Trinkgeschichten – Der Tod eines Gladiators

Er starb wie ein Gladiator: im Kampf. Im Trinkwettbewerb mit englischen Marineoffizieren beim Dreh des Films «Gladiator». Der englische Schauspieler Oliver Reed war eine Legende. Nicht nur auf der Leinwand, sondern auch im Pub.

«Gladiator II» läuft derzeit in den Kinos. Zeit, einem echten Wermutwolf Respekt zu zollen: Oliver Reed mimte im ersten Teil Antonius Proximo, Besitzer der Gladiatorenschule, die Maximus Decimus Meridius (Russel Crowe) ausbildete.

Oliver Reed als Antonius Proximo in «Gladiator» aus dem Jahre 2000
Oliver Reed als Antonius Proximo in «Gladiator» aus dem Jahr 2000

Oliver Reed war ein echter Gladiator; nie einem Kampf abgeneigt – vor allem, wenn es ums Trinken ging. Er starb, wie er lebte: Obwohl der Schauspieler dem Regisseur Ridley Scott versprochen hatte, keinen Tropfen Alkohol während des Filmdrehs anzurühren, zog es ihn am 2. Mai 1999, an seinem freien Sonntag, in den Pub. Schliesslich waren die Dreharbeiten fast zu Ende und ein paar Pints Bier haben noch niemandem geschadet.

Das Pub in Malta, in dem Oliver Reed seine letzten Stunden verbrachte. Quelle: Google Maps
Das Pub in Malta, in dem Oliver Reed seine letzten Stunden verbrachte. Quelle: Google Maps

Nach lächerlichen acht Pints wollte sich Oliver Reed auf den Weg ins Hotel machen. Da hörte er die fatalen Worte: «Sollen wir eins trinken, Ollie?». Britische Marineoffiziere haben den Schauspieler bei ihrem Landgang erkannt und wussten um seinen legendären Durst. Nun gab es für Oliver Reed kein Halten mehr. Beim Armdrücken und Palavern mit seinen Landsleuten kippte der Brite ein Dutzend doppelte Rum und eine Flasche Whisky. Der 61-Jährige gewann sogar einige Matches, gab Autogramme und fühlte sich in seinem Element. Nachdem er sich von seinen Trinkkumpanen verabschiedet hatte, forderte der Exzess allerdings seinen Zoll. Oliver Reed kollabierte und starb an einem Herzinfarkt.

Oliver Reed im Jahr 1968. Quelle: Jack de Nijs für Anefo - [1] Dutch National Archives, The Hague, Fotocollectie Algemeen Nederlands Persbureau (ANeFo), 1945-1989, Nummer toegang 2.24.01.05 Bestanddeelnummer 921-9531, CC BY-SA 3.0 nl, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27423662
Oliver Reed im Jahr 1968. Quelle: Jack de Nijs für Anefo – [1] Dutch National Archives, The Hague, Fotocollectie Algemeen Nederlands Persbureau (ANeFo), 1945-1989, Nummer toegang 2.24.01.05 Bestanddeelnummer 921-9531, CC BY-SA 3.0 nl, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27423662

Einige Szenen mit Antonius Proximo waren allerdings nicht gedreht. Ridley Scott liess deshalb dessen Rolle umschreiben. Ursprünglich war der Tod des Proximo nicht geplant. Mittels digitaler Effekte wurde Reed für die fehlenden Szenen «wiederbelebt».

Oliver Reed war einer der wenigen Menschen, die es wohl mit André the Giant beim Trinken hätten aufnehmen können. Es kursieren zahlreiche Anekdoten über den Durst des Briten. So sollen er und sein Schauspielpartner Alan Bates vor der berüchtigten Ringerszene im Film «Liebende Frauen» je eine Flasche Wodka geköpft haben, um Ihre Hemmungen zu verlieren: Sie mussten die Szene «Füdliblutt» drehen.

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Danach hatte Reed keine Hemmungen mehr. Er liess sich einen Adlerflügel auf sein Gemächt tätowieren und liess keine Gelegenheit aus, die Zeichnung wildfremden Menschen zu präsentieren. Während eines seiner sagenhaften Trinkgelage soll er innerhalb von 24 Stunden unglaubliche 100 Pints Bier gezischt haben. Das sind sage und schreibe 57 Liter! Danach machte er noch einen horizontalen Handstand auf dem Tresen.

Schliessen wir mit den Worten eines wahren Gladiators. So soll Oliver Reed einmal gesagt haben: «Ich habe kein Alkoholproblem. Aber wenn das der Fall wäre und die Ärzte mir sagen würden, dass ich aufhören muss, wäre ich wohl mutig genug, mich ins Grab zu trinken.»

Autor

  • Wermutwolf Sascha Zäch

    In jedem steckt ein Wermutwolf. Mit ihm entdecke ich neue Geschmacks- und Geisteswelten. Ausserdem habe ich eine alchemistische Ader und stelle gerne eigene Zaubertränke her.

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