Wir sind glücklicherweise nicht die Einzigen, welche die Kampagne gegen (moderaten) Alkoholkonsum kritisieren. Deshalb handeln wir das Essay von Christian Seiler in mehreren Teilen ab. Und Hilfe naht nun nicht nur aus dem Tagi-Verlag, auch der «Nebelspalter» veröffentlichte einen lesenswerten Artikel zu einer neuen Studie, die Gegensteuer gibt. Darauf heben wir das Glas …
Für Neueinsteiger in diese Artikelserie: Es ist von Vorteil, zuerst Teil 1 und Teil 2 zu lesen. Heute betrachten wir die Abschnitte, in denen es um die Kräfte im Hintergrund geht. Seiler benennt die folgenden Organisationen/Personen:
- Independent Order of Good Templars (IOGT)
Ursprung der Temperenzbewegung, gegründet 1851 in Utica, New York.
Ziele damals: Ausschliessliche Abstinenz von alkohlischen Getränken, Prohibition bzw. starke Einschränkungen. - Movendi International (vormals IOGT / Good Templars Ursprung)
Historisch gewachsen aus der Temperenz-/Abstinenzbewegung
Strategischer Fokus 2023-2026: «Replace the alcohol norm», also Normen über Alkoholkonsum verändern, Lobbyarbeit, etc.
Direkt mit Tim Stockwell verbunden! (Siehe Teil 2) - Vital Strategies
Global tätige Gesundheitsorganisation, aktiv in über 80 Ländern.
Programm «RESET Alcohol»: Politische Massnahmen wie höhere Besteuerung, Einschränkung der Verfügbarkeit und Marketingrestriktionen.
RESET fungiert als Konsortium mit Partnerorganisationen wie Movendi, GAPA, WHO etc. - Global Alcohol Policy Alliance (GAPA)
Netzwerk von NGOs und Einzelpersonen im Bereich öffentliche Gesundheit, mit Fokus auf wirksame Alkoholpolitik, etc.
Mitglieder aus vielen Regionen – Asien/Pazifik, Afrika, Europa, Lateinamerika etc.
Aktivitäten: Lobbyarbeit, Übermittlung von politischen Empfehlungen, Teilnahme an WHO-/UN-Unternehmungen, zum Beispiel dem RESET-Projekt etc. - Institute of Alcohol Studies (IAS), London
Großteil der Finanzierung kommt von der Alliance House Foundation. - Alliance House Foundation (UK)
Bestandteil der Abstinenz-/Temperenzbewegung - GiveWell
Evaluierungsorganisation: Hat 2021 einen Zuschuss über 15 Mio USD für das RESET-Alcohol-Projekt gewährt.
Diese Organisationen befeuern den Kampf gegen Alkohol, indem sie die WHO, die diesen Kreuzzug hier in Europa 2015 übernommen hat, dabei unterstützen. Es geht um die altbekannten Massnahmen, wie alles, was dem Alkoholverkauf hilft, zu verbieten oder beschränken und die Preise u.a. durch Steuern zu erhöhen.

Als schliesslich die Empfehlungen trotz anders lautenden Studienergebnissen (wir kommen gleich darauf zurück) massiv gesenkt wurden (bspw. in Kanada von für Männer 15, für Frauen zehn, auf zwei Drinks pro Woche), schrieb das kanadische Medium «The Hub»: «Es ist nichts falsch daran, auf Alkohol und andere Rauschmittel zu verzichten. Aber seine persönliche Meinung als wissenschaftlich auszugeben, auf Kosten der Steuerzahler, und sich dann bei der Regierung für eine Änderung der Politik einzusetzen, ist etwas anderes. Haben die Steuerzahler darum gebeten, dass ihr Geld für die Finanzierung von Anti-Alkohol-Lobbyarbeit verwendet wird? Sicherlich nicht.» Seiler teilt diese Meinung.

Und nun zu den aktuellen Veröffentlichungen in diesem Kampf der Ideologien und Fakten. Nicht nur, dass immer weniger Bier getrunken wird, und wir uns folgedessen der Mission Bier-Rettung verschrieben haben, auch andere Alkoholgattungen, wie die Weinbranche, vor allem die Rotweinproduzenten, ächzen nebst anderen Gründen unter dem Alkohol-Bashing. Umso erfreulicher, wie der «Tages-Anzeiger» hier berichtet, dass der kürzlich erschienene Konsensus-Report der Nasem (USA) die bis vor kurzem noch gültigen Standards anerkennt, dass moderater Alkoholkonsum (ein Drink pro Tag für Frauen, zwei für Männer) gut verträglich ist, die Gesamtsterblichkeit sogar senkt, und zwar nicht im Promillebereich (wenn wir schon beim Thema sind…), sondern um satte 16 bis 23 Prozent!

Und noch viel erfreulicher fand ich den «Nebelspalter»-Artikel vom 10. Oktober 2025, der sich nicht nur mit einer schönen Portion Ironie darüber ausgelassen hat, sondern die Thematik auch in den notwendigen, grösseren Rahmen stellte. Ein grossartiger, lesenswerter Text von Gottlieb F. Höpli, den ich unseren Lesern hier wärmstens zur Lektüre empfehle. Zumal viele Mainstream-Journalisten noch immer unkritisch nach der WHO-Pfeife tanzen, respektive schreiben, entweder ohne diese Organisation jemals genauer unter die Lupe genommen zu haben, oder halt einem Propaganda-Auftrag folgend. Ich hoffe jedenfalls, dass man diesen fehlgeleiteten Leuten – auch unsere Gesundheitsministerin gehört leider dazu – vermehrt faktisch die Leviten liest. Abstossende Schockbilder auf Weinflaschen und weitere Schikanen würden jedenfalls weder Vernunft noch Tradition, Kultur, gerecht werden … Zum Wohl, gute Gesundheit!











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