Es gibt viele Gründe, sich zu betrinken. Die Fruchtfliege hat einen allzu menschlichen: Werden die Männchen von einem Weibchen abgewiesen, suchen Sie Trost im Alkohol.
«Sex-Entzug treibt Fruchtfliegen in den Alkohol», titelte die Süddeutsche Zeitung in einem etwas älteren Artikel. Wie wir Menschen greifen Fruchtfliegen bei Frust gerne zu stimmungshebenden Substanzen. Und wenn die Tierchen nicht plötzlich Schokolade, das Rauchen … oder Gott bewahre – gar Cannabis oder noch Schlimmeres – entdeckt haben, werden sie sich auch im Jahr 2024 einen hinter die Binde kippen, wenn Flaute im Bett herrscht.

Laut der Süddeutschen Zeitung trinken Fruchtfliegen ohnehin gerne einen über den Durst. So würden auch sexuell befriedigte Männchen trinken, aber deutlich weniger als ihre abgeblitzten Artgenossen.
Wissen tut man das wegen eines Experiments: Wissenschaftler der University of California in San Francisco und des Howard Hughes Medical Instituts in Ashburn haben männliche Fruchtfliegen zu Weibchen gesetzt, die zuvor ihre Libido befriedigen konnten und deshalb wenig Lust auf weitere Abenteuer hatten. Die männlichen Tiere wurden immerzu abgewiesen.

Eine weitere Gruppe Männchen wurden isoliert gehalten, also ganz ohne weiblichen Kontakt. Die dritte Gruppe hatte es am besten: Hier durften die Männchen für jeweils sechs Stunden mit mehreren Weibchen in den Laken wühlen.
Das Ergebnis: Die abgewiesenen Männchen zeigten später nur noch wenig Interesse an brünstigen Weibchen, dafür hatten sie umso mehr Lust auf Alkohol. Die Forscher boten ihnen zwei Röhrchen zum Trinken an. Eines enthielt reine Nahrungsflüssigkeit, das andere Nährflüssigkeit mit 15 Prozent Alkohol. Ratet, was die enttäuschten Männchen bevorzugten … auch die Männchen ohne weiblichen Kontakt griffen lieber zum Alkohol.

Im Schnitt sollen die deprimierten Fliegen viermal mehr Alkohol getrunken haben, als die sexuell befriedigten. Grund sei laut den Forschern die Konzentrationen an NPF (Neuropeptid F) im Gehirn der Tierchen. Die abgeblitzten Männchen wiesen nur halb so viel NPF auf wie ihre erfüllten Kollegen. Ein niedriger NPF-Spiegel führe dazu, dass die Fliegen nach anderen Quellen für Glücksgefühle suchten, um das NPF zu erhöhen. Offenbar ist dabei Alkohol das Mittel der Wahl. Dies gelte für Fruchtfliegen grundsätzlich: Es sei normal, dass sich Fruchtfliegen im Labor besaufen würden, wenn sie zwischen alkoholfreien und alkoholischen Getränken wählen können. Sexueller Frust würde dieses Bedürfnis verstärken, sexuelle Befriedigung hingegen senken.

Fruchtfliegen nutzen Alkohol übrigens nicht nur, um «glücklich» zu sein. Wie wir Menschen verwenden sie ihn auch als Desinfektionsmittel. Welt.de weiss zu berichten, dass weibliche Fruchtfliegen ihre Eier in Anwesenheit von parasitären Schlupfwespen in alkoholhaltigem Obst ablegten. Der Alkohol würde den Larven das Leben retten, indem er die gefährliche Wespenbrut in ihren Körpern abtötet.











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