Als Autor der Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn ist Mark Twain den meisten bekannt. Wenige wissen allerdings, dass er anders hiess, lange Zeit gar nicht Schriftsteller werden wollte und ein passionierter Scotch-Trinker war.
Geboren wurde Mark Twain am 30. November 1835 in Florida, Missouri als Samuel Langhorne Clemens. Den Namen «Mark Twain» verwendete er erst ab dem 3. Februar 1863 als Autorenpseudonym. Es handelt sich um einen Ruf aus der Sprache der Mississippi-Flussschiffer, der «Zwei Faden» bedeutet und sich auf die Wassertiefe bezieht. Verständnis halber werden wir Clemens in diesem Artikel mit seinem Pseudonym Mark Twain nennen.

Mark Twain wollte vor seiner Schriftstellerkarriere Lotse auf einem Mississippidampfer werden und arbeitete sogar einige Jahre in diesem Beruf, doch der Sezessionskrieg in den 1860er-Jahren machte ihm einen Strich durch die Rechnung: Die Flussschifffahrt auf dem Mississippi wurde eingestellt; Twain verlor seinen Job. Auch die nachfolgende Tätigkeit als Goldgräber in Virginia City, Nevada war nicht von Erfolg geprägt. Deshalb verdingte sich Twain als Reporter – der Rest ist Geschichte.

Doch der Wermutwolf ist kein Literaturmagazin, sondern ein Portal rund um die Trinkkultur. Kommen wir also zum spannenden Teil: Mark Twain reiste mehrmals nach Europa – unter anderem, um mit Vorträgen Geld zu verdienen. Dabei entdeckte er seine neue Leidenschaft: den Scotch. Im Jahr 1873 trank er auf einer Schiffsreise nach England erstmals einen «Cock-Tail». Während der Atlantiküberquerung an Bord des Linienschiffs «SS City of Chester» lernte Twain vom Schiffsarzt dieses neue Getränk kennen. Es enthielt schottischen Whisky, Zitronensaft, Zucker und Angostura Bitter – war also eine Urversion des Old Fashioned.
Cock-Tail nach Mark Twain:
- 6 cl Scotch
- 2,25 cl Zitronensaft
- 1 TL Zucker
- 2 Spritzer Angostura Bitter
Alle Zutaten in einen Cocktailshaker mit Eis geben, schütteln und in ein Glas abseihen.
Wieso wir das wissen? Früher hatten Menschen noch Briefe geschrieben; so auch Mark Twain an seine Frau Olivia. Im Januar 1874 teilte er Olivia mit, dass er auch nach seiner Rückkehr in die USA weiterhin seinen Whisky-Cocktail trinken wolle: «Livy, mein Liebling, ich möchte, dass du sicher bist und daran denkst, im Badezimmer, wenn ich ankomme, eine Flasche schottischen Whisky, eine Zitrone, etwas zerstossenen Zucker und eine Flasche Angostura Bitter zu haben. Seit ich in London bin, trinke ich vor dem Frühstück, vor dem Abendessen und vor dem Schlafengehen einen sogenannten Cock-Tail (aus diesen Zutaten) in einem Weinglas … Diesem Umstand schreibe ich zu, dass meine Verdauung bis heute wunderbar ist – einfach perfekt. Sie bleibt Tag für Tag und Woche für Woche so regelmässig wie eine Uhr.»
Doch Sotch war für Mark Twain nicht nur Magenbalsam, auch bezüglich Libido schien der «Cock-Tail» Wunder zu bewirken. So schrieb er seiner Olivia weiter: «Nun, meine Liebe, wenn du jetzt den Befehl gibst, die Sachen ins Bad zu stellen und dort zu lassen, bis ich komme, werden sie da sein, wenn ich komme. Machst du das? Ich liebe es, über die Ankunft zu schreiben – es scheint, als wäre es schon morgen. Und ich liebe es, mir vorzustellen, wie ich um Mitternacht läute – eine Pause von einer oder zwei Sekunden – das Drehen des Riegels, und ‹Wer ist es?› – danach so viele Küsse – Du und ich im Bad, meinen Cock-Tail trinkend, uns ausziehend – danach ins Bett und … alles glücklich und schön, wie es sein sollte …»

Und wer sagt, dass man im Alter nicht weiser wird? Mark Twain schwor dem Cock-Tail ab … und trank seinen Scotch endlich so, wie es sich gehört und mir am meisten gefällt: pur oder mit etwas (heissem) Wasser. Er nannte den schottischen Whisky «mein liebstes aller Gebräue» und genehmigte sich oft ein Glas, bevor er schlafen ging oder sogar während er im Bett lag.
Für Mark Twain war Scotch also nicht nur Genussmittel, sondern auch Medizin für Verdauung und Zähne, ein Aphrodisiakum und ein Schlafmittel … wer möchte einem der ganz grossen der Literaturgeschichte schon widersprechen?











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