12 Mixologen kämpfen in elf Folgen um den Titel «Ultimativer Drink Master» und 100’000 Dollars. Die Netflix-Serie ist gut und aufwändig gemacht, unterhält und zeigt vor allem auf, zu was ein Top-Bartender alles fähig ist. Ich kam oft aus dem Staunen kaum heraus. Das sind echte Alchemisten-Künstler!
Das Konzept ist schnell erklärt: Es gibt pro Folge jeweils eine Hauptaufgabe zu erledigen, für die in der Regel 90 bis 120 Minuten zur Verfügung stehen, beispielsweise aus einer bestimmten Frucht einen Cocktail herzustellen, bei der die Frucht der Star ist, doch die Kreation möglichst einfallsreich und ungewöhnlich daher kommen muss. Oder beim Prohibition-/Speakeasy-Tag musste sich jedes Team für «ein Gift» entscheiden, Gin, Rum oder Bourbon, und dann die Ära vor 100 Jahren möglichst kreativ wieder aufleben lassen – wobei die Präsentation eine massgebliche Rolle spielt.
Bei diesen Hauptaufgaben gibt es Sieger und Verlierer. Die Verlierer müssen dann gegeneinander in einem «Stechen» darum kämpfen, nicht nach Hause gehen zu müssen. Auch ungewöhnlich knifflige Aufgaben werden gestellt, wie zum Beispiel, dass die Profis ohne das übliche Barwerkzeug auskommen müssen, sondern mit einem Handwerkerkoffer … In der Regel sind diese Ausscheidungswettkämpfe kürzer, teils nur eine Viertelstunde. Die Folgen an sich dauern ungefähr 35–40 Minuten.

In der Vermarktung der Serie prangt der Slogan «12 innovative Mixologen von rund um den Globus …», was für Hohn und Spott sorgte, da alle 12 aus Nordamerika anreisten. Was für Amerikaner halt quasi die ganze Welt darstellt … Bereits 2024 wurde eine zweite Staffel in Auftrag gegeben, von der man noch nicht viel weiss, aber es deutet darauf hin, dass sie das geographische Feld dann tatsächlich etwas mehr öffnen werden. Cocktails sind zwar eine ziemlich amerikanische Sache, doch ist die Chance vermutlich sehr hoch, dass der wahre ultimative Drink Master irgendwo in Tokio, London, Singapur, Oaxaca, Barcelona oder Mailand seinem Beruf nachgeht.

Okay, man könnte zugutehalten, dass Tao Zrafi (Montreal – Nomaden-Bartender und Bar-Consultant mit stark visuellem, architektonischem Ansatz) gebürtiger Tunesier ist, Christian «Suzu» Suzuki-Orellana (San Francisco) seine japanische Familiengeschichte einbringt und Alex Velez (auch San Francisco – Beverage Director mit energetischem Stil und Tiki-/Tropical-Einflüssen) aus Puerto Rico stammt.
Die beiden Jury-Mitglieder sind Julie Reiner, eine der einflussreichsten Ikonen der New Yorker Craft-Cocktail-Renaissance. Betreiberin legendärer Bars wie «Flatiron Lounge», «Clover Club» und «Leyenda», Buchautorin («The Craft Cocktail Party») sowie Frankie Solarik, Vorreiter der molekularen und avantgardistischen Mixologie, Inhaber der gefeierten Bar «BarChef» in Toronto und Autor von «The BarChef Book».

