Kenner wissen: «Angel’s Share» ist der Anteil am Destillat, welcher aus den Fässern in die Luft entweicht, verdunstet, und der «Devil’s Cut» ist der Anteil, welcher sich im Holz der Fässer verkriecht. Jim Beam sagt, dass sie Letzteres mit einem mehr oder weniger geheimen Verfahren wieder aus den Fässern extrahieren können. Das wird dann mit sechs Jahre altem Whiskey vermischt. Klingt vielversprechend? Ja, aber ist es dann eben doch nicht …
Damit es nicht nur ein grosses Heulkonzert ist, habe ich für euch eine 10-Songs-Playlist zusammengestellt mit Songs, die ausschliesslich «Devil’s Cut» heissen. I hope you like it:
Ich weiss, ich weiss, ich komme da wie die alte Fasnacht mit dieser Geschichte um die Ecke – so ungefähr 13 Jahre zu spät. Aber was soll ich sagen, ich war bisher kein Jim-Beam-Kunde, ich kannte deren Produkte nicht. Was ich hingegen schon kannte, wie alle Menschen in meinem Alter, ist der legendäre TV-Spot, in dem ein Typ in eine Bar kommt, Jim Beam bestellt, am Glas schnüffelt und sagt: «Das ist kein Jim Beam», worauf er das Glas auf dem Tresen ausleert, mit einem Maximum an Coolness, was natürlich auch dem Girl nebenan positiv auffällt:
Nun, nachdem ich jetzt zwei ihrer Produkte kenne, den normalen Jim-Beam-Standard-Bourbon sowie den Devil’s Cut, denke ich mir: Was plustert sich der Typ aus der Werbung so auf? Er will also nicht diesen Fusel, sondern jenen Fusel? Hat denn der falsche Jim Beam nach einem feinen, ausgewogenen Bourbon gerochen? Und so was will man sich ja auf keinen Fall hinter die Binde kippen … Okay, das ist jetzt vielleicht etwas hart ausgedrückt, die Experten schwurbeln beim Teufelsschnitt von Karamell, Vanille, Nuss, Zimt, Schokolade, Eiche und so weiter. Doch dieser Kenner hier spricht mir aus dem Herzen, es schmeckt einfach nach Ethanol:
Natürlich vergleiche ich ihn nur mit anderen Bourbons aus der gleichen Preisklasse, und Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, doch ein Four Roses oder vor allem ein Wild Turkey 101 schmecken mir unendlich viel besser. Und apropos Preisklasse: Beim Devil’s Cut sprechen viele in Amerika oder Deutschland von 20 Dollars oder 20 Euros. Hierzulande zahlen wir um die 36 Schweizer Franken, sprich wiedermal fast doppelt so viel …

Das «geheime Verfahren» um den Fassanteil zurückzuholen, hat etwas mit Wasser, Hitze und einer Apparatur zu tun, ist aber letztlich doch eine ziemlich profane Sache, wie der deutschsprachige Experte aus obigem YouTube-Video ausführt. Zu aufwendig darf es kostenmässig auch nicht sein, denn sonst würde man die grosse Masse an Käufern verlieren, die in diesem Preissegment zu Hause sind. Letztlich ist das alles also einfach wieder eine Marketingblase.
Der Benzinersatz kommt mit 90 Proof, also 45 Alkoholprozent-Umdrehungen daher. Und ich fand keine einzige Verkostung in den einschlägigen Whiskey-Plattformen, welche Anklang gefunden hätte.

Nun gut, da ich kein Alkohol das Klo herunterspüle, bleibt noch die Verwendung in Cocktails. Und der Rezensent von The Whiskey Jug, welcher auch klar konstatiert, dass er dieses Produkt nicht wieder kaufen wird, meint, dass man damit wenigstens einen anständigen Manhatten mixen könne. Gesagt, getan, und ja wirklich, aus dem hässlichen Entlein ist eine ansehliche Drink-Kreatur entstanden.

Als Old-Fashioned-Fan musste ich auch diesen Cocktail ausprobieren, doch hierfür fand ich den teuflischen Kentucky Straight Bourbon nicht gut genug. Beim Manhatten ist es der Tanz mit dem Wermut, welcher funktioniert, doch im Old Fashioned ist Whiskey das einzige Lebenswasser, daher …
Fazit: Einmal mehr sei festgehalten, dass Marketingphrasen alleine halt einfach kein gutes Produkt ergeben.











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