Eine Zutat, drei Vorschläge – Sloe Gin

In dieser Rubrik beschäftigen wir uns etwas genauer mit jeweils einer bestimmten (Cocktail-)Zutat und unterbreiten Euch dann drei Vorschläge, was man damit anstellen kann. Heute nehmen wir uns die Schlehen vor, die Früchte des Schlehdorns.

Schlehen wachsen praktisch überall und sind äusserst robust. Die stachligen Sträucher sind für uns Menschen nicht sehr einladend, um darin herumzutollen, doch sehen das zum Beispiel strauchbrütende Vögel wie der rare Neuntöter anders, der mitunter seine Beutetiere an den Dornen aufspiesst wie Vlad der Pfähler … Ja, wirklich … Sein anderer Name ist «Rotrückenwürger», was mich an das tabubrechende Japan-Drama, den Kultklassiker der 70er-Jahre «Im Reich der Sinne» erinnerte: «Willst Du mich… würgen?» Apropos: Das harte Holz des Schlehdorn wurde gemäss Wikipedia früher offenbar zur Herstellung von Peitschenstielen verwendet. Yeah Baby, peitsch mich und gib mir Tiernamen! Ok ok, zurück zu nüchterneren Fakten …

Historisch gesehen wurde im Laufe der Zeit allerlei mit der Pflanze angestellt. In der Jungsteinzeit wurden die Kernen als Schmuck verwendet und im Mittelalter stellte man mit der Pflanzenrinde – in Kombination mit Rotwein (sic!) – eine rotbräunliche Tinte her, die wasserfest und lichtecht war. In der frühen Neuzeit wurde dem Schlehdorn gar eine Schutzwirkung gegen Hexen zugeschrieben. In der Heilkunde wurden die Bestandteile fiebersenkend, entzündungshemmend, bei Blasen-, Nieren- und Magenproblemen eingesetzt.

Man kann nicht wirklich sagen, wann oder von wem der Sloe Gin erfunden wurde. Das Getränk entwickelte sich während der Zeit zur heute bekannten Machart. Im 19. Jahrhundert fand eine Vereinheitlichung (wie so oft: weniger Alkohol, mehr Zucker) und erst im 20. Jahrhundert ein Status zum Cocktail-Klassiker statt. Vergangenes Jahr lag der globale Absatzmarkt von Sloe Gin bei ungefähr 650 Millionen Franken. Bis 2033 soll sich dieser Wert ungefähr verdoppeln. Ich finde, dass das Produkt hier in Zürich schon einfacher im Handel auffindbar war, doch die Schweiz ist bei weitem nicht so ein Wachstumsmarkt wie beispielsweise die USA.

Die sauer-herben Früchte werden im Herbst, meistens nach dem ersten Frost geerntet und nach der Zubereitung und Lagerung des Likörs traditionell zur Weihnachtszeit genossen. Hier ein YouTube-Video zur Illustration, wie man den britisch geprägten Sloe Gin selbst herstellen kann:

Ganz ehrlich: Mir persönlich schmeckt purer Sloe Gin nicht wirklich, auch nicht on the rocks. Ist ja alles Geschmacksache. Doch in Cocktails geniesse ich den rötlichen Likör durchaus. Womit wir zu den drei Rezept-Vorschlägen kommen. Drinks wie der «Sloe Gin Fizz» oder «Sloe Royal» wären eigentlich No Brainer gewesen, aber man muss sich ja nicht immer am Mainstream orientieren …

Begonnen hat mein Sloe Gin-Abenteuer damit, dass ich einen Tagi-Artikel über die Zürcher «Bar Sacchi», einen dortigen Signature-Cocktail, der nach R&B-Sänger Frank Ocean benannt und über den Podcast der Kaulitz-Zwillinge bekannt wurde, gelesen hatte. Das hier ist noch einer der Frank Ocean-Songs, den ich nicht ganz so doll schlimm empfinde als seine meisten anderen, sorry, ist halt nicht mein Genre:

Frank Ocean

Bargründer Claudio Sacchi beschreibt das Rezept so:

2,5 cl Sloe Gin
2,5 cl Aperol
1 cl Campari
1 cl Zuckersirup
Zitronensäure (ca. 6 %)

Ich finde den Cocktail mit etwas weniger Zuckersirup gut. Bitter-sauer schmeckt mir gut, der Zuckersirup kann das bei einem Zuviel abflachen. Ich würde ca. 0,7 cl Zuckersirup empfehlen.

Charlie Chaplin

Aufmerksame Wermutwolf-Stammleser mit famosem Langzeitgedächtnis wissen, dass ich diesen Drink schon im Juni 2024 erwähnt hatte. Als Fan von Charlie und dem Cocktail hier also nochmals.

Zu gleichen Teilen Sloe Gin, Aprikosen-Brandy und Limettensaft mit Eis shaken und abseihen. Am besten zusammen mit dem Chaplin-Film «The Cure» geniessen, den ich im 2024-Artikel eingebettet hatte, in einer mittels KI kolorisierten Version.

Alabama Slammer

Diese Kreation ist ein Geschmacksnerven-Pleaser der Happy-Hour-Sorte. Am besten schon mal für den Sommerurlaub am Strand vormerken.

Zu gleichen Teilen Sloe Gin, Amaretto und Whisky in ein mit Eis gefülltes Highball-Glas geben, mit Orangensaft auffüllen, umrühren und geniessen.

Kein Artikel über Sloe Gin wäre vollständig, wenn man nicht diesen grossen Bluesrock-Song mit dem abartig-deprimierenden Text erwähnen würde: «Sloe Gin» von Tim Currey.

ChatGPT fand den richtigen Ton zum Song. Verzweiflung …

Hier jedoch in der berühmten Version vom grossartigen, vom einmaligen, vom saucoolen Joe Bonamassa! Cheers!

Autor

  • Wermutwolf Daniel Frey

    Ich habe Freude am Schreiben. Und am Trinken. Und am Schreiben, während ich trinke. Während des Vollmondes oder während des Trinkens verwandle ich mich in meine wölfische Urnatur.

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