Mein Vermieter unterhält einen äusserst netten Laden, mit einem noch tolleren Food/Drinks-Abteil. Als ich dort kürzlich wieder einmal einkaufen ging, fiel mir diese schicke Flasche mit dem auffallenden grünen Inhalt ins Auge. Ein Schweizer Kräuterlikör, von dem ich noch nie gehört hatte. Da griff ich natürlich zu!
Zurück im trauten Heim probierte ich das Aperitifgetränk zeitnah und war begeistert. Der Marito ist nicht so komplex wie ein Chartreuse, sondern gradlinig erfrischend, und doch mit Charakter. Vor allem die Version mit Soda und Zitrone gefiel mir ausserordentlich gut. Auch Marito-Tonic ist sehr lecker!

Dominik Babst, Head of Swiss Spirit & Premium Brands und Management Board Member bei der DIWISA AG, war so freundlich und beantwortete meine Fragen:
Wermutwolf (WMW): Marito ist ja italienisch für Ehemann. Wie entstand der Name?
Dominik Babst (DB): Der Markenname wurde von einer weiblich besetzten Agentur kreiert. Wir fanden ihn passend, da er harmonisch klingt, in verschiedenen Sprachen gut ausgesprochen werden kann. Und natürlich auch etwas den Wortwitz: heute nehme ich mir mal einen «Marito».
WMW: Seit wann gibt es den Marito?
DB: Wir gingen Mitte 2017 mit Marito Verde auf den Markt.

WMW: Wie viele Kräuter sind total darin enthalten?
DB: Die genaue Anzahl der verwendeten Kräuter bleibt unser Geheimnis – sie sind das Herzstück der Rezeptur. Was wir verraten können: Ein Teil der Kräuter verwenden wir im Destillat, aus einem anderen Teil machen wir ein Mazerat. Wir verwenden unter anderem Zitronenmelisse für die Frische und z.B. Enzian sowie Schafgarbe für die herben, bitteren Komponenten im Marito.
WMW: Meine kürzlich erworbene Flasche kommt mit 27 Umdrehungen. Auf Eurer Shop-Seite drinkdirect.ch und auch auf der offiziellen marito.lu-Seite scheinen aber 22 % vermerkt zu sein. Erwischte ich eine alte Flasche? Wurde der Alkoholgehalt dem Zeitgeist gemäss gesenkt? Oder existieren gar verschiedene Versionen?
DB: Ja, gute Beobachtung! Marito wurde früher mit einem Alkoholgehalt von 27 % abgefüllt. Im Zuge der Neupositionierung und dem wachsenden Trend zu leichteren Aperitifs haben wir den Alkoholgehalt auf 22 % reduziert – für einen zeitgemässeren und frischeren Genuss. Auch, weil wir gewisse Anfragen aus dem Ausland für etwas weniger % Vol. bekommen haben. Es kann also gut sein, dass Du noch eine Flasche aus einer früheren Abfüllung erwischt hast.

Aktuell machen wir in Deutschland einen Test mit 11 % Vol. Dies weil damit das Produkt perfekt als Spritz (2 Teile Marito 11 %, 3 Teile Prosecco, 1 Teil Soda) zubereitet werden kann. Auch wenn man für den Drink nicht so genau abmisst, schmeckt er dennoch sehr gut.
WMW: Ich kann mich nicht erinnern, den Marito je in einem Geschäft gesehen zu haben. Wie wird das Produkt bezüglich Einzelhandel vertrieben? Irgendwo hatte ich gelesen, dass es früher im Coop zu haben gewesen sei, weiss aber nicht, ob das stimmt, und falls ja, weshalb das nun nicht mehr der Fall ist.
DB: Marito war tatsächlich früher bei ausgewählten Händlern wie Coop erhältlich. Dort fand Marito als neulanciertes Produkt nicht den nötigen Absatz, um im Regal bleiben zu können. Aktuell fokussieren wir uns gezielt auf die Distribution via Gastronomie, sowie über spezielle Events und Tastings. Dadurch können wir das Produkt authentisch erlebbar machen – statt es nur ins Regal zu stellen.

