Whisky-Trinker sind oft elitär: Sie unterscheiden zwischen Einsteiger- und Fortgeschrittenen-Whiskys. Erst, wer die Wanderjahre hinter sich hat, findet zu den wahren Perlen und kann diese schätzen. Dazu sage ich: Bockmist, Humbug, Mumpitz, Nonsens, Quatsch mit Sosse …
Würdet Ihr Käse in Einsteiger- und Fortgeschrittenen-Käse einteilen? Ach, Du isst gerne Cheddar? Dieser milde Kinderkäse ist doch nur für Anfänger. Erst wenn Du Schabziger oder Blauschimmelkäse runterbringst, bist Du ein wahrer Kenner!

Oder bei Süssgetränken: Das süsse Fanta ist für Beginner, wahre Profis trinken Bitter Lemon!

Niemand kommt auf die hirnrissige Idee, Lebensmittel in Kategorien wie «Einsteiger» und «Fortgeschrittene» einzuteilen … ausser die Whisky-Szene. Was (vergleichsweise) preiswert, sehr schmackhaft und angenehm trinkbar ist und nicht die Komplexität eines Jazzsongs hat, wird als «Anfängerwhisky» bezeichnet. Dazu zählen etwa die günstigeren Lebenswasser von Balvenie, Dalwhinnie und Glenfiddich sowie ein Grossteil der Bourbons und irischen Whiskys. Das Absurde: Viele selbst ernannte Whisky-Profis haben genau mit diesen Spirituosen zu ihrer Leidenschaft gefunden, bezeichnen sie aber nun als zu simpel, zu geschmackslos und nicht eines Experten würdig.

Ich kann diese Argumentation nicht verstehen. Was gut ist, bleibt gut – auch wenn die eigene Geschmacksreise weitergeht. Vielleicht hat man eines Tages genug von simpleren Whiskys und möchte die komplexeren und/oder rauchigeren Exemplare erkunden. Denn der Mensch ist ein Entdecker, ein Suchender; er hat den steten Drang, etwas Besseres finden.
Auch ich gehe regelmässig auf die Pirsch, um neue Whiskys zu entdecken. Dennoch habe ich «Anfänger»-Exemplare in meinem Schrank stehen: Bei diesen weiss ich, was ich bekomme und schenke sie immer wieder gerne ein. Wie beim Essen, bei Filmen oder beim Musikhören möchte ich nicht immer eine Herausforderung: Manchmal bin ich zufrieden mit einer feinen Bratwurst, einem Actionstreifen von Schwarzenegger oder einem Popsong von Madonna. Und manchmal höre ich mir gerne eine Oper an, koche asiatisch und schaue einen französischen Arthouse-Streifen.

Bei mir entscheidet die Stimmung, Lust – ja, sogar die Tageszeit, Jahreszeit oder Temperatur, welchen Whisky ich gerade trinken möchte. Wer noch nie Whisky getrunken hat, muss nicht unbedingt mit einem lieblichen, samtenen 15-jährigen Dalwhinnie starten. Vielleicht gibt ihm ein stark rauchiger Ardbeg oder Lagavulin mehr. Ich begann meine Whisky-Reise mit den getorften Exemplaren und bevorzuge momentan die rauchfreien Exemplare.
Keiner soll mich herabwürdigen und als «Anfänger» oder «Einsteiger» bezeichnen, nur weil ich im Sommer Freude an einem «Wild Turkey 101» auf Eis habe oder mir nach einem strengen Tag einen gaumenschmeichelnden zwölfjährigen Glenfiddich einschenke.
Darum meine Bitte an die Whisky-Szene: Hört auf, von «Einsteigern» und «Anfängern» zu schwatzen. Gut ist, was Dir schmeckt! Geschmack ist etwas Individuelles. Teilt Whiskys von mir aus in «lieblich», «schwer», «einfach», «komplex» etc. ein – wie man es auch beim Wein macht –, aber heftet Whisky-Trinkern nicht ein wertendes Etikett an.










