Booze-Urlaub (3) – Edinburgh, Teil Drei

In dieser Folge der Artikelserie über die schottische Hauptstadt geht es – sozusagen als lockeres Zwischenspiel – um unsere Touristen-Besuche beim royalen Palast sowie um die riesige Yacht, welche die königlichen Familienmitglieder jahrzehntelang rund um die Welt schipperte. Natürlich verfügten beide über gemütliche Plätze für schmackhafte Drinks …

Nachdem wir Arthur’s Seat bestiegen hatten und den Weg durch ein prächtiges Naturschutzgebiet bis zum Palace of Holyroodhouse zurückgelegt hatten, waren wir echt durstig. Und jetzt muss ich mich leider gleich zu Beginn bei König Charles beschweren, so quasi von Wolf zu Löwe: Sir, Sie verfügen hier über so einen prächtigen Palast (Könnte ich den bei Ihnen eventuell auch für ein Firmen-Weihnachtsessen mieten?). Ich war zutiefst schockiert darüber, dass es im Gastro-Bereich kein einziges, richtig gekühltes Bier zu kaufen gab! Weit und breit nur lauwarme Cervisia! Sorgen Sie hier bitte für mehr Ordnung und Disziplin, vielen Dank! Die Auswahl der Biere war aber schwer in Ordnung.

Der Palast lässt sich natürlich nur besuchen, wenn die Königsfamilie gerade nicht in Edinburgh weilt, was aber im Sommer sowieso praktisch nie der Fall ist. Die Führung durch den Palast dauerte etwa zwei Stunden. Leider war Fotos schiessen nicht erlaubt. Auf der offiziellen Webseite erhält man einige Einblicke, und von aussen sah das so etwa so aus:

Im Shop ersteigerte ich diesen soliden Whisky (46 % Vol.) und diese leckere Bitterorange-Marmelade mit 2 % Scotch (den man aber geschmacklich nicht wirklich gross wahrnimmt). Wo der Whisky effektiv hergestellt worden ist, lässt sich nicht eruieren. Es handelt sich um eine sogenannte Undisclosed Distillery (in Sammler- und Auktionsdatenbanken als UD geführt).

Breakfast for Royal Champions …

Aus den Deklarationsvorschriften für Scotch Whisky und den Angaben des Royal Collection Trust lassen sich jedoch ableiten, dass obwohl der Name an den königlichen Palast in Edinburgh angelehnt ist, der Whisky nicht von dort stammt. Edinburgh liegt in den Lowlands (auch die 2019 eröffnete Holyrood Distillery vor Ort brennt Lowland-Malt). Die Bezeichnung Highland Single Malt ist gesetzlich geschützt. Der Whisky stammt zwingend aus einer einzigen lizenzierten Destillerie aus der Whiskyregion Highlands.

Dass die Destillerie verschwiegen wird, ist bei Merchandising- und Private-Label-Abfüllungen für Institutionen wie den Royal Collection Trust Standard. Unabhängige Händler oder Broking-Häuser (wie etwa Berry Bros. & Rudd, Gordon & MacPhail oder Grosskonzerne wie Diageo) kaufen Fässer aus Überhängen von Brennereien auf. In den Lieferverträgen wird meist über Non-Disclosure Agreements (NDA) geregelt, dass der Brennereiname nicht auf dem Etikett stehen darf, um die Kernmarke der Destillerie und deren Preisgefüge zu schützen.

Da schottische Traditionsbrennereien wie Royal Lochnagar (nahe Schloss Balmoral) ihren Royal Warrant und Namen meist stolz auf dem Etikett führen, wenn ein königliches Souvenir von ihnen stammt, greifen Abfüller bei namenlosen Highland-Labels in der Regel auf typische Highland-Arbeitstiere zurück – etwa Blair Athol, Fettercairn, Tullibardine oder Deanston, deren Profile (malzig-süss, Heidehonig, dezente Zitrus- und Holznoten) exakt zu den angegebenen Tasting Notes passen.

Die andere royale Touristenführung befand sich auf unserem Ausflug in den Stadtteil Leith, wo im Hafen die ausgemusterte Yacht Britannia vor Anker liegt. Von den 50er- bis zu den 90er-Jahren legte sie für die Königsfamilie über eine Million Seemeilen zurück. Und auch diese audiobegleitete Führung dauerte rund zwei Stunden. Danach hatten wir genug Adelsgeschichten für den Rest unseres Urlaubs gehört …

In diesem YouTube-Video kann man die Führung von zu Hause aus machen …

Ihr seht, es existiert so manche gemütliche Ecke in diesem weitläufigen Schiff, wo man sich entspannt aus einer Bar bedienen konnte:

Und aus diesem Fass wurde dem Schiffspersonal die Rum-Rationen geschöpft:

Die Ausstattung bei obiger Bar – hier nochmals von nah …

… ist nicht zufällig so arrangiert. Sowohl Queen Elizabeth II. als auch ihre Mutter, Queen Elizabeth (bekannt als Queen Mum), teilten eine legendäre Vorliebe für bestimmte Drinks — allen voran den Klassiker Gin & Dubonnet. Im direkten Vergleich galt die Queen Mother jedoch als die deutlich trinkfestere und regelmässigere Geniesserin, während Elizabeth II. im Alltag wesentlich disziplinierter und zurückhaltender agierte. Konkret trank die Queen Mum (und Königin des Daydrinking) den Cocktail Gin-lastig, bis zu einem 2:1-Verhältnis, während ihre Tochter ein umgekehrtes Verhältnis zu Gunsten des Weinapéritifs bevorzugte. Der Champagner vervollständigte das Menu abends oder bei Anlässen.