Moderiert wird das Ganze von Tone Bell, US-amerikanischer Comedian und Schauspieler (bekannt aus Serien wie «Disjointed» auf Netflix, «The Flash», «Survival of the Thickest»). Gedreht wurde das Ganze in Hamilton, Ontario (Kanada), was man auch für die kommende zweite Staffel so beibehalten wird.
Die weiteren Teilnehmer
- Natalie Migliarini (Las Vegas, Nevada), Home-Mixologin, Cocktail-Autorin, Fotografin und Influencerin hinter «Beautiful Booze».
- Raj Shukla (Fort Wayne, Indiana), Beverage Director und Bar-Manager («Copper Spoon»), Finalist bei World Class USA.
- Meredith Barry (St. Louis, Missouri), Barchefin und Mitinhaberin von «Platypus» sowie «The Blind Pig» mit Fokus auf Community-Bars.
- Aisling Gammill (Boise, Idaho), Mixologin, Inhaberin von «Jellyfish Studios» & Expertin für Sirupe, Bitters und Shrubs.
- Kapri Robinson (Washington, D.C.), Mixologin, Educator, Gründerin von «Chocolate City Best» (Plattform für BIPOC-Bartender).
- Michael Anderson (Pittsburgh, Pennsylvania), R&D Beverage Chef und Sommelier mit kulinarischem Hintergrund.
- Loyd Von Rose (Montreal, Kanada), Junger Avantgarde-Barkeeper und Drink-Designer mit starkem Fokus auf Ästhetik und moderne Techniken (Park Drinks).
- Lauren «LP» Paylor O’Brien (Washington, D.C.), Bar-Strategin.
- Kate Gerwin (Albuquerque, New Mexico), Bar-Veteranin, Inhaberin von «Happy Accidents», erste weibliche Gewinnerin der «Bols Around the World» World Championship.
Mit der Zeit kennt man die Stärken und Schwächen der einzelnen Teilnehmer. Jemand kann nicht unter Druck arbeiten, die Zeit nicht richtig einschätzen, jemand anderer kann nicht gut mit Früchten. Und nochmals jemand anders probiert die eigenen Kreationen nicht vor dem Servieren, was manchmal gut geht, manchmal aber auch nicht …
Es kam ab und zu vor, dass ich von der Serie inspiriert wurde, selbst tätig zu werden. Zum Beispiel erinnerte mich die Aufgabe der Teilnehmer, einen «Wet Martini» zu mixen, daran, dass ich schon ewig keinen solchen mehr genossen hatte. Dabei ist er soooo lecker! Ganz simpel; Gin und trockener Wermut im 2-zu-1-Verhältnis mit ein paar Spritzern Orange Bitters auf Eis umrühren, und voila, hat man in ein, zwei Minuten einen herrlichen Cocktail zu schlürfen:

Anderes steht noch auf meiner To-Do-Liste zum nachbauen. LP’s Margarita-Version mit Blanco- und Reposado-Tequila, Ananas-Nektar-Sirup, Salz-Schaum und Limetten-Gelée-Wedge würde mich nebst gar manchen anderen Kreationen sehr reizen. Natürlich wurden auch andere Leute von der Serie inspiriert, wie Kevin Kos, der hier ebenfalls den Wet Martini und eine Old Fashioned-Variante aus der Show erklärt:
Fazit
Ich schaue mir normalerweise keine Reality-TV-Sendungen an, mich nervt das künstliche Getue, dieses unbeholfene Geschauspielere, die provozierten Dramen und so weiter. Ausserdem mobilisiert hier Netflix natürlich wieder die ganze Bandbreite von Minderheiten, die einfach in ein Netflix-Produkt gehören. Und trotzdem empfehle ich euch die Serie, denn wenn man sieht, was diese begnadeten Magier (allein oder im Team) für unfassbare Meisterwerke erschaffen, wie sie es tun und wie die meist (zumindest für Laienaugen) perfekt gestalteten Präsentationen verblüffen, das ist ganz grosses Kino!

Es wird destilliert, gebacken, flambiert, vereist, alles mögliche verflüssigt und neu zusammengesetzt – ein echtes Drinks-Spektakel! Viel zu oft stellte ich mir vor, wie himmlisch es wäre, wenn ich ein Jury-Mitglied wäre und alle diese Köstlichkeiten probieren dürfte … Die Aufgaben werden nach Geschmack, Kreativität und Präsentation beurteilt, und es treten immer wieder Stargäste auf, welche sich der Jury für ihr Fachgebiet anschliessen, beispielsweise Gonzo Jimenez, renommierter argentinischer Chocolatier und Pastry Chef. Er führt das bekannte «Miette et Chocolat» in Colorado und wurde einem breiteren Netflix-Publikum bereits als einer der Experten in der Reality-Serie «Bake Squad» bekannt.
Ich vermute mal, dass die Teilnehmer nicht alle wirklich zur Top-Elite zu zählen sind, denn würde ein richtiger Drink Master einen Cocktail mit Trockeneis servieren, der die Jury im schlimmsten Fall umbringen könnte? Wohl eher nicht. So passiert in der allerersten Folge … Vielleicht auch einfach aus dramaturgischen Gründen, keine Ahnung …

Spoiler? Nur für die Eingeweihten
Die Person, welche den Contest gewonnen hat, ist schon lange trocken und gilt als eine der profiliertesten Fürsprecherinnen für hochwertige No- und Low-ABV-Cocktails (Zero-Proof) sowie für mentale Gesundheit und Wellness im Gastgewerbe. Auch hier kommt von Netflix, was man von Netflix halt zu erwarten hat. Trotz alledem freue ich mich echt schon sehr auf die zweite Staffel. Cheers to that!











Kommentar verfassen