Einen zu viel auf dem Weihnachtsmarkt kippen, froh gelaunt nach Hause torkeln und gemütlich seinen Rausch ausschlafen – für Menschen (noch) kein Problem. Anders bei Waschbären: Die müssen den Jäger fürchten. Hoffentlich macht dessen Methode nicht in der immer strenger werdenden Alkoholprävention Schule.
Waschbären sind keine Kinder von Traurigkeit. Stossen die putzigen Tierchen auf Alkohol, fackeln sie nicht lange. So werden immer wieder angeheiterte Exemplare in freier Wildbahn gesichtet; etwa in Kanada. Dort sollen sich die flauschigen Gesellen gerne an vergorenen Früchten laben. «Er konnte sich kaum bewegen. Er schwankte und hatte Mühe aufzustehen», meinte etwa Emily Rodgers laut Stuttgarter Nachrichten zu einem Waschbären, den sie in ihrem Garten gesichtet hatte.
Mittlerweile sind Waschbären nicht mehr nur in Nordamerika heimisch, sondern haben es auch ins Land der Dichter, Denker und Biertrinker geschafft: zu unseren nördlichen Nachbarn. Ob es ihnen wegen der deutschen Braukunst dort so gefällt? So meint etwa Berthold Langenhorst vom Naturschutzbund Nabu laut The Telegraph: «Waschbären sind witzig und schlau … und sie mögen Bier». Er habe kürzlich beobachtet, wie sie am Ufer eines Sees Bierflaschen umgeworfen hätten, um an die Flüssigkeit zu kommen. Ein Vorgehen, das sich bereits in Kanada bewährt hat.
Doch anscheinend gefällt es den bierfreudigen Tierchen im Land des Reinheitsgebotes zu gut. Mittlerweile soll deren Zahl in die Million gehen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) habe laut The Telegraph allein im Jahr 2022 eine Rekordzahl von 200 000 Waschbären getötet, um die Population zu kontrollieren. Vor zwei Jahrzehnten seien es noch weniger als 10 000 gewesen. Eingeführt wurden die pelzigen Biertrinker übrigens während der Nazi-Zeit; allerdings nicht wie so oft kolportiert von Hermann Göring.

Waschbären stehen in Deutschland auf der Abschussliste. Sie dürfen das ganze Jahr über gejagt werden. Das musste ein trinkfreudiges Kerlchen am Weihnachtsmarkt in Erfurt am eigenen Pelz erfahren. «Ein torkelnder Waschbär hat auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt für Erheiterung gesorgt. Schliesslich wurde das Tier vom Stadtjäger getötet», heisst es bei der Berliner Morgenpost nüchtern. «Er torkelte umher, wankte über Strassenbahnschienen, legte sich auf die Stufen eines Restaurants und machte schliesslich ein Nickerchen unter einem Mülleimer», berichtet die Zeitung weiter. Zuerst hätten sich Sicherheitsleute um den Kleinbären gekümmert, ehe er zur Leitstelle gebracht und dem Stadtjäger übergeben wurde. Dieser habe das Tier dann erschossen.
Bleibt für den Stadtjäger nur zu hoffen, dass nicht eines Tages Rocket Racoon aus dem Film «Guardians of the Galaxy» in Erfurt auftaucht …











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