Hätte sich Elisabeth II. beim Alkohol im Vergleich zu ihrer Mutter nicht so gemässigt, wäre sie ja vielleicht nicht schon im zarten Alter von 96 Jahren gestorben, sondern eventuell wie ihre Mutter über 100 Jahre alt geworden … Doch im Ernst: Die Liebe der britischen Königsfamilie zu Dubonnet begann vermutlich mit Queen Victoria und wurde durch die Queen Mother zur Tradition. Im November 2021 — knapp ein Jahr vor ihrem Tod — verlieh Queen Elizabeth II. der Marke offiziell den Royal Warrant (das königliche Hoflieferanten-Prädikat). Bis heute prangt das Wappen der Queen auf jeder Flasche Dubonnet Rouge.

Bezüglich des Gins ist es so, dass Gordon’s für den Drink verwendet wurde. Ich dachte zuerst an eine Spezialabfüllung, doch sowohl der frühere Chefkoch Darren McGrady als auch die Kellermeister des Buckingham Palace bestätigten, dass für den täglichen Gin & Dubonnet der ganz normale Gordon’s London Dry Gin aus dem Palastkeller ausgeschenkt wurde. Dubonnet ist ein sehr schwerer, süsser und kräftig aromatisierter Aperitifwein. Ein moderner, filigraner Craft-Gin mit blumigen oder exotischen Noten würde darin völlig untergehen. Gordon’s ist extrem wacholder- und zitrusbetont — genau dieses rustikale Rückgrat braucht man, damit sich der Gin gegen den Dubonnet durchsetzen kann. Ausserdem galt Gordon’s mit 40 % Vol. (bzw. 47,3 % Vol. in der Export-Variante) als Queen Mum und Elizabeth II. ihre Vorlieben prägten (30er- bis 50er-Jahre), als das absolute Mass aller Dinge für klassischen London Dry Gin.

Nur zu gerne hätte ich auf der Schiffstour erfahren, was für einen Witz der damalige Prinz Charles hier der Royal Marine Band im Mannschaftsraum erzählt hatte:

Die Crew war sehr verschwiegen und so weiss man nichts darüber. Da Charles selbst in der Royal Navy gedient hatte (unter anderem als Kommandant des Minensuchers HMS Bronington), schaltete er bei der Truppe wohl sofort vom «Hoheit»-Modus auf den typischen, leicht derben Kasernen- und Marinehumor (Jack Speak) um. Die Blaskapelle der Royal Marines an Bord der Britannia musste täglich zu zeremoniellen Anlässen strammstehen und feierliche Märsche blasen, war intern aber berüchtigt für ihren äusserst trockenen Galgenhumor.

(Einschub: Dieses nachfolgende Bild wurde nicht ganz so beliebig gewählt wie das Bild von Charles in diesem Artikel von 20 Minuten über einen besonders dreisten Bier-Diebstahl … Es prangt im Tour-Bereich von Royal Britannia:)

Charles witzelte bei solchen informellen Besuchen liebend gerne über verpatzte Einsätze, die steife Etikette an Deck bei rauem Seegang oder über die Frage, wie viel Rum/Bier nötig sei, um die königliche Familie musikalisch zu ertragen. Ehemalige Besatzungsmitglieder haben in zahllosen Interviews zwar über Streiche, das morgendliche Deck-Schrubben in Turnschuhen (um die Queen nicht zu wecken) und Anekdoten erzählt – aber wenn es um die privaten Witze der Royals bei einem Bierchen ging, grinsen die Veteranen meistens nur verschmitzt in die Kamera.

Ein Blick von der Königsyacht aus, hin zu einem Thema des Artikelserie-Teil 4. Die gelben Konstruktionen neben der Destillerie werden Anfang nächstes Jahr abgebaut, was schade ist. Ich fand die cool und es bot geografische Orientierung …

Hier findet Ihr Teil 1 der Edinburgh-Artikelserie und hier Teil 2. Und die Serie ist noch nicht zu Ende. Stay tuned! Cheers!

Autor

  • Wermutwolf Daniel Frey

    Ich habe Freude am Schreiben. Und am Trinken. Und am Schreiben, während ich trinke. Während des Vollmondes oder während des Trinkens verwandle ich mich in meine wölfische Urnatur.

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