Bier ist das vielseitigste Getränk. Im Gegensatz zu Wein oder Schnaps passt es zu jeder Küche und zu jedem Anlass. Ich stelle Euch ein Jahr lang jede Woche einen Bierstil vor. Ganze 52. Damit Ihr erkennt: Bier ist nicht spiessig. Bier ist nicht langweilig. Bier ist unendlich vielfältig. Wer einen entdeckungsfreudigen Gaumen hat, wird an Gewürzbieren seine ganz besondere Freude haben.
Zum ersten Mal seit Messbeginn haben die Schweizer 2023/2024 weniger als 50 Liter Bier pro Kopf und Jahr getrunken – obwohl wir uns über so viele Brauereien und Vielfalt wie noch nie freuen dürfen.
Dem halten wir entgegen: Jede Woche lernt Ihr einen neuen Bierstil kennen – ein ganzes Jahr lang; inklusive drei Empfehlungen, die Ihr im Supermarkt oder Online kaufen könnt. Drei schnucklige Bier pro Woche machen Euch nicht zum Trinker, aber sie heben Euch über den traurigen Durchschnitt. Und Ihr werdet erkennen: Die Welt des Bieres ist eine Welt des Geschmacks. Der Gerstensaft hat es verdient, dass er weiterhin getrunken, genossen und geschätzt wird.
Entdeckt mit uns in diesem Artikel die Welt der Gewürzbiere – ein Spielplatz für Alchemisten. Hier können sich die Brauer ausleben und ihre Zaubertränke mit Zutaten aller Art verfeinern. Wer offen für Neues ist, wird sich wie Christoph Kolumbus fühlen …

Wieso soll ich es trinken?
Wenn Ihr neue Geschmackswelten erforschen wollt, sind Gewürzbiere ein perfektes Tummelfeld: Ob bitter, süss, würzig oder blumig – die Bandbreite an Aromen und Geschmacksrichtungen ist bei Gewürzbieren unendlich. Denn es gibt nicht das EINE, sondern der Experimentierfreudigkeit und Fantasie der Brauer sind keine Grenzen gesetzt.

Ich hatte kürzlich ein Basilikumbier verkostet. Da musste sogar mein neugieriger Gaumen Forfait geben. Ich mag Basilikum definitiv lieber im Tomatensalat als im Bier.

Wer hat es erfunden?
Gewürzbiere gibt es seit der Erfindung des Gerstensafts. Denn schon seit den Anfangstagen des wunderbaren Getränks haben die Brauerinnen und Brauer ihre Biere mit verschiedensten Gewürzen verfeinert. Einerseits sollten diese die Getränke schmackhafter machen, andererseits gab man bestimmte Zutaten auch aus medizinischen oder berauschenden Gründen hinzu. Klar: Bier berauscht dank des Alkohols schon per se, aber mit etwas Bilsenkraut oder Fliegenpilz wird der Trip ein ganz anderer. Und wir wissen aus alten Rezepten und Quellen, dass früher solche Stoffe ihren Weg ins Bier fanden.

Kräuterbiere werden auch als Grut-Biere bezeichnet. Grut ist eine variable Kräutermischung, die mit oder ohne Hopfen zum Würzen von Bier verwendet wird. Der Begriff tauchte bereits im Jahr 946 in ersten Quellen auf. Zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert wurde das Grut-Bier allmählich durch das reine Hopfenbier verdrängt. Ob das zur Drogenbekämpfung oder aus finanziellen Gründen geschah, ist umstritten.
Einige Historiker glauben, dass das Deutsche Reinheitsgebot, das massgeblich für den Untergang des Grut-Bieres verantwortlich ist, aus gesundheitlichen Gründen erlassen wurde. Andererseits weiss man, dass Protestanten und Katholiken in früheren Zeiten nicht besonders gut miteinander auskamen. Deshalb wollte man mit dem Reinheitsgebot im Reformationszeitalter den katholischen Geistlichen und Fürsten eine wichtige Einnahmequelle kappen. Diese hatten mit dem Grut-Recht eine Art Biersteuer inne: Nur sie konnten den Handel und die Produktion von Grut verpachten.

Glücklicherweise sind die Gewürzbiere mit dem Aufkommen der Craft-Brauer wieder salonfähig geworden – auch ausserhalb des Bierparadieses Belgien, wo sie nie ein Nischendasein fristen mussten.
So geniesst Ihr es
Ein Kräuterbier liebt es eher kalt. Trinkt es am besten kühlschrankgelagert. Um die Aromen optimal auszukosten, empfehle ich ein Glas. Ein Bierkelch oder Becher sind ideal. Kräuterbiere vertragen sich je nach Zutaten mit verschiedensten Speisen. Hier haltet Ihr Euch am besten an die Empfehlungen des Brauers. Diese geben meist an, wozu Ihr Bier passt.
Drei für den Anfang
Bei meinen Empfehlungen halte ich mich vorwiegend an Schweizer Biere. Denn unsere hiesigen Brauereien zaubern hervorragenden Gerstensaft.
Maousse Tonka – Brauereil’Apaisée
9,2 Volumenprozent. Ein Imperial Stout, das mit Tonkabohnen und schwarzen Johannisbeeren aufgebohrt wurde. Süss, fruchtig, schokoladig. Ein Dessert im Glas.

Pilgrim Waldbier– Brauerei Kloster Fischingen
5 Volumenprozent. Verfeinert mit Fichtensprossen, Eisenkraut und einer Geheimzutat. Ein leckeres Blond Ale mit dezenten Waldaromen. Erfrischend wie ein Waldspaziergang.

Salty Gringo – Brauerei Barfuss
5,1 Volumenprozent. Helles Bier, mit Salz und Limetten gewürzt. Leicht und frisch – perfekt für den Sommer und den Strand. Ist leider nur noch begrenzt erhältlich, zum Beispiel unter dem angegebenen Link.












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