Bier ist das vielseitigste Getränk. Im Gegensatz zu Wein oder Schnaps passt es zu jeder Küche und zu jedem Anlass. Ich stelle Euch ein Jahr lang jede Woche einen Bierstil vor. Ganze 52. Damit Ihr erkennt: Bier ist nicht spiessig. Bier ist nicht langweilig. Bier ist unendlich vielfältig. Ein Weissbier – aber kein typisch deutsches Weissbier – ist das Witbier aus Belgien. Denn hier spielen Gewürze eine grosse Rolle.
Zum ersten Mal seit Messbeginn haben die Schweizer 2023/2024 weniger als 50 Liter Bier pro Kopf und Jahr getrunken – obwohl wir uns über so viele Brauereien und Vielfalt wie noch nie freuen dürfen.
Dem halten wir entgegen: Jede Woche lernt Ihr einen neuen Bierstil kennen – ein ganzes Jahr lang; inklusive drei Empfehlungen, die Ihr im Supermarkt oder Online kaufen könnt. Drei schnucklige Bier pro Woche machen Euch nicht zum Trinker, aber sie heben Euch über den traurigen Durchschnitt. Und Ihr werdet erkennen: Die Welt des Bieres ist eine Welt des Geschmacks. Der Gerstensaft hat es verdient, dass er weiterhin getrunken, genossen und geschätzt wird.
Mögt Ihr Weizenbiere? Dann solltet Ihr unbedingt einmal ein Witbier (auch Blanche genannt) verkosten. Dieses ursprünglich belgische Bier ist nicht an die Fesseln des deutschen Reinheitsgebotes gebunden. Deshalb darf es Gewürze enthalten. Das gibt ihm den besonderen Kick. Hinzu kommt eine Frische und Spritzigkeit, die es zum perfekten Sommerbier machen.

Wieso soll ich es trinken?
Die Belgier können einfach Bier. Das Witbier ist ein weiterer Beweis. Das deutsche Weizenbier ist ein Genuss, doch das Witbier setzt eine Schippe drauf. Denn die Belgier lieben es, zu experimentieren. Darum stecken im Witbier nicht nur Weizen, Gerste, Wasser, Hefe und Hopfen, sondern teils Hafer für mehr Cremigkeit und auch Gewürze. Typisch sind Koriandersamen und Bitterorangenschalen (meist aus Curaçao). Hinzu kommt: Im belgischen Witbier tummelt sich ungemälzter Weizen. Das alles verleiht dem Witbier einen würzig, fruchtigen Weizengeschmack. Da es zudem in der Flasche nachgegärt wird, hat es viel Kohlensäure, schöne Hefenoten und eine trübe Färbung. Der Hopfen spielt nur eine Nebenrolle. Auch das Gerstenmalz schmeckt man nur dezent. Der Alkoholgehalt ist moderat; er liegt zwischen 4 und 5,6 Volumenprozent. Der Sommer kann kommen.
Im Witbier stecken übrigens dieselben Orangen wie im bekannten blauen Curaçao-Likör
Wer hat es erfunden?
Ich habe es schon verraten. Das Witbier stammt ursprünglich aus Belgien. Es war eigentlich eine Notlösung: Zwischen 1620 und 1640 hatten die Belgier zu viel Weizen. Deshalb brauten sie ihre Biere mit einer grösseren Menge Weizen und vernachlässigten den Hopfen. Das Witbier war geboren. Die Idee, Biere mit Gewürzen zu versetzen, übernahmen die Belgier von ihren niederländischen Nachbarn.

Dass das Witbier auch heute noch unsere Gaumen erfreut, verdanken wir lustigerweise einem Milchmann. In den 1950er-Jahren schloss die letzte Witbierbrauerei in Belgien ihre Pforten. Im Jahr 1966 gründete jedoch glücklicherweise der Milchmann Pièrre Celis in der Gemeinde Hoegaarden eine eigene Brauerei. Unter dem Namen Hoegaarden braute er ein traditionelles Witbier nach.

Heute erlebt das Witbier dank der Craftbier-Szene ein Revival und wird in allen Herren Ländern gebraut. Es wird mit verschiedensten Gewürzen experimentiert; der Alkoholgehalt kann schon mal über 10 Volumenprozent liegen … wir leben in einer spannenden Bierzeit.
So geniesst Ihr es
Witbiere sind keine Lagerbiere. Sie schmecken am besten frisch und gut gekühlt. Um die 7 Grad Celsius sind ideal – also ab in den Kühlschrank. Damit Geschmack und Kohlensäure gut zur Geltung kommen, solltet Ihr es aus einem Glas trinken. Typische Witbier-Gläser sehen wie normale Trinkgläser aus. Es ist der Inhalt, der zählt.

Ein Witbier eignet sich perfekt zum Mittagessen. Es passt zu vielen Speisen wie Salaten, Fisch, Sushi, Käse, Eier, Schinken, Poulet, Meeresfrüchten und Pommes Frites. Auch mit leichten, fruchtigen Desserts fühlt es sich wohl.
Drei für den Anfang
Bei meinen Empfehlungen halte ich mich, wenn immer möglich, an Schweizer Biere. Denn unsere hiesigen Brauereien zaubern hervorragenden Gerstensaft.
Vrenelisgärtli – Brauerei Adler
4,7 Volumenprozent. Koriander und Curaçao-Orangenschalen geben die typische fruchtige Würze. Hinzu kommt etwas Hafer für mehr Cremigkeit. Ein sommerlicher Gaumenkitzler.

La Salamandre – Brauerei BFM
5,5 Volumenprozent. Würzig, fruchtig, mit leichten Hefenoten. Ein perfektes Witbier.

Pilgrim Bière d`Abbaye Triple – Brauerei Kloster Fischingen
10 Volumenprozent. Etwas ganz besonderes dank hohen 10 Volumenprozent. Vollmundig, fruchtig, spritzig und auch etwas bitter. Zum Geniessen.












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