Seit dem 25. September 2025 kann man sämtliche acht Folgen der Netflix-Serie über eine richtungsweisende Zeitspanne im 19. Jahrhundert rund um die Brauerei des berühmtesten Bieres der Welt ansehen. Und genau das habe ich getan. Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt.
Tja, das ist wohl das Dilemma mit Erwartungen. Es ist schwierig, sie beiseite zu legen, aus den Gedanken zu verbannen, unvoreingenommen heranzugehen. Hier jedenfalls, denn wir beim Wermutwolf mögen Irland, wir mögen Guinness und Steven Knight ist nicht nur Schöpfer dieser Serie, sondern auch Macher der grossartigen Hit-Serie «Peaky Blinders».

Über Guinness selbst werde ich hier keine Worte mehr verlieren, das hat Kollege Sascha beispielsweise mit seiner Startfolge der Artikelserie «Mission Bier-Rettung» bereits getan. Deshalb in aller Kürze: In der Serie geht es um das Brauerei-Erbe des 1868 verstorbenen Chefs Benjamin. Drei Söhne und eine Tochter versuchen, dem Unternehmen ihren Stempel aufzudrücken, zu expandieren, und müssen dafür allerlei politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen.
Die effektive Geschichte der Firma ist jedoch nur die Basis für die Serie. Sehr vieles ist fiktiv oder fiktionalisiert, zugespitzt worden. Das reicht von einzelnen Figuren, die es nicht gegeben hat, wie dem Vorarbeiter, über Unruhen, die nicht stattgefunden haben, dramatisierten Testamentsbedingungen, innerfamiliären Konflikten und mehr. Gedreht wurde nicht in Dublin, sondern Manchester, Liverpool, etcetera. Der Soundtrack, die Machart und Sprache der Serie ist auf modern gebürstet. Anders gesagt: Der nachfolgende Clip von Bill Murray, der in einem irischen Pub singt, könnte wohl authentischer sein …
Ganz zu Beginn wird für die langsameren Zugeschalteten in stylishen Schlagworten plakativ mitgeteilt, worum es gehen wird: Familie! Geld! Rebellion! Macht! Doch ja, ich gebe es zu: Nach ein paar Folgen habe auch ich ein wenig mit den eher flach gezeichneten Charakteren mitgefiebert. Und der Schluss der letzten Folge endet natürlich derart (mit einer weiteren erfundenen Storyline), dass man auf eine zweite Staffel hoffen soll. Was ich nicht tue. Als ich «House of Guinness» schaute, war ich zwischendurch am Zurich Film Festival zugegen und der Zufall wollte es, dass ich unter anderem die grandiose Neuverfilmung von «Frankenstein» gesehen habe. Wie «House of Guinness» kommt auch «Frankenstein» aus der Netflix-Schmiede und spielt in der selben Zeit. Doch eben, wo die Serie meiner Meinung nach misslungen ist, brilliert die Neuinterpretation des viktorianischen Dramas «Frankenstein» auf jeder Ebene. Der Kontrast ist augenfällig. Erschwerend kommt hinzu: Über (das) Bier erfährt man in der Serie praktisch gar nichts …

Aber ich will es nicht generell madig schreiben. Teils Themen sind durchaus wichtige Zeitgeschichte: Katholiken gegen Protestanten, Nationalisten gegen Royalisten, Armut, Philanthropie (die oft genug Mittel zum Zweck ist) und gesellschaftliche Zwänge sind beliebtes Storytelling. Wenn man lockere, zeitgenössische Unterhaltung mag und sich gerne Intrigantenstadl-Kost zuführt, dann kann man es sicher geniessen. Sich dabei ein paar Pints der schwarzen Köstlichkeit hinter die Binde zu kippen, kann sicher nicht schaden. Cheers!











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