Wir sind tatsächlich am Ende unserer monumentalen Bierserie angelangt. Ganze 52 Bierstile habt Ihr während 52 Wochen kennengelernt. Da soll noch jemand behaupten, Bier sei ein langweiliges Altherrengesöff. Den Abschluss macht ein ganz besonderer Stil – einer, der zwei meiner liebsten Bierstile verbindet: das Black IPA.
Wer das Ungewöhnliche sucht, wer sich nicht zwischen dunklem Röstmalz und hopfigen Zitrusnoten entscheiden kann oder will, der sollte sich ein Black IPA gönnen. Dieser Stil ist auch bekannt als Cascadian Dark Ale (CDA). Es handelt sich um einen faszinierenden und oft missverstandenen Bierstil, der die paradoxe Kombination aus dunklem Aussehen und hellem, hopfigem Aroma unter einen Hut bringt. Es ist das hässliche Entlein unter den Bieren: tiefschwarz, aber mit einem Herz aus Gold.

Wieso soll ich es trinken?
Ein Black IPA ist die perfekte Wahl für Abenteurer, Entdecker und alle, die eine neue Geschmackserfahrung suchen. Es ist optisch ein Stout oder Porter, geschmacklich aber ein IPA. Man erwartet Röstnoten, bekommt aber eine Explosion an tropischen Früchten, Zitrusnoten und harzigen Aromen.

Die Farbe ist meist ein undurchdringliches Schwarz, gekrönt von einer beigen oder bräunlichen Schaumkrone. Das Aroma ist klar hopfenbetont, oft mit Anklängen an Grapefruit, Mandarine, Pinie oder Mango. Im Geschmack kommen diese Hopfennoten voll zur Geltung, werden aber durch subtile Röstmalznuancen von Kaffee, Kakao oder dunkler Schokolade ergänzt. Die Bitterkeit ist prominent, aber gut eingebunden, und der Abgang ist trocken und erfrischend. Es ist ein Spiel der Kontraste, das süchtig machen kann.
Wer hat es erfunden?
Das Black IPA ist ein relativ junger Stil, der in den frühen 2000er-Jahren in der US-amerikanischen Craft-Beer-Szene aufkam, insbesondere im pazifischen Nordwesten (dort hiess es Cascadian Dark Ale). Brauer experimentierten mit der Idee, die intensiven Hopfenaromen eines IPAs mit der Optik und subtilen Röstnoten eines dunklen Bieres zu verbinden.
Ein erstes Black IPA gab es übrigens bereits in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Greg Noonan braute damals in New Hampshire und Vermont sein Blackwatch IPA – ein echter Pionier. Von 2010 bis ca. 2016 startete der Stil dann richtig durch, bevor er wieder etwas in Vergessenheit geriet.
Die Herausforderung beim Black IPA bestand darin, die dunkle Farbe zu erreichen, ohne dass die Röstbittere des Malzes die feinen Hopfenaromen überdeckt. Dies gelang durch den Einsatz spezieller dunkler Malze, die zwar Farbe, aber weniger Röstgeschmack abgeben. Das Ergebnis war ein stilistischer Brückenschlag, der das Beste aus zwei Welten vereint.

So geniesst Ihr es
Ein Black IPA entfaltet seine Aromen am besten bei einer leicht gekühlten Temperatur von 8 bis 12 Grad Celsius. Ein IPA-Glas oder ein Kelch sind ideal, um die vielschichtigen Düfte zur Nase zu leiten.
Kulinarisch ist dieses Bier ein Hans Dampf in allen Gassen. Die Hopfenaromen passen gut zu scharfen und würzigen Speisen wie Tacos, Burritos oder indischen Currys. Die Röstnoten wiederum harmonieren hervorragend mit gegrilltem Fleisch, saftigen Burgern oder sogar Schokoladendesserts. Es ist auch ein spannender Begleiter zu einer Käseplatte mit kräftigen Käsesorten.

Drei für den Anfang
Auch zum Black IPA haben wir für Euch drei spannende Bierempfehlungen, mit dabei ist ebenfalls ein Schweizer Vertreter der Gattung:
Black IPA – Brauerei Dr. Brauwolf
6 Volumenprozent. Erwartet eine schöne Balance aus dunklen Malznoten und kräftigen, zitrusartigen Hopfenaromen.

Illusion Session Black IPA – Brauerei Moor Beer Co.
4,5 Volumenprozent. Eine leichtere Variante, die beweist, dass man auch mit weniger Alkohol vollen Geschmack erreichen kann. Ideal für mehrere Gläser!

Novice Black Tripel – Brauerei Malheur
8,5 Volumenprozent. Eine mutige Interpretation. Hier trifft das Konzept des Black IPA auf die Stärke und Komplexität eines belgischen Tripels. Erwartet neben den dunklen Röst- und Hopfennoten auch typische belgische Hefearomen.

Alles hat ein Ende …
… nur der Bierkonsum nicht. Ich hoffe, ich konnte Euch mit dieser Serie die Vielfalt und den Wert des Gerstensafts etwas näherbringen. Nächste Woche werde ich noch mein persönliches Fazit ziehen, danach geht es wieder mit etwas ganz anderem als Bier weiter.











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