Ich war über Weihnachten nicht im Orient-Express, mit Mord habe ich nichts am Hut und das Buch von Agatha Christie habe ich schon vor zig Jahren gelesen. Dennoch hat der Titel meines Artikels etwas mit dem berühmten Kriminalroman zu tun: Im gleichnamigen Film aus den 70er-Jahren kommt ein Cocktail namens Amber Moon vor: Der besteht aus Wodka/Whisky, Ei und Tabasco. Ob er schmeckt oder eher einem Mordversuch gleichkommt, verrate ich Euch gleich.
Über Weihnachten habe ich mir wieder einmal den Film «Mord im Orient-Express» gegönnt; die Version von 1974. Die gefällt mir besser als die Neuere von 2017. Wie Albert Finney den exzentrischen Hercule Poirot gibt, haut mich jedes Mal um – auch ohne Alkohol. Da kann selbst der talentierte Kenneth Branagh nicht mithalten.


Hinzu kommen Sidney Lumet als Regisseur sowie Schauspielgrössen wie Lauren Bacall, Ingrid Bergmann, Sean Connery und Anthony Perkins …
Doch hier soll es nicht um den Film gehen und auch nicht um die Darsteller, sondern um einen Cocktail, der ebenfalls eine wichtige Rolle spielt: den Amber Moon.
Die 70er-Jahre waren eine Zeit, in der die Menschen noch einen unbeschwerten Umgang mit Alkohol pflegten. Man trank viel und gerne: zum Essen, vor dem Essen, nach dem Essen, um sein Nervenkostüm zu beruhigen – und um am Morgen fit und munter zu werden. Enter the Amber Moon.

Was der weise Lemmy Kilmister empfiehlt, propagierte man schon früher. Die Nachwirkungen von Alkohol bekämpft man am besten … mit Alkohol. Deshalb bildete sich eine Gattung von Cocktails heraus, die genau diesem Zweck dienen.
Sie werden im Englischen als «Hair of the Dog»-Drinks bezeichnet. Es handelt sich um eine Abkürzung des alten Sprichworts «Das Haar des Hundes, der Dich gebissen hat». Dieses bezieht sich auf den Aberglauben, dass der Verzehr von Hundehaaren bei der Heilung von Bisswunden eines tollwütigen Hundes helfen kann. Die Bezeichnung bürgerte sich mit der Zeit für Cocktails ein, die den bösen Kater am Morgen vertreiben sollen. Oft enthalten sie Eiweisse, Mineralien und Vitamine in Form von Eiern, scharfen Gewürzen, Salz, Honig oder Fruchtsäften.

Im Film wird der Amber Moon vom Butler Mr. Edward Beddoes seinem Arbeitgeber Mr. Samuel Ratchett am Morgen zu seinem Schlafabteil gebracht. Beddoes klopft an die Tür des Zugabteils und verkündet: «Ich bin es, Sir, Beddoes, mit Ihrem Morgentrunk. Ihr Amber Moon, Mr. Ratchett.»
Auf dem Tablet sind ein Glas mit einem Ei und klarem Alkohol sowie eine Flasche Tabasco-Sosse zu sehen (zudem scheint auch eine Flasche Worcestershire-Sosse auf dem Tablet zu stehen). Den Cocktail kann man entweder mit Whiskey oder Wodka mixen. Ich habe mich wegen der klaren Flüssigkeit im Film für Wodka entschieden, obwohl der Whisky eher der Bernsteinfarbe entsprechen würde, die dem Amber Moon seinen Namen verleiht. Zudem habe ich mich an das simple Rezept auf Wikipedia gehalten, da man das Eigelb im Film deutlich sieht – also den Cocktail nicht geschüttelt oder gerührt:
- 90 ml Whisky oder Wodka
- ein rohes Ei
- Tabasco-Sosse nach Geschmack
Das Ei wird in ein hohes Glas aufgeschlagen, sodass das Eigelb unversehrt bleibt. Nun mit Whiskey oder Wodka aufgiessen und mit Tabasco abschmecken. Ich habe den Wodka vorgängig im Gefrierschrank gekühlt. Zudem habe ich nicht 90 Milliliter Wodka genommen, sondern «nur» 60 Milliliter, da ich keinen Kater hatte und mir knapp 1 Deziliter Schnaps zu viel des Guten ist. Ja, die 70er-Jahre sind definitiv vorbei …
Wie schmeckt er? Der Amber Moon ist tatsächlich ein Muntermacher. Die Schärfe vom Tabasco mit der Hitze des Wodkas verpassen Dir einen Kick. Hinzu kommt das sättigende, rohe Ei, dessen Konsistenz den Cocktail weicher und samtiger macht. Geschmacklich dominiert bei der Variante mit Wodka das Chili-Aroma des Tabasco, das ich fein finde. Eine gute Alternative zum Morgenkaffee … in einer anderen Zeit.












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