Auch im tiefsten Winter gibt es in unseren Breitengraden vitaminreiche, süsse Früchte: die Hagebutte. Zwar schmeckt sie auch roh, doch ist es mühsam, an ihr schmackhaftes Inneres zu kommen. Einfacher lassen sich die gesunden Inhaltsstoffe und feinen Aromen als Wein geniessen.
Viele Rosenarten tragen im Winter orange-rote Früchte. Sie werden Hagebutten genannt und sind reich an Vitamin C, Vitamin A, B1 und B2. Besonders süss schmecken sie nach dem ersten Frost.

Hagebutten können bis ins Frühjahr geerntet werden. Allerdings haben sie einen Haken – wortwörtlich: Im Innern stecken Nüsschen mit winzigen, fiesen Härchen; diese haben Widerhaken. Die borstigen Gesellen müssen entfernt werden, sonst reizen sie den Hals. Vielleicht habt ihr als Kinder die Hagebutten auch gerne zerdrückt und das Innere als Juckpulver verwendet …
Den Aufwand könnt Ihr Euch sparen, wenn Ihr aus Hagebutten einen Wein zaubert. Dann müsst Ihr die Hagebutten weder entkernen noch einkochen und passieren wie bei der Konfitürenherstellung (obwohl Letzteres auch sehr lecker ist). Für zwei Liter Wein benötigt Ihr ca. 1 Kilogramm der leuchtend-roten Früchte. Unser Rezept ist ganz simpel und stammt aus dem Buch «Ansatzschnäpse: Liköre & Kräuterweine» von Walter Gaigg. Ihr braucht:
- 1 Teil Früchte
- 1 Teil Zucker
- 2 Teile Wasser
- Reinzuchthefe
- 1 Gärgefäss

Sammelt die reifen Hagebutten von einem Rosenstrauch, der sicher nicht mit Pestiziden gespritzt ist. Erntet zudem nicht an dicht befahrenen Strassen. Wascht die Hagebutten und schneidet danach Fruchtstiele sowie Blütenreste ab.

Kocht den Zucker mit dem Wasser auf, bis er sich aufgelöst hat. Lasst die Flüssigkeit auf 25 Grad Celsius abkühlen. Gebt die Hagebutten in das Gärgefäss. Dieses bekommt Ihr zum Beispiel bei Galaxus oder im «Brau- und Rauchshop». Dort gibt es auch Reinzuchthefe. Ich empfehle eine Trockenhefe für Wein wie «Vinoferm KY».

Giesst das Zuckerwasser über die Hagebutten. Gebt die Hefe nach Packungsanleitung hinzu. Verschliesst das Gärgefäss mit Stöpsel und Gärspund und lasst die Mikroben toben. Am wohlsten fühlen sich diese bei ca. 20 Grad. Der Gärspund dient dazu, dass das Kohlendioxid entweichen kann und kein Sauerstoff ins Gefäss kommt; denn Hefe wandelt Zucker in Alkohol und CO₂ um. Kommt kein Sauerstoff dazu, wird verhindert, dass sich andere, unerwünschte Mikroorganismen wie Essigbakterien in Eurem Wein breit machen.

Und so sieht es aus, wenn die Hefen am Werk sind:
Nun ist Geduld gefragt. Die Gärung kann gut und gerne zehn Wochen dauern. Sie ist beendet, wenn sich der Gärspund nicht mehr bewegt und die Hefe sich am Boden abgesetzt haben. Wartet dann nochmals ca. 2 Wochen. Füllt den Wein durch ein feines Sieb in Flaschen ab. Achtet darauf, dass die abgestorbene Hefe am Boden des Gärgefässes nicht mitkommt. Hilfreich ist dabei ein Weinheber. Mit diesem saugt Ihr den Wein ab, ohne dass die Hefe in den Flaschen landet.

Benutzt Flaschen mit Korkverschluss. Nehmt gebrauchte Weinflaschen, die Ihr mit kochendem Wasser gut ausgespült habt. Verschliessen könnt Ihr diese am einfachsten und schnellsten mit einem Verkorker. Verwendet alte, noch gute Weinkorken; alternativ könnt Ihr Korken auch kaufen.

Lagert Euren Wein liegend im Keller. Jetzt ist Geduld gefragt: Walter Gaigg empfiehlt eine Lagerung von mindestens zwei Jahren. In diesem Zeitraum entwickle der Hagebuttenwein seinen besten Geschmack.











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