WMW: Kannst Du ausführen, was das für Events, Tastings sind? Meinst Du eigene Events oder über Paul Ullrich oder ähnliche Firmen? Ich persönlich bin etwas erschrocken, als wir mit dem Wermutwolf vor zwei Jahren begannen und alle diese Einschränkungen bei der erlaubten Werbung sahen. Es scheint mir insofern nicht ganz einfach zu sein, ein solches Produkt hierzulande adäquat bewerben zu können. Wie handhabt Ihr diese Gratwanderung? Wie viel und welche Art von Werbung steckt Ihr rein? Denn eben, es wäre schade, wenn die Leute da draussen von diesem tollen Produkt zu wenig erfahren würden … Wir selbst leisten zwar unseren kleinen, bescheidenen Teil, doch das ist natürlich von überschaubarem Effekt.
DB: Die Bewerbung muss ausschliesslich nach den Richtlinien des BAZG passieren. Sprich keine emotionale Werbung, etc. Das reduziert natürlich die Möglichkeiten im Print (Magazinen, Billboards) aber auch online. Darum ist es so wichtig, Gastronomen als Fans zu begeistern, die dann das Produkt an die Endkonsumenten bringen. In der Gastronomie können wir mit Tischstellern oder so werben. Klar, auch Plakatkampagnen sind möglich, aber nur mit der Flasche und dem Drink. Und wenn das Produkt keiner kennt, ergeben die Kosten auch wenig Sinn. Darum investieren wir in die Gastronomen und Promotionsevents direkt bei den Gastronomen.

WMW: Sehe ich es richtig, dass die Spritz-Variante erst in DE verfügbar ist, aber noch nicht in der Schweiz?
DB: Ja, Marito Spritz als RTD (ready to drink, fertig gemischt in der Dose abgefüllt – Anm. d. Autors) gibt es nur in Deutschland. Aus diesem Grund haben wir auch die Rezeptur aktuell für Deutschland angepasst. Damit man Marito aus der Dose trinken kann, aber sich auch den gleichen Drink zu Hause selber mixen kann. Darum haben wir uns auch dazu entschieden, den Alkoholgehalt nochmals weiter zu reduzieren.
WMW: Gibt es bereits Tendenzen, wie dieser Test mit dem noch tieferen Alkoholgehalt ausschaut? Ich dachte bisher, dass der Low-Alcohol-Trend vor allem eine ausgeprägte Schweizer Eigenheit ist. Wäre insofern ein Test hierzulande nicht erfolgsversprechender? Oder ist das doch ein deutlicher globaler Trend? Könnte es auch sein, dass es das Produkt später vielleicht in zwei Versionen gibt?
DB: Nein, hier können wir noch nichts sagen, da wir erst nach Deutschland geliefert haben. Es geht aber auch nicht nur um den tieferen Alkoholgehalt. Barkeeper und auch Endkonsumenten wollen schnell einen guten Drink mixen. Wir haben gemerkt, dass der Geschmack vom Marito mit 11 % Vol. etwas mehr Spielraum hat. Auch wenn mal mehr, mal weniger Marito oder Prosecco drin ist, er schmeckt gut. Da Deutschland ein absolutes Spritz-Land und auch offen für andere Geschmacksrichtungen ist, läuft der Test dort. Wir werden in der Schweiz weiter mit den 22 % fahren, aber am Ende wird es nur eine Version geben.
WMW: Wie viele Marito-Führungen machen Sie ungefähr pro Jahr?
DB: Knapp 10 Stück.
WMW: Gibt es auch Einzelführungen für CHF 50.- oder nur Gruppenführungen ab CHF 400.-?
DB: Weil die Führungen nicht regelmässig stattfinden, bieten wir keine Einzelführungen an. Respektive die Führung kostet ab der ersten bis zur achten Person CHF 400.-.
WMW: Wie viele Kräuter gibt es in der Sensorik Challenge zu beschnuppern? Und wie gut wird da jeweils durchschnittlich performt?
DB: Sechs Auszüge (Mazerate) und sechs Destillat werden beschnuppert. Auszüge mit Zitronengeschmack (Zitronenmelisse) werden häufig erkannt. Andere Botanicals sind eher schwierig, da man sie so als Einzelnes wenig kennt.
WMW: Du hast Anfragen für low alcohol-Versionen aus dem Ausland erwähnt. Darf ich fragen, wie wichtig denn ungefähr der Ausland-Umsatz-Anteil ist?
DB: Aktuell sind wir mit Marito ca. 50/50 Schweiz/Ausland
WMW: Ich könnte mir vorstellen, dass das Produkt bei Euren Marktforschungen über einen ausgeprägten Frauen-Anteil verfügt, richtig? Eben, als Alternative zu Aperol Spritz und dergleichen.
DB: Nein, das kann ich nicht bestätigen. Da der Drink auch etwas herber und weniger süss als viele orange Vertreter ist, gibt es auch einen Männeranteil, der den Marito trinkt.











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