Der altrömische Aperitif «Mulsum» ist wahrlich ein Zaubertrank: Er soll nicht nur den Appetit anregen, sondern für ein biblisches Alter sorgen – zumindest wenn man dem Patrizier Romilius Pollio Glauben schenkt, der über 100 Jahre alt wurde und damit die Neugierde von Kaiser Augustus weckte. Der wollte wissen, was dessen Geheimrezept sei. Wir kennen es …
Ob der Genuss von Mulsum wirklich ein methusalemisches Alter bringt, kann ich nicht versprechen: Ich habe meinen Selbstversuch erst gestartet und stehe momentan in der Mitte des Lebens. Ich berichte aber gerne darüber, wenn ich in hohem Alter noch das Tanzbein wie einst Peter Steiner schwingen mag.
Was ich bereits jetzt verraten kann: Mulsum schmeckt ausgezeichnet. Was sollte man auch anderes erwarten, wenn zwei göttliche Zutaten wie Honig und Wein kombiniert werden. Denn nichts anderes ist dieses römische Getränk: Goldig-süsser Honig wird in (meist trockenem, weissem) Wein aufgelöst.

Nach Belieben wird der Trank mit Gewürzen verfeinert, unter anderem mit Pfeffer, Lorbeerblättern, Koriander- und Fenchelsamen, Nelken, Zimt, Muskatnuss sowie Mastix (ein Baumharz). Der bekannte römische Koch Caelius Apicius würzte seinen Mulsum beispielsweise nur mit zerstossenem Pfeffer.

Doch was machte Mulsum ausser seinem feinen Geschmack und der unschlagbaren Kombination von Süsse und Säure – die noch heute Softgetränken und Energy-Drinks den Kick gibt – so besonders? Laut «Museum Aargau» glaubten die alten Römer, dass der Trunk lebensverlängernd, verdauungsfördernd und appetitanregend wirke. Als Kaiser Augustus den über 100-jährigen Patrizier Romilius Pollio nach seinem Geheimnis für sein hohes Alter fragte, antwortete dieser: «Intus mulso, foris oleo» – «Innen mit Mulsum, aussen mit Öl». So berichtet es zumindest Plinius der Ältere.
In Italien hat die Aperitifkultur eine lange Tradition … eine sehr, sehr lange. Denn schon die Römer zelebrierten sie – mit Mulsum. Gezwitschert wurde der Honigwein bevorzugt vor dem Essen oder zur Vorspeise. Der Vorspeisengang hiess bei den Römern sogar Promulsis; so beliebt war das Getränk.

Genug der Worte! Schreiten wir zur Tat und brauen unseren lebensverlängernden Zaubertrank, bevor es zu spät ist. Ich habe für meinen Mulsum das Rezept vom «Museum Aargau» verwendet und leicht abgewandelt – unter anderem auf eine kleinere Menge heruntergerechnet:
Zutaten
- 1 Flasche guter, trockener Weisswein
- 125 g Honig
- 2 Lorbeerblätter
- 4 zerstossene schwarzer Pfefferkörner
- je 7 zerstossene Koriander- und Fenchelsamen

Zubereitung
- Ein Drittel des Weins mitsamt Honig und Gewürzen in einem Topf erhitzen (nicht kochen, sonst verdampft der Alkohol), bis sich der Honig aufgelöst hat.
- Die Mischung abkühlen lassen und danach mit dem restlichen Wein in ein grosses Bügelglas füllen.
- Mindestens eine Woche an einem dunklen, zimmerwarmen Ort ziehen lassen.
- Absieben, in die leere Weinflasche zurück füllen, mit einem Korken oder Flaschenverschluss verschliessen und im Kühlschrank lagern (Haltbarkeit ca. 2 Wochen).
- Am besten kühl geniessen.











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