Hier nun der Mittelteil einer Artikelserie über die Probleme, welche die mexikanischen Agavenbauern bei ihren kürzlichen Protesten angebracht hatten. Der darauf fussende Text stammt vom hervorragenden Magazin mezcalistas.com.
Im ersten Teil ging es um die Regulierungsbehörde (CRT), wie sie nach den Interessen der grossen Produzentenfirmen arbeite und die Agavenpreise gedrückt würden. Auch Trumps Zölle behandelten wir, auch wenn dieses Thema noch immer, nach seiner Präsentation im Weissen Haus vom 2. April 2025, mit viel Unsicherheit behaftet ist. Wird er gegenüber Mexiko und Kanada wirklich 25 % einführen? Wird noch immer verhandelt? Tut Mexiko wirklich zu wenig bezüglich illegaler Einwanderung und Fentanyl-Handel in die USA?
Nun geht es jedenfalls darum, wie die Tequila/Mezcal-Regulierungen entstanden sind, wie sie sich veränderten und wo dabei konkret Betrugsvorwürfe erhoben werden.

Es ist generell so, dass sich die Perspektiven teils äusserst stark verändern können, je nach dem wie weit man in der Zeit zurück geht. 1994 wurde die Regulierungsbehörde gegründet. Man wollte dem mexikanischen Lebenswasser hohe Standards zukommen lassen, um den schlechten Ruf zu korrigieren, was auch von Erfolg gekrönt war. Ich zitiere den Artikel:
Die Agentur machte sich mit Nachdruck an ihre Arbeit. Das CRT stellte Zollzertifizierer ein, um Exporteure von gefälschtem Tequila an der US-Grenze hochgehen zu lassen. In Mexiko führten die CRT-Beamten ein strenges Qualitätskontrollsystem ein, das u. a. vorsah, dass die lizenzierten Landwirte jede einzelne gepflanzte Agave dokumentieren (einschließlich GPS-Koordinaten) und einen verifizierten «Pass» für den Transport der Agave beantragen mussten. Sie wiesen jeder Brennerei einen Inspektor zu und ordneten an, dass jede Charge Tequila in einem Labor getestet werden muss, um sicherzustellen, dass sie den Qualitätsstandards entspricht.

Dieses strenge Regime legte den Grundstein, auf dem der Aufstieg von Tequila in den Spirituosen-Olymp stattfinden konnte. Beispielsweise auch das Produkt, welches ich Euch hier am Schluss vorstellen werde, ausnahmsweise ein Tequila, kein Nicht-Blaue-Weber-Agave-Mezcal. Er strotzt vor Attributen, welche auf diese streng regulierte, hohe Qualität hinweisen: 100 % Agave – also kein anderer Alkohol beigemischt – aus diesem Gebiet, aus REIFEN Agaven, in dieser ursprünglichen, Jahrhunderte alten Methode hergestellt, die Säfte langsam extrahierend, natürlich fermentiert, und so weiter.

Und ich glaube das alles auch. Ich will es glauben! Sonst käme ich mir auch etwas komisch vor, 89 Franken für die Flasche bezahlt zu haben. Und dieser Tequila schmeckt echt himmlisch. Doch würde ich es merken, wenn getrickst worden wäre? Vermutlich nicht, da der Hersteller kein Multi ist, gehe ich auch nicht davon aus. Der mexikanische Agavenrat CMXDA schickt Tequila-Proben ins Labor, um das herauszufinden und hat genug Betrugsbeweise gesammelt, um eine Untersuchung der Regierung zu rechtfertigen. Ich zitiere erneut den Artikel:
«Effizienz» kann bedeuten, unreife Pflanzen zu kaufen und Diffusoren zu verwenden, um die Menge an Tequila zu maximieren, die aus jeder Agave hergestellt werden kann. Das daraus resultierende Produkt erfordert Zusätze wie Karamell und Sirup, damit es wie Tequila schmeckt. Aber das ist heutzutage gang und gäbe und völlig legal.

Es gibt die sogenannte Mixto-Kategorie, welche lediglich 51 % Agaven enthalten muss. Doch die 49 % Zucker aus anderen Quellen müssen während des Gärprozesses hinzugefügt werden. «Kaltmischung» ist gemäss Regulierungsbehörde illegal. Jedenfalls entstand diese legale Misch-Kategorie aus einer Agavenknappheit im Jahre 1964, als der Mindestanteil an Agavenzucker auf 70 % und 1970 schliesslich im Zuge einer erneuten Knappheit auf die heute gültigen 51 % gesenkt wurde. Aber eben, der aktuelle hohe Status des Spirits fusste in den 90er Jahren auf den 100 %-Agavenprodukten.

Soweit der zweite Teil des Mezcalistas-Artikels. Nun zum spezifischen Agavenprodukt, das ich zum Erwerb und Konsum bewerben möchte: Der «Amatitena Blanco Origin» kommt mit 49 Umdrehungen daher und hat etwas Wildes wie ein Mezcal, schmeckt grossartig nach den Agaven und zitrus-süsslich-scharf-mineralisch.

Der leckere Premium-Schnaps stammt aus dem Herzen der Tequila-Produktion, Amatitan, im Bundesstaat Jalisco, unweit vom Ort Tequila.


Hier ein YouTube-Video, in dem Alberto Partida Hermosillo, Meistertequilero in dritter Generation, mit seinem Bruder im Zuge eines Festivals vor rund drei Jahren über viele Aspekte des Handwerks spricht, zum Beispiel wie sich zu viel oder zu wenig Regen auf die Agavenernte auswirkt. Es hilft, wenn man der spanischen Sprache mächtig ist, denn die automatischen Übersetzungen (Einstellungen) sind, naja, eher Kauderwelsch…:
Und hier noch ein Kurz-Fazit auf Englisch eines Fachforums (wobei ich selbst das Produkt trotz der ursprünglichen Machart gar nicht als wirklich rauchig empfinde):
Im dritten, letzten Teil dieser Serie wird dann die Situation der Agavenbauern, die Forderungen und die Untersuchung zusammengefasst. Und natürlich nochmals ein Mezcal vorgestellt, welcher hoffentlich auch Neulinge in diesem Feld überzeugen würde. ¡Salud!











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