässrig auseinanderläuft, wird es schon älter sein.

Lustig fand ich, dass im Film, den ich vor dem Verfassen dieses Artikels angeschaut hatte, «Predestination», ein Science Fiction-Zeitreise-Spektakel mit Ethan Hawke, der bekannte, tiefergelegte Altherrenwitz gebracht wurde:
«Was kam zuerst – das Huhn oder das Ei?»
«Wahrscheinlich der Hahn.»
Natürlich existieren zig Abwandlungen dieses Scherzes, wie dieser hier:
«Was kam zuerst – das Huhn oder das Ei?»
«Ich weiss nicht viel über Hühner, nur das sie weiblich sind. Also sind sie wohl kaum zuerst gekommen.»

Nach diesem peinlichen Kalauer widmen wir uns nun also der Mixologie. Eiweiss wird zu Cocktails, vor allem den (Whiskey-/Pisco-/etc.)Sour-Kreationen, hinzugefügt, um einen hübschen Schaum zu erzeugen, auf den man ggf. Bitter-Spritzer dekorativ «zeichnen» kann. Ausserdem macht der Schaum das Mundgefühl weicher, samtiger, voluminöser. Ferner verteilt das Eiweiss den Geschmack der verschiedenen Zutaten gleichmässiger und federt die Säure aus beispielsweise Zitronensaft ab.

Ich bin kein Veganer, benutze aber trotzdem einen entsprechenden Eiweissersatz aus der Flasche, ganz einfach weil es bequemer ist, als ein Ei zu trennen und das Eigelb entsorgen zu müssen. Dieses sehr gute Schweizer Produkt hatte ich schon früher erwähnt und ich möchte es in meiner Bar nicht mehr missen. Ein wenig schäme ich mich schon für diese Faulheit, zumal sich meine Eltern und Grosseltern Hühner gehalten hatten und auch Kollege Sascha kann sich jederzeit mit wenigen Schritten zu seinem Hühnerstall frische Eier holen. Eieiei!

Bei einem der drei Drinks, nämlich eben demjenigen, den man in der ehemaligen DDR getrunken hatte, wäre ein ganzes Ei dazuzugeben gewesen, aber naja, ich weiss nicht, ob das den Cocktail so verändert hätte, dass ich ihn ein zweites Mal machen würde …
Immer achtsam gegenüber Synchronizitäten, war ich in der Onlinesuche bezüglich Eiweiss-Cocktails über den DDR-Drink «HAPS Flip» gestolpert. Da ich gerade kürzlich aus beruflichem Anlass mit einem Verwandten einer früheren DDR-Führungsperson einen wein- und bierseligen Abend verbracht hatte, war klar, dass ich den hier mit reinnehmen würde. Und apropos Wein und Bier: Beides sind Zutaten im besagten Drink. Und Milch! Und Zucker. Und Pfeffer. Und eben ein Ei … Doch seht selbst:
Natürlich sind mir sehr viele Kommentare und Webseiten aufgefallen, die sich über das Getränk lustig machen, zum Beispiel auch auf ziemlich witzige Art und Weise diese YouTuber:
Alkohol – vor allem Bier – war in den 41 Jahren der DDR (1949 bis 1990) eines der wenigen Produkte, das immer gut verfügbar war. Ab den späten 70er-Jahren verlagerte es sich von Bier vermehrt hin zu Spirituosen. Der Name «HAPS Flip» leitet sich von der Sendung «HAPS» (Haushalts-Allerlei praktisch serviert), die zwischen 1983 und 1990 monatlich im Fernsehen lief, ab.
Etwas ängstlich machte ich mich an die Erstellung des Cocktails und stellte fest, dass er erstens so ähnlich wie ein Frucht-Frappé schmeckt, und dass man damit auch fast schon gegessen hat … Der Sättigungsgrad ist beträchtlich und war wohl beabsichtigt.

Wie die Jungs oben im Video fand auch ich, dass es geschmacklich hätte schlimmer kommen können. Der Pfeffer balanciert die Süsse etwas aus. Aber wie gesagt, ich werde ihn trotzdem sicher nicht nochmals zubereiten …

Falls ihr aber so mutig seid und den «HAPS Flip» auch kostet, dann wäre das eine sinnvolle musikalische Begleitung; die systemkritische DDR-Band «Renft»:
Noch in der Kürze die zwei anderen Cocktail-Vorschläge: Mit einem Whiskey Sour (Bourbon, Zitronensaft, Zuckersirup und Eiweiss) oder einem Negroni Sour (Gin, Campari, süsser Wermut, Zitronensaft, Zuckersirup und Eiweiss) kann man nichts falsch machen.

Beide sind äusserst köstlich. Ersterer zurecht ein zeitloser Klassiker und einer meiner Favoriten und den Negroni Sour kann man gut zum Apero zu sich nehmen, wenn einem der Sinn nach etwas stärkerem und komplexerem als Aperol-Spritz steht.

Cheers!











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