Romanée-Conti ist eine der exklusivsten und teuersten Weinlagen der Welt. Doch es geht noch exklusiver: Wer einen «1945 Romanée-Conti» in die Finger bekommt, trinkt einen Schluck Weingeschichte und einen Rotwein, den es heute schlicht nicht mehr geben kann. Leider ist dafür auch viel, viel Geld nötig: Im April dieses Jahres wurde eine Flasche für rund 650’000 Franken versteigert.
Bevor Ihr nun wild die Hände verwerft und «Das ist ja Irrsinn!» schreit, gibt es einen kurzen Exkurs, wieso dieser Jahrgang so begehrt ist. Einerseits war das Jahr 1945 im Burgund ein ausgezeichnetes Weinjahr. Frühlingsfrost, frühe, schnelle Blüte und ein heisser Sommer mit wenig Niederschlag brachten besonders schmackhafte Trauben hervor.
Das reicht aber noch lange nicht, um Spitzenpreise bei Auktionen zu erzielen. Hinzu kommt: Von diesem Jahrgang wurden gerade einmal 608 Flaschen abgefüllt.
Doch auch das macht den 1945er noch nicht zum heiligen Gral der Weinwelt: 1945 war das letzte Jahr, in dem das Weingut Domaine de la Romanée-Conti von seinen ursprünglichen Reben kelterte. In diesem Jahr wurden die Weinberge abgerissen und in den Folgejahren saniert, da die alten Reben zu wenig Ertrag brachten. Sie waren durch die Reblaus geschwächt und konnten im Zweiten Weltkrieg wegen des Mangels an Schwefelkohlenstoff-Präparaten nicht behandelt werden, weshalb viele Pflanzen verwelkten und der Ertrag drastisch zurückging.

Was bedeutet «ursprüngliche Reben»? Bevor die Reblaus im 19. Jahrhundert aus den USA nach Europa eingeschleppt wurde, hatten die Weingüter Reben, die von der Wurzel bis zur Traube eine Pflanze waren. Die Reblaus zerstörte die Wurzeln der europäischen Reben. Deshalb pfropften die Europäer ihre Rebstöcke auf die Wurzeln amerikanischer Reben, die gegen den Schädling resistent waren. Die Domaine de la Romanée-Conti ersetzte 1947 ihre ursprünglichen Rebstöcke durch gepfropfte Varianten mit amerikanischen Wurzeln. Damit begann eine neue Ära für den Weinberg – und letztlich auch für den Wein.

Hervorragender Jahrgang, nur 608 Flaschen, Wein von den letzten ursprünglichen Reben des Weinbergs … all das führt zu den Irrsinnspreisen, die eine Flasche «1945 Romanée-Conti» heute auf dem Auktionsmarkt erzielt. Im April dieses Jahres versteigerte das US-Auktionshaus Acker Wines eine Flasche aus dem Keller von Joseph Drouhin für sagenhafte 812’500 US-Dollar oder umgerechnet ca. 650’000 Schweizer Franken.

Zum Geschmack kann ich nicht viel sagen, da mir das nötige Kleingeld fehlt. Doch laut John Kapon, dem Vorsitzenden von Acker Wines, soll es der «grossartigste Wein» sein, den er je verkostet habe. «Ich hatte das Privileg, den 1945er Romanée-Conti dreimal in meinem Leben zu verkosten, aber seit über 20 Jahren nicht mehr, und wahrscheinlich werde ich das auch nie wieder tun», wird er vom Weinportal Vinum zitiert. Wenn Ihr je einen «1945 Romanée-Conti» in die Finger bekommt, schnappt zu – auch wenn Ihr dafür Haus und Hof verkaufen müsst. Wenigstens gelangt Ihr dafür in den Weinhimmel.











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