Da ich nicht nur ein Schluckspecht, sondern auch ein Wandervogel bin, erkundigte ich mich kürzlich an einem schönen Sommertag, wo es einen von mir noch nicht frequentierten Taproom im Umkreis eines schönen Wanderwegs gibt. Mein Augenmerk fiel auf Neftenbach bei Winterthur. Zum Glück! Die Wanderung war malerisch schön. Die anschliessende Bewirtung ausgezeichnet!
Beim Eintreffen in der Gewerbezone der Karl-Bügler-Strasse brauchte ich einen Moment, um das Hopfenfisch-Logo auszumachen, ganz oben am Gebäude Nummer 3, da man auch ein paar Treppen steigen muss, um hinauf zu gelangen, wo früher Möbel verkauft wurden, doch seit November 2023 golden-schäumende Freuden.

Das Erste, was mir auf diesem Areal in der Tössallmend aufgefallen ist, waren die Autos des Fahrzeughändlers (brauch ich aber nicht) sowie die beiden Erotik-Etablissements, Strip-Clubs (dito).

Die Brauerei-/Taproom-Betreiber wissen aber, dass sie für mehr Sichtbarkeit sorgen sollten und sind momentan gerade dran, dies zu optimieren.
Um den bierigen Durst so richtig zu steigern, ging ich zuerst am Fluss entlang wandern. Dieses Schild, das ich so noch nie irgendwo gesehen hatte, liess mich zwar wachsam über den schmalen Pfad laufen, entsprechende Löcher konnte ich aber keine entdecken:

Ich weiss nicht viel über Biber, nur das Übliche, dass sie gerne tanzen:
Zurück am Ausgangspunkt ging ich pünktlich zur Öffnungszeit des Taprooms hinein in den ausladend geräumigen, aber sehr gemütlichen Craft Beer-Tempel von Pino und Fabienne Rubolino. Geöffnet ist freitags von 17 Uhr bis Mitternacht, wobei vom 19. Juli bis 11. August 2025 Sommerpause angesagt ist. Samstags finden regelmässig Konzerte statt, gratis, mit Kollekte.

Draussen ist zwar ersichtlich, dass die Lage nicht die zentralste ist (obwohl es beispielsweise mit dem Bus vom Bahnhof Winterthur aus lediglich etwa eine Viertelstunde bis zur Hopfenfisch-Location dauert), aber drinnen fühlt man sich gleich pudelwohl.

Gemütliche Sofas, zahlreiche Bar-Tische, man kann (ebenfalls gratis) Billard spielen und ab 20 Uhr Jam-Sessions erleben. Und dann sind da natürlich noch die zehn Bier-Zapfhähne (aus dem 11. Tap kommt nur Limo für Radler-Mischungen). Und ich muss schon sagen, diese hopfigen Kreationen begeistern! Ich begann mit dem West Coast IPA, welches mich augenblicklich in diesen glückseligen Zustand versetzte, wenn man geschwitzt hat und dann richtig feines Hopfen-Gold vorgesetzt erhält. Der Körper und die Seele erhält augenblicklich alles, was zur Regenierung nötig ist. Heaven!

Dass Pino, Mister Winterthur 1998, IPA’s kann, ist erwiesen. Bereits bei seiner ersten Teilnahme erzielte er 2019 bei der SIOS Trophy mit dem 0817-IPA den zweiten Rang. 2023 holte er schliesslich auch noch IPA-Gold. Im selben Jahr gewann er mit diesem Bier auch noch Silber in der Kategorie American IPA beim Concours International de Lyon, neben fünf anderen Medaillen.

Anschliessend genehmigte ich mir einen 4er-Beerflight, um das Sortiment besser kennenzulernen. An diesem schwülen Tag wählte ich sogar ein Sauer-Bier aufs Degu-Brett, Mit milden 4,3 Alkoholvolumenprozenten löscht das Mango Sour, welches bald von einer Grapefruit-Version abgelöst wird, prima den Durst.

Wie auch bei den Stouts benötigte ich viel Zeit, um Sauerbieren etwas abgewinnen zu können. Ich finde das immer wieder interessant, wie man im Laufe der Jahre Dinge lieb gewinnt, die man früher noch so gar nicht mochte. Bei den Nahrungsmitteln sind Sauerkraut oder Fenchel für mich so Beispiele.

Da ich in einer Brauerei auch das Spezielle suche, wählte ich ferner das Wacholder Roggenbock mit aus, das mir ebenfalls sehr gut schmeckte. Es kommt mit 7 % Alkohol daher und ist herb-süsslich. Beim Black Scotch Lager (enthält Glenfiddich) zögerte ich als Whisky-Fan keine Sekunde. Auch dieses Bier hat 7 Volumenprozente und ist ebenfalls etwas süsslich, doch ausgewogen. Grossartig! Und letztlich nahm ich natürlich auch noch das New England IPA mit auf den Beer Flight. 6,2 %, sehr hopfig-fruchtig und absolut top!

Und nun noch ein Wort zum Food-Angebot. Ich liebe Flammkuchen! Ich liebe sie heiss! (Klar, kalt wären sie wohl nicht so toll …) Ich würde mich am liebsten ausschliesslich von Flammkuchen ernähren! Flammkuchen sind die beste Erfindung seit Pizza und dem Rad! Pino und Fabienne haben vier verschiedene Flammkuchen-Varianten im Angebot; Speck & Zwiebel, Lauch & Käse, Poulet und Vegan. Ich entschied mich für letzteres und dieses Ding war einfach zu gut! Nebst Zwiebeln und Lauch ist er auch noch mit Fleischersatz der ETH-Firma «Planted» ausgestattet.

Ich bin in Winterthur aufgewachsen und wenn ich noch immer dort wohnen würde, dann hätte ich nun ein neues Weekend-Stammlokal gefunden. Tolles Bier, tolle Flammkuchen, Live-Musik, Billard, ich meine echt jetzt, was könnte man mehr verlangen? Okay, ich mag auch Spirituosen, und die ehemaligen Partner in dieser Liegenschaft, die Bissels-Männer von «Bottle Of», die Anfang Jahr das Handtuch geworfen hatten, ergänzten das Drinks-Angebot sicherlich reichhaltig, aber mal ehrlich: Nach ein paar Hopfenfisch-Bieren auch noch Gin, Whisky, etcetera ordern, wäre dann schon etwas gar viel des Guten …

Der 45-jährige Pino arbeitet im 90-Prozent-Pensum als Maschinenbauingenieur (ab Herbst kann er um 10 % reduzieren und so mehr Zeit in den Hopfenfisch stecken) und seine Brauerei-Produktionsanlagen sind erst zu einem bescheidenen Teil ausgelastet, bei rund 30’000 Liter pro Jahr. Möglich wären bis 150’000 Liter. Das sind Eigenheiten, die ich auf meiner Tour zu den Schweizer Craft-Beer-Produzenten immer wieder höre, dass man das als Leidenschaft betreibt, doch andere Tätigkeiten den Lebensunterhalt sichern.

Hier bei Fabienne und Pino lässt mich das wieder nachdenklich zurück, denn wenn man derart gute Arbeit in so einem schönen Bereich abliefert, dann müsste man in meinem Utopia ganz klar davon leben können, was offenbar erst ab circa 100’000 Litern pro Jahr möglich ist. Ich meine, ich war schon in so vielen Bars und Pubs, welche täglich geöffnet sind, aber bei weitem nicht so tolles Bier anzubieten haben …

Pino, der seit 2009 braut, zuerst als Hobby in der Küche, dann im Keller, registrierte 2019 mit dem Hopfenfisch übrigens die 1000. Brauerei der Schweiz (Liechtenstein nicht mitgezählt). 35 Jahre nach Ende des Bierkartells, als erst magere 32 Brauereien registriert waren, haben wir nun also schon seit sechs Jahren eine vierstellige Anzahl Schweizer Brauereien, auch wenn nur eine Handvoll davon für den allermeisten Teil des konsumierten Schweizer Bieres zeichnet.

Und Pino begann aus dem selben Grund wie so mancher andere Craft Brauer damit, eigenes Bier herzustellen: Früher gab es einfach noch zu wenige Produkte, die nicht dem 08/15-Standart entsprachen. Das Wort «Massengeschmack» leitet sich halt nunmal davon ab, dass es das ist, was die Masse haben will. Craft Biere nehmen tendenziell schon noch leicht an Marktanteilen zu, doch vermutlich ist jetzt dann bald einmal die Grenze der Anzahl Konsumenten erreicht, die ihren Bierstil-Horizont erweitern möchten. Ich hoffe es nicht, aber viele Indikatoren sprechen dafür.

Einen integralen Bestandteil des Geschäfts sind Firmenanlässe, Degustationen. Ich hoffe jedenfalls, dass die beiden noch mehr an Bekanntheit zulegen werden. Der Ort des Lokals ist sicher nicht so ganz optimal gelegen, in dieser Gewerbezone, doch die «inneren Werte» lohnen den Weg hierher hundertprozentig! Ich werde auf jeden Fall wieder kommen.

PS: Sohn Levin ist auch schon Jungunternehmer. Aktuell in einer Polymechaniker-Lehre beschäftigt, hatte er als Abschlussprojekt der hiesigen Sekundarschule mit zwei Mitschülern zusammen beim Hopfenfisch einen Eistee kreiert, der sinngemäss «Neftea» heisst. Es gibt ihn in zwei Ausführungen (eher für den Sommer Hibiskus/Alpenkräuter, eher für den Winter Apfel/Zimt) und auch in einigen Verkaufsstellen erhältlich ist. Und natürlich auch im elterlichen Taproom.
Wen es interessiert, hier noch ein paar (chronologische) Impressionen der Wanderung:








… und weil ihr es wollt, weil ihr es braucht, zum Schluss noch einen Biber-Nachschlag …:











Kommentar verfassen