Als wir im Frühling 2023 mit dem Wermutwolf starteten, nahm ich mir vor, jeden Monat einen Wermut vorzustellen. Es zeigte sich rasch, dass das ein zu ambitionierter Plan war. Nun nehmen wir also einfach sporadisch einen Wermut in den Fokus. Und wir beginnen mit einem sehr eigenen, speziellen Exemplar, demjenigen von Gents, die für ihre hervorragenden Tonic-Wasser bekannt sind.
Natürlich ist der Wermut auch ohne die Start-Rubrik bei uns immer wieder ein Thema. Sascha hat uns in seiner Zaubertrank-Rubrik gezeigt, wie wir unseren eigenen Wermut herstellen können. Ich hingegen nahm Euch in meiner Kneipentour-Rubrik mit in die «Gamper Wermuteria». Und ziemlich genau vor einem Jahr zelebrierten wir den Murmeltiertag wie das nur Wermutwölfe können, natürlich mit einem – resp. mehreren – Wermut mit Twist.
Am Montag, 2. Februar 2026 ist es wieder so weit. Wird der berühmte Nager Punxsutawney Phil seinen Schatten sehen? Wird es einen frühen Frühling geben? Ich werde mir die Show erneut ansehen!
Und jetzt also zum Vermouth de Gents, der je nach Bezugsquelle plus/minus 35 Franken kostet. Gleich vorweg: Dieser Wermut hat einen medizinisch-bitteren Geschmack wie ich es sehr mag, das ist aber nicht jedermanns, respektive jederfraus Ding. Meine Partnerin trinkt gerne Wermut, hat bei diesem Exemplar aber nur das Gesicht verzogen, es war ihr zu viel des Guten. Ich hingegen liiiiiiebe ihn! Er ist right in your face, kompromisslos, quasi ein Macho-Arzt der kühnen Sorte – vielleicht so eine Art alkoholisierter Dr. House?
Der traditionelle Vermouth de Gents (18,5 % Vol.) basiert auf einem Kräuterrezept von Apotheken-Pionier Gustav Dieterich aus den 1890-ern, enthält Pinot Noir von der Zürcher Goldküste und wird durch Madère-Süsswein aus Banyuls-sur-Mer (Languedoc) gezähmt. Das Wermutkraut stammt aus der Schweiz, hinzu kommen unter anderem Moschus-Schafgarbe, Bittermandelöl aus Spanien und getrockneter Galanga, ein Ingwer-Gewächs, jedoch weniger scharf als Ingwer.

Auf das Kräuterrezept stiess Gents-Gründer und Journalist Hans Georg Hildebrandt über die Drogisten der Zürcher Bergapotheke. Zur Wermutproduktion inspiriert wurde «HG» von den Wermut-Bars in Barcelona, die auch ihre eigenen Kreationen ausschenken. Seine Frau, Designerin Nina Thoenen, entwarf die schicke Etikette. In diesem interessanten Gespräch bei der SRF-Sendung Aeschbacher erzählt HG aus dem Nähkästchen, im Beisein von Frau und Kindern.
Tastingnotizen: Ich ging modular vor. Wie gesagt, pur zieht einem dieser Wermut auf positive Art die Socken aus. Wenn man wie ich auf herb und bitter steht, dann ist das mit einem Eiswürfel kombiniert ein wunderbares Elixier. Man muss aber wirklich über einen Sinn für das Besondere verfügen.

Anschliessend rührte ich mir damit einen Negroni. Campari, klar, und dann gab ich beim Gin während eines Geistesblitzes den ebenfalls starken, markigen, charaktervollen Tanqueray No. 10 (47,3 Volumenprozente; Grapefruit, Orange, Limetten, Wacholder, Koriander, Angelika, Kamillenblüte) hinzu.

Der daraus entstandene Cocktail rangiert auf meiner Negroni-Rangliste weit oben. Sowohl pur als auch in Negroni-Form passt zum Vermouth de Gents dunkle Schokolade hervorragend dazu. Und ihr seht, dafür gibt es bei mir zu Hause nie einen Mangel …:

Als letzte Stufe vermischte ich den Negroni mit Soda Wasser. Im ersten Augenblick mutet das vielleicht ähnlich überraschend an, dass ich Soda anstatt Tonic Water benutzte, wie dass Tonic Water-Experte Gents als erstes alkoholisches Getränk keinen Gin, sondern einen Wermut herausgab. Doch ich wollte diesen grossartigen Geschmack des Negronis nicht zu sehr verändern, sondern legèrer machen, als sanftere, zugänglichere Highball-Cocktail-Variante «strecken». Und das ist sehr gelungen, so werden den Drink auch Low-ABV-Konsumenten eher zu schätzen wissen.

Fazit: Gents hat der Getränkewelt unseres Landes seinen Stempel aufgedrückt, und ich würde sowohl die Softdrinks (wir erwähnten gerade kürzlich ihr Ginger Ale) als auch den Wermut sehr vermissen, gäbe es sie nicht mehr. Ich bin schon sehr gespannt, was sich HG als Nächstes ausdenken wird. Bei Aeschbacher erwähnte er hierzu beispielsweise einen weissen Wermut. Das würde uns Wermutwölfen natürlich einige Glücksheuler entlocken!











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