Der Wermutwolf geht auf die Jagd nach seltenen, wertvollen und verschollen geglaubten Alkoholika. Mögt Ihr Wein? So richtig alten Wein? Dann lohnt sich ein Besuch im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Dort ist der älteste flüssig erhaltene Wein ausgestellt. Er schlummert seit unglaublichen 1699 Jahren in einer Flasche …
Die alten Römer liebten ihren Wein; er war ein Geschenk der Götter. Dem können wir nur zustimmen. Kein Wunder, wollten Sie den köstlichen, vergärten Traubensaft nicht nur auf Erden geniessen, sondern auch im Orkus, der jenseitigen Welt.
«Ich streue Blumen und fange schon an zu trinken, und wer mich deshalb für unklug hält – nun gut, ich werde es wohl zu tragen wissen. Der Wein hat schon viele Wunder vollbracht: Er öffnet, was verschlossen ist, und spendet Verzweifelten Hoffnung, Zaghafte führt er zum Kampf, den Niedergedrückten nimmt er die Last von der Seele und lehrt uns neue Wege zur Kunst. Die fruchtbaren Becher – wem lassen sie nicht die Worte leicht von den Lippen perlen, und wen, selbst wenn er arm ist, erlösen sie nicht, und sei es auch nur auf kurze Frist?»
Horaz (65–8 v. Chr.)
So gab man den Toten gerne Speis und Trank mit. Und aus einem römischen Grab stammt auch der Römerwein von Speyer. Er wurde 1867 bei der Anlage eines Weinberghäuschens im Südwesten der Stadt Speyer entdeckt. Dort fanden die Bauarbeiter zwei römische Gräber – ein Frauen- und ein Männergrab. Im Frauengrab lagen sechs, im Männergrab zehn Glasgefässe. Mit Ausnahme der Flasche mit dem Römerwein waren alle leer. Datiert werden die Gräber auf das Jahr 325 oder 350 nach Christus.

Die Glasflasche fasst 1,5 Liter und hat zwei Henkel in Delfinform. Analysen aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts ergaben, dass es sich bei einem Teil der erhaltenen Flüssigkeit um Wein gehandelt haben muss. Obwohl ohne Korkverschluss, ist die Flüssigkeit nicht verdunstet. Die Römer hatten andere Methoden, um ihren wertvollen Wein für die Reise in die nächste Welt zu konservieren. Oberhalb der klaren Flüssigkeit befindet sich eine ölige, harzige Schicht. Der Wein wurde zusammen mit Gewürzen in die Glasflasche gegeben, darüber wurde eine grössere Menge Olivenöl gegossen. So konnte kein Sauerstoff an den Wein kommen.

Wie und ob der Wein noch schmeckt, wissen wir nicht. Niemand getraut sich heute mehr, die Flüssigkeit zu analysieren, geschweige denn zu probieren … aus Angst, der Sauerstoff könnte damit nachteilig reagieren. In früheren Zeiten war man da wenig zimperlich. Laut dem Weinhistoriker Friedrich von Bassermann-Jordan wurden 1808 in Ruppertsberg und 1838 in Grosskarlbach ähnliche Flaschen in Steinsärgen gefunden; die Arbeiter hätten den Inhalt gleich an der Fundstelle ausgetrunken … was für Wermutwölfe!











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