Ja genau, es gibt einen Highball-Cocktail, der nach dem legendären Genesis-Schlagzeuger benannt wurde – kreiert vom Chef einer Bar in Boston, die während der Corona-Zeit ihre Tore schliessen musste. Ich baute den Drink nach und spürte gleich die gute Laune, die in dieser Bar jeweils am Geburtstag des Musikers verströmt worden ist.
Klar, Phil Collins ist nicht jedermanns Sache und ich verstehe auch seine Kritiker ein wenig, die über Weichspüler-Pop meckern. Er hat durchaus so einiges Mainstream-poppiges verbrochen. Trotzdem ist er nicht nur einer der meistverkauften Musikern aller Zeiten, sondern primär ein virtuoser Schlagzeuger, der Musikgeschichte geschrieben hat. «Drummer first». Das ist der Titel einer neuen Dokumentation über ihn, u.a. von und mit seinem Sohn Nicolas gedreht, der ebenfalls ein sehr talentierter Schlagzeuger ist und seinen Vater während der Genesis-Abschiedstournee an den Drums ersetzte, weil dieser schon lange nicht mehr trommeln kann – aus gesundheitlichen Gründen.
Nachdem ich diese Doku gesehen hatte und in Teenager-Erinnerungen schwelgte, durchforstete ich das Internet und stiess auf den genannten Cocktail und diese Bar in Boston, wo er erfunden wurde, «The Hawthorne». Die Webseite der Bar existiert noch immer und man erahnt, dass man sich dort echt wohl fühlen konnte. Mich erinnert es ein wenig an die Zürcher «Kasheme», wo Musik ebenfalls im Zentrum steht und die Einrichtung ebenso an gemütliche private Wohnräume erinnert.
Jedenfalls sei der Drink, der vom Eigentümer und Bar-Leiter des Etablissements, Jackson Cannon (auch Musiker), erfunden wurde, so beliebt geworden, dass sie diese jährliche Party am Geburtstag von Phil Collins – dem 30. Januar – veranstalteten. Und der fruchtig-würzige Drink macht echt Laune! Er enthält Gurken-Wodka, Limettensaft, Zuckersirup, gelber Chartreuse, Preiselbeer-Bitters und Soda:

Und nun meine Beichte: Ich weiss ja nicht, wie viele Leute so gut ausgerüstet sind, dass sie jeden Cocktail exakt nachbauen können. Meine Bar ist sehr gut austattet, trotzdem musste ich hier Workarounds vornehmen. Ich hatte keinen Gurken-Wodka, nahm stattdessen neutralen Wodka und Gurken-Soda. Ich hatte auch keine Cranberry-Bitters, nahm stattdessen normale Angostura-Bitters und ein wenig Cranberry-Saft. Mir ist klar, dass das so nicht genau dasselbe ist, doch bilde ich mir ein, dass es nicht sehr weit ab vom Schuss ist. Und eben, das Ergebnis ist echt superlecker. Man gönne sich dazu den jungen Phil Collins am Schlagzeug bei Genesis, nebst Sänger Peter Gabriel, der mit wechselnden, irren Verkleidungen performt:
Und wir wollen auch die Kehrseiten unserer geliebten Lebenswasser nicht vertuschen. Phil liess sich mit Alkoholproblemen sehr viel Zeit – bis zu seinem 55. Lebensjahr. Dann schien er dem Schnapps nicht mehr gewachsen gewesen zu sein. Nach seiner dritten Scheidung, ohne die Kinder, alleine in der Schweiz, begann er bereits morgens die Wodka-Flasche aus dem Kühler zu holen, um sie zu Sportsendungen auf der Couch zu leeren. Er habe nur eine Woche Reha gemacht, die Anonymen Alkoholiker seien nicht sein «Cup of tea» und überhaupt habe er sich nie wirklich als Alkoholiker gesehen.
Es scheint so, dass er das überwunden hat. Er versöhnte sich mit seiner Ex-Frau und versucht, Zeit mit den Kindern aufzuholen, die er während seiner glamourösen Karriere vernachlässigt hat. Seine Rückenprobleme, die er sich im Laufe seiner schlagzeugspielenden Jahrzehnte erworben hat, sind gravierend. Wir wünschen möglichst gute Gesundheit und einen schönen Geburi im Kreise der Familie! Und weil wir ja eine Geburtstagsparty feiern wollen, wird jetzt das Tanzbein geschwungen, zum Funk-Klassiker «Pick up the pieces», gespielt von der Phil Collins Big Band:











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