ZFF – Tag 7 – 9.10.2024

Dieses Mal wäre zuerst die Master Class von Alicia Vikander auf dem Programm gestanden, gefolgt von vier Filmen, wobei der letzte Film eben der mit Alicia war. Die Master Class schaffte ich zeitlich nicht. Die ersten beiden Filme langweilten mich tierisch, deshalb erwähne ich sie hier nicht weiter. Da würde ich sonst lieber nach draussen gehen, dem Gras beim Wachsen zusehen …

Also bei manchen Filmen frage ich mich schon … Ich glaube, es war Festivaldirektor Christian Jungen, der kürzlich erwähnte, dass das Team für die 100+ Filme, welche dieses Jahr im Programm stehen, gegen 3800 Filme angeschaut hat. Was da wohl alles noch dabei war bei den restlichen 3700 Filmen … Als ich vor vielen Jahren noch zigmal pro Woche an die Pressevisionierungen von neuen Filmen ging, war es auch so, dass halt verflixt viel Mist dabei war, was man sich reinziehen musste …

Film 17 – Corso 1 – 18.30 Uhr: September 5

Der 5. September 1972 schrieb Geschichte, auch TV-Geschichte

Für die Jüngeren unter euch: An diesem Tag nahmen an den olympischen Sommerspiele in München palästinensische Terroristen die jüdischen Sportler als Geiseln. Zwei der Geiseln erlagen schon zu Beginn ihren Verletzungen, der Rest am Flughafen bei den Feuergefechten mit der Polizei. So weit, so bekannt. Der Film dreht sich aber um das amerikanische ABC-TV-Team, das durch den Vorfall von einem Sportreporter- zu einem Politikreporter-Team mutierte. Es war der erste Terrorismusanschlag, der live im Fernsehen übertragen wurde und 900 Millionen Menschen schauten zu.

Nochmals an die Jüngeren: Da gab es kein Internet und kein Handy. Da wurden Filmrollen entwickelt. Da musste Satellitenzeit zwischen den Sendern aufgeteilt werden. Da gab es Telefone mit so seltsamen Wählscheiben und ausserhalb von Amerika wurde noch primär Schwarz-Weiss-Fernsehen geschaut … Kurz, da war die Medienarbeit noch eine völlig andere. Die Medienethik wohl auch, aber nicht vollständig, da auch bei diesem Ereignis schon Fehlinformationen verbreitet wurden, um Quote zu machen, um vor der Konkurrenz einen Scoop zu landen.

Jedenfalls gelingt es dem Schweizer Regisseur Tim Fehlbaum ausgezeichnet, dieses Weltereignis als Medienkammerspiel dicht und spannend zu präsentieren. Er spricht auch einige der vielen Dinge an, die dazumal falsch gemacht wurden. Zum Beispiel waren Sicherheitsvorkehrungen praktisch inexistent, weil man Deutschland bewusst als offen und locker darstellen wollte.

Natürlich ist der Film heute wieder brandaktuell. Irgendwie hat sich nicht so irre viel verändert seit damals. Also technisch hat sich unfassbar viel geändert, aber politisch-menschlich nicht wirklich. Jedenfalls gebe ich hier eine klare Anseh-Empfehlung ab. Well done!

Die IMDb-Bewertungen von der Community und mir:

Im Film trinken sie Whiskey. So einen sollte man sich schon gönnen bei derart viel spannender Beklemmung.


Film 18 – Arena 4 – 20.45 Uhr: The Assessment

Nun zum Film des Tages. Ich war sehr gespannt auf dieses Werk! Ich habe für Sci-Fi und Zukunftsdystopien schwer was übrig. In der Zukunft braucht es nicht mehr viel Nachwuchs, da die Menschen sehr alt werden. Der Staat regiert rigoros, natürliche Geburten sind verboten. Wer ein Kind will, kann sich bewerben, worauf bei den aussichtsreichsten Kandidaten, der Elite, dann ein sogenanntes Assessment stattfindet. Eine Prüfung, ob sie geeignet wären, ein Kind gross zu ziehen.

Alicia wurde ein goldenes Auge übergeben

Die drei Hauptdarsteller liefern ganz famose Performances ab. Elisabeth Olsen und Himesh Patel spielen das Paar, das ein Kind aufziehen will mit sehr viel Verve. Und Alicia Vikander hat mit ihrer Rolle als der Prüferin das ganz grosse Los gezogen und kann sich richtig austoben. Sie testet das Paar ohne jegliche Grenzen und schlüpft auch in die Görenrolle, um zu sehen, wie das Paar mit Kinderproblemen umzugehen weiss. Und visuell überzeugt der Film sehr. Auch wenn nicht ganz alles beim Storytelling immer stimmig dünkt, war das bisher vermutlich der interessanteste Film des Festivals. Er kommt Ende April 2025 in die Kinos.

Die IMDb-Bewertungen von der Community und mir:

Der Film ist wie der Negroni Sbagliato (Campari, roter Wermut, Prosecco, Orange), den ich am Nachmittag im Park Stadelhofen hatte; stark, erfrischend, anregend:


Die Master Class, die heute verlinkt wird, ist natürlich die von Alicia Vikander aus 2017. Ich hätte sie heute liebend gerne live gesehen, aber manchmal reicht es halt einfach nicht …

Der heutige Buchauszug behandelt unseren Nationalfilmhelden Marc Forster. Jeder fängt mal klein an:

Autor

  • Wermutwolf Daniel Frey

    Ich habe Freude am Schreiben. Und am Trinken. Und am Schreiben, während ich trinke. Während des Vollmondes oder während des Trinkens verwandle ich mich in meine wölfische Urnatur.

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