Kollege Sascha bringt uns jede Woche einen Bierstil näher, während ich immer wieder Brauereien besuchen gehe. Und manchmal überschneiden sich diese beiden Welten …
Die Seebueb-Brauerei lud am 20.9.2025 in ihrem Hombrechtikon-Domizil zum Fest, um das siebte Jubiläum zu feiern. Den Nachmittag verbrachte ich mit meiner Partnerin an einer Kunstausstellung in der Psychiatrie Wil, durch einen Tipp von jemandem, der dort früher gearbeitet hat. Wir waren ob der überwältigenden Kreativität der Bilder und Skulpturen begeistert, aber wie das in solchen Einrichtungen halt ist, wurden keinerlei alkoholische Getränke, nicht einmal Bier, ausgeschenkt. Der Schützengarten-Kühlschrank wurde für profanes Orangina und dergleichen zweckentfremdet … So kam ich abends völlig unterhopft am Bierfest an, dankbar, endlich etwas «nahrhaftes» trinken zu können …

Ich kenne die Seebueb-Biere aus dem Coop und einem Beach-Club am Zürichsee, jedoch nur das Helle («Fräche Siech», 5 % Vol.). Am Fest waren die mobilen Zapfhähnen bereits leer, so wählte ich eine Festbier-Dose («Süffel», 5,4 % Vol.), um den Durst zu löschen. Das ganze Sortiment umfasst – wenn ich richtig gezählt habe – momentan 26 verschiedene Bier-Kreationen.

Wie schon kürzlich beim Fest der Bier Factory in Jona, konnte man auch beim Seebueb Konzerte beiwohnen, doch im Gegensatz zu Jona wurde in Hombrechtikon stilgerecht gerockt. Eine Coverband spielte Songs von Deep Purple bis Queen. Ein weiterer Unterschied war, dass hier die Live-Musik drinnen, weg von den Festbänken draussen, dröhnte, sodass man sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden konnte.

Das kulinarische Angebot umfasste Würste und Raclette. Wir entschieden uns für Letzteres, was sehr gut schmeckte. Meine Partnerin probierte die Aperol-Spritz-Variante mit Bier anstatt Prosecco. Ich war zunächst skeptisch, nach dem ersten Schluck fanden wir aber beide, dass das ausgezeichnet schmeckt, besser als die traditionelle Schaumwein-Version.

Am Fest selbst beliess ich es bei dem einen Bier, nahm dann aber einige Leckereien mit nach Hause, die es in sich haben. Natürlich wählte ich zwei Flaschen ihres IPA’s («Plöffsack», 6,1 % Vol.). Und gemäss meinen Präferenzen gefällt mir dieses India Pale Ale sehr, sehr gut, es hat einen eigenen Stil, Geschmack. Ich mag es bitter, und hiervon hat es darin eine Menge (56 internationale Bittereinheiten). Aber wovon ich euch vor allem berichten will, sind die noch spezielleren flüssigen Freuden.

Da wäre zum Beispiel der Eisbock (Das einzige Produkt ohne Spitznamen. Warum denn nicht? Vorschlag: «Cooler Matrose»). Kollege Sascha hat gerade kürzlich einen Artikel über diesen Bierstil geschrieben, den ich sehr spannend fand. Eine interessante Zubereitung, eine verrückte Entstehungsgeschichte, ein Bier, das sackstark und teuer ist. Ohne seinen Text hätte ich vermutlich nur gedacht: «Crazy, wer gibt schon um die 20 Franken für 2 dl Bier aus?»

Im angeeigneten Wissen, was ein Eisbock ist – quasi der Likör unter den Bieren – war ich so crazy und gab diese ungefähren 20 Franken aus. Den genauen Preis weiss ich nicht mehr (ich glaube es waren Fr. 21.-) und im Online-Shop scheint diese Sorte nicht erhältlich zu sein. Umso besser, dass ich vor Ort zugelangt hatte. Auf der Flasche steht Batch Nummer 1, es handelt sich also um den ersten entsprechenden Versuch beim Seebueb. Ihr Eisbock sei eine Essenz aus ihren Starkbieren, im Whiskyfass gelagert.

Ehrlich gesagt wurde ich (unabhängig vom Preis) enttäuscht. Ich erwartete eine Art Bierkonzentrat, doch nehme ich weder viel Geschmack noch den Alkohol wahr. Sascha hat über den Bierstil Eisbock geschrieben: «Das Resultat ist ein Gerstentrunk mit viel Alkohol und noch mehr Geschmack. Malz, Hopfen und weitere Aromen kommen voll zur Geltung. Ein Eisbock will also bedächtig und mit Achtsamkeit genossen werden – wie ein guter Likör oder eine feine Spirituose.» Nun gut, die Erwartungshaltung war wohl etwas gar hoch, es war ein Versuch wert. Schauen wir mal, wie Batch Nummer 2 gegebenenfalls sein wird.

Natürlich ersteigerte ich auch noch je eine Flasche Imperial Stout, eine aus dem karibischen Rum- und eine aus dem US-Whiskey-Fass («Pirat», 10,6 % Vol.). Diese Köstlichkeiten kosten zwar keine 20, doch immerhin rund zehn Franken pro 33 cl-Fläschchen. Wieder aus Sascha’s Artikel über den Bierstil «Imperial Stout»: «Schwarz wie die Nacht, komplex wie eine Beethoven-Sinfonie, wohltuend und wärmend wie eine kuschlige Wolldecke, stark wie ein Bär: Das Imperial Stout ist kein Bier für den Durst, sondern für den Genuss.» Das trifft voll ins Schwarze, buchstäblich. Genau so empfinde ich diese Seebueb-Schöpfungen. Die dunkle Wonne begeistert vollauf. Top! Auch das Mundgefühl, cremig-sanft, schmeichelt dem königlichen Trunk. Die Variante mit dem Whiskey-Fass gefällt mir noch mehr als die mit dem Rum-Fass, da noch aromatischer, komplexer.

Und last but certainly not least konnte ich nicht widerstehen und kaufte auch noch den Gin («Schwümmhilf», 45 % Vol.), aus ihren Bieren destilliert, mit Wacholder und anderen Botanicals angereichert. Und auch dieses Produkt schmeckt mir ausgezeichnet. Ich weiss gar nicht so recht, ob es mehr nach Bierbrand oder Gin schmeckt, aber die Fusion ergibt einen sehr schmackhaften, würzigen Gin mit Charakter und Power. Pur fand ich ihn eine Spur besser als mit einem leichten Tonic Water gemischt. Hervorragend, und mal etwas Anderes als die «normalen» Gins. Abgesehen vom Eisbock waren das also alles ausgezeichnete Tasting-Erfahrungen. Cheers! Auf die nächsten sieben Jahre! Ihr Seebuebe seid voll auf Kurs!












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