Auf diesen Anlass habe ich mich so richtig gefreut, es ist mein Lieblingsevent. Verschiedenste Absinthes verkostend durch die Nacht ziehen, mit einer zusammengeschweissten Gruppe toller Leute und dabei noch jede Menge interessanter Geschichten lauschen zu können – das ist einfach top!
An Halloween war es endlich wieder so weit. Organisator Tobi rief die Liebhaber der grünen Fee zusammen und dem Ruf wurde zahlreich gefolgt. Ich durfte zum zweiten Mal teilnehmen (Hier der Bericht über die Durchführung 2024) und im Nachgang blieben nun nebst den spannenden Anekdoten und feinen Lebenswasser ein paar philosophische Gedanken hängen.

Ein paar Stunden vor dem Start rief uns Tobi in der Chatgruppe in Erinnerung, dass man diese Tour vernünftigerweise nicht mit einem leeren Magen in Angriff nehmen sollte. Gesagt, getan, nachdem der Bürotag ein Ende fand, ging ich nebenan zu Dr. Brauwolf, der an diesem Freitag Fiesta Mexicana veranstaltete. Als ich eintraf, steppte schon der Party-Bär. Ich krallte mir am Zapfhahn ein mexikanisches Amber-Lagerbier und beim Food-Truck Burritos, das mir für die Nacht den nötigen «Boden» verschaffte.

Im Gegensatz zum Vorjahr, fand die Tour heuer nach der Zeitumstellung statt, was zur Folge hatte, dass es von Anfang an dunkle Nacht war. Der Mond war auch nicht mehr so voll wie beim letzten Mal. Die Strecke enthielt einen Brunnen weniger, also deren sieben, dafür einen weiteren Rekord bei den Teilnehmern, vermutlich rund 20 Absinthe-Interessierte. Und Tobi serviert manchmal auch gewisse Abfüllungen, von denen es keine tausenden Flaschen gibt. Mein Favorit war dieses Jahr ein Absinthe mit sagenhaften 70 % Vol., was man aber nicht im entferntesten schmeckte. Der einzige Grüne war mir zu bitter. Ansonsten fand ich alle anderen sehr fein.

Auch bei dieser vierten Durchführung fesselten Tobi’s Storys, wie sich zum Beispiel anno dazumal eine unheilige Allianz aus Abstinenzlern, Kirchenleuten, schädlingsgeplagten Weinproduzenten, etc. bildete, die auf die Absinthe-Produzenten losging, natürlich aus den verschiedensten Motiven heraus. Oder über die im Absinthe äusserst unterschiedlichen Thujon-Mengen, denen fälschlicherweise der übersteigerte Rausch in die Schuhe geschoben wurde. Auch die Geschichte, wie jemand bei einem Brand geistesgegenwärtig den Absinthe in den nahen Fluss abgelassen hat, was wegen der grünen Verfärbung zur Entdeckung einer Verbindung mit einem anderen Fluss führte, war als quasi Vorläufer von solchen Färbetechniken spannend.

Doch wie erwähnt kreisten meine Gedanken später mehr um die Themen, die ich mit anderen Teilnehmern der Tour diskutiert hatte. Beispielsweise geben einem Kontraste zu denken, wie verschieden Alkohol auf die Menschen wirkt. Jemand hatte eine Familiengeschichte auf Lager, wie es zu Aggressionen kommt, jemand anderes, wie ein Familienmitglied nur unter Alkoholeinfluss Gefühle zeigen kann. Doch nun zum Hauptthema, das mich bis jetzt beschäftigt.

Es hat vermutlich etwas ironisches an sich, wenn man sich auf einer Absinthe-Degustationstour über Dopamin-Fasten unterhält. Dopamin, ein Botenstoff des Belohnungssystems, wird umgangssprachlich bekannterweise als Glückshormon bezeichnet, und Alkoholzufuhr führt zu einer entsprechenden Ausschüttung davon, wie auch von Serotonin, das angstlösend, beruhigend wirkt. Gleichzeitig wird die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol verringert, was für eine entspannte Stimmung sorgt.

Wie man weiss, kann die Wirkung auch je nach Menge, Persönlichkeit, usw. in die Richtung von fehlender Kritikfähigkeit und sinkender Selbstkontrolle gehen. Natürlich könnte man noch endlos Negativpunkte erwähnen, hier soll es aber mehr um die wohltuende Wirkung gehen. Denn die Diskussion drehte sich um das Streben nach Unabhängigkeit vom Dopamin-Kick, der durch Substanzen künstlich erzeugt wird.

Diese Absinthe-Brunnentour vereinigt wundervoll diverse Elemente, die glücklich machen: Man ist draussen an der frischen Luft, hat Bewegung, wird mit lehrreichen Geschichten und feinem Essen gefüttert. Und natürlich als i-Pünktchen: das soziale Miteinander und die Absinthe-Verkostungen. Das ist für jemanden wie mich die volle Dopamin-Dröhnung. Und wir Wermutwölfe pflegen unser Motto: «Trinken ohne Reue». Trotzdem möchte ich Euch nun zum Schluss, wenn Ihr noch mögt, das Gespräch, das ich schriftlich mit ChatGPT über dieses Thema führte, zur Lektüre empfehlen. Ich bin nicht überall vollumfänglich Chatty’s Meinung, denke aber, der Dialog hilft, ohne Reue, doch bewusst zu trinken. Cheers!
























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