In der heutigen «Jeder Tropfen ist zu viel»-Zeit diskutieren wir nur noch über die Schädlichkeit von Alkohol. Dass er aber auch Medizin sein kann, hat kein Geringerer als der legendäre Schauspieler Humphrey Bogart in einem Selbstversuch im afrikanischen Dschungel bewiesen.
Manchmal ist es besser, zu trinken, als nicht zu trinken. Humphrey Bogart hätte in diesem Satz wohl das «manchmal» ohne zu zögern durch «immer» ersetzt. Der «Casablanca»-Star war ein passionierter Scotch-Liebhaber und prägte klassische Alkoholzitate wie: «Ich habe das Trinken einmal aufgegeben – das war der schlimmste Nachmittag meines ganzen Lebens.»
Vom Kräuterlikör zum Charakter-Whisky
Dabei war Bogart nicht immer ein Ausbund an Geschmack. Bis zu seinem 40. Lebensjahr hüpfte er noch wild und unschlüssig zwischen Bier, krugweise Martinis und dem süssen schottischen Kräuterlikör Drambuie hin und her. Die Wende kam durch den Spott des Produzenten und Journalisten Mark Hellinger. Dieser meinte trocken, Bogart trinke «wie ein kleines Kind». Ein echter Mann mit Charakter widme sich gefälligst dem Scotch.
Bogart nahm sich den Rat zu Herzen. Sein neuer, treuer Begleiter wurde der J&B Rare mit etwas Sodawasser – ein Highball, den er liebevoll «Loudmouth» («Grossmaul») nannte und den ich auch ganz passabel finde. Der Grund für den Kosenamen: Bogarts Mix machte die Leute gesprächiger.

Willkommen im Dschungel
Und genau dieser Whisky war es, der Bogarts Gesundheit beim Dreh von «The African Queen» rettete. Für den Abenteuerfilm wurde der Hollywoodstar von Regisseur John Huston mitten in den unberührten Dschungel nach Afrika verfrachtet. Ein Fleckchen Erde, das dem Schauspieler von der ersten Sekunde an absolut nicht zusagte. Wie tcm.com berichtet, hasste Bogart Afrika sofort und war unglücklich. Er beschwerte sich über alles: die Hitze, die Luftfeuchtigkeit, die Gefahren, das Essen. Das Camp wimmelte nur so von Schlangen, Skorpionen, Krokodilen, Tsetsefliegen, Hornissen und riesigen Ameisen.

Es sollte noch schlimmer kommen. Was die Crew nicht bedachte: Das Geschirr und das Gemüse wurden im rötlich gefärbten, bakteriell verseuchten Flusswasser gewaschen – die perfekte Brutstätte für die Amöbenruhr (Dysenterie) – eine Tropenkrankheit, die mit Fieber, heftiger Übelkeit, brutalen Bauchschmerzen und Durchfall alles andere als angenehm ist.
Praktisch jeder in der Besetzung und Crew wurde krank. Bogarts Filmpartnerin, die überzeugte Antialkoholikerin Katharine Hepburn, traf es so heftig, dass der Dreh fast abgebrochen werden musste. In der berühmten Anfangsszene, in der sie in der Missionskirche die Orgel spielt, stand direkt neben ihr ausserhalb des Kamerabildes ein Eimer. Zwischen den einzelnen Takes musste sie sich immer wieder heftig übergeben, setzte sich danach aber erneut aufrecht hin und spielte hochprofessionell weiter.
Wie durch ein Wunder blieben Humphrey Bogart und John Huston als Einzige am Set verschont. Nein, nicht durch ein Wunder, sondern durch Scotch. Bogart erklärte seine Überlebensstrategie später so: «Alles, was wir assen, waren gebackene Bohnen und Spargel in Dosen, und wir tranken Scotch. Wann immer eine Fliege mich oder Huston biss, ist sie tot umgefallen.»

Drei Drinks hinter dem Weltfrieden
Scotch war für Bogart nicht nur ein Geheimrezept gegen körperliche Krankheiten, sondern er sah im gepflegten Konsum auch eine handfeste Medizin gegen gesellschaftliche und politische Übel. Deshalb möchte ich mit einem wunderschönen Zitat dieses fantastischen Schauspielers schliessen: «Die ganze Welt ist immer drei Drinks hinterher. Wenn jeder Mensch auf der Welt drei Drinks nehmen würde, hätten wir keine Probleme mehr. Wenn Stalin, Truman und alle anderen jetzt drei Drinks vor sich hätten, würden wir uns alle entspannen und bräuchten keine Vereinten Nationen.»











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