52 Bierstile, jede Woche einer – ein ganzes Jahr lang. Meine Entdeckungsreise durch die Welt des Bieres ist zu Ende. Zumindest auf Wermutwolf.ch. Denn Bier ist so abwechslungsreich und innovativ, dass es zu einer lebenslangen Forschungsreise einlädt. Ein Fazit.
Auch wenn wir in einer unruhigen, wilden Zeit leben, gibt es Lichtblicke: Einer davon ist die Bierwelt. Als ich in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts in Zürcher Bars und Restaurants dem goldenen Gerstensaft huldigte, war die Auswahl beschränkt – sehr beschränkt. Meistens bestellte man einfach «eine Stange» oder «ein Grosses» und bekam ein Lager-Bier. In Zürich war das vorwiegend Feldschlösschen, wenn man Glück hatte, auch mal ein Appenzeller oder sogar ein Weissbier. Wollte man in neue Bierwelten vorstossen, gab es zumindest in den Irish Pubs zusätzlich ein dunkles Guinness oder ein helles Ale. Im Laufe der 90er-Jahre öffneten schliesslich die ersten Kleinbrauereien wie Turbinenbräu ihre Pforten. Das war eine kleine Offenbarung: Es gab auch geschmackvollere Lager und trübes Amber, mit noch mehr Tiefe.

Reisen wir ins Heute: In der Schweiz tummeln sich so viele Kleinbrauereien wie noch nie. Die Craft-Beer-Revolution aus den USA ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten nach Europa übergeschwappt; es kommt also auch Gutes aus dem Land des unbegrenzten Wahnsinns. Nur dank der Craft-Beer-Szene war es mir möglich, ganze 52 unterschiedliche Bierstile zu verkosten. Und ich weiss nun: Lager-Bier ist nicht gleich Bier, sondern nur eine von vielen Facetten. Es gibt helle, dunkle, rote, süsse, saure, bittere. Solche, die nach Malz, nach tropischen Früchten, nach Harz, nach Schokolade, nach Kaffee, nach Holz, nach Beeren … und und und schmecken. Wer sagt, er trinke nicht gerne Bier, hat seine erste Begegnung wohl mit einem Lager gemacht. Nach meiner Entdeckungsreise kann ich sagen: Jede und jeder findet ein Bier, das er mag. Meine persönlichen Favoriten sind Stouts und IPAs; zwei ganz unterschiedliche Welten, aber beide mit enorm viel Geschmack.

Trotz allem gibt es ein Paradox, das mich nachdenklich stimmt. Es tummeln sich so viele Biersorten wie noch nie in den Supermärkten und bei Fachhändlern, trotzdem wird Bier immer unbeliebter. Von Jahr zu Jahr beklagen sich die Brauer über sinkenden Bierkonsum, viele müssen ihre Pforten schliessen oder steigen vermehrt auf alkoholfreie Biere oder Biermischgetränke um. Ich bin nicht so naiv, dass ich glaube, mit meiner Artikelserie diesen Trend aufzuhalten. Aber vielleicht konnte ich die eine oder den einen dazu bewegen, einmal über den Lager-Bier-Rand hinauszuschauen und selbst eine Reise durchs heutige Bierschlaraffenland anzutreten, damit es uns erhalten bleibt. Denn aus diesem Paradies verstossen zu werden, wäre schmerzlich.